Hörn: Groß ist die Furcht vor den Autofluten

Von: Alfred Stoffels
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Rappelvoll war der Hörsaal bei der Info-Veranstaltung zum Campus Westbahnhof.

Aachen. Rappelvoll war der Hörsaal 2 der ehemaligen PH an der Ahornstraße, als am Mittwochabend ein Thema verhandelt wurde, das immer für größtmöglichen Zulauf gut ist: der Verkehr vor der eigenen Haustüre.

Konkret ging es um die Furcht der Anlieger, dass der geplante RWTH-Campus Melaten zusätzliche Blechlawinen in Bewegung setzt, die sich zum Großteil über die beschaulichen Wohnstraßen der Hörn ins neue Hochschulviertel mit seinen - erhofft - 5000 Arbeitsplätzen ergießen. Von der Stadt Aachen kam allerdings postwendend Entwarnung; so schlimm werde es nicht, wurde betont, und bei allen Planungen würden die Belange der vor Ort lebenden Menschen nach Kräften berücksichtigt.

Rund 400 Bürger der Hörn, von Königshügel und Muffet waren gekommen, um sich anzuhören, was die Planer so planen, vor allem aber, um Kritik zu üben und eigene Vorschläge zu machen. Das war auch der Sinn der Veranstaltung, so die Beigeordnete Gisela Nacken, denn entschieden sei noch nichts, der Verkehrsausschuss befasse sich erst am 12. März mit dem kitzligen Thema.

Eins steht allerdings außer Frage: Der Campus wird neuen Verkehr erzeugen, viel neuen Verkehr. Uwe Müller, zuständiger Abteilungsleiter bei der Stadt Aachen, konnte unter anderem berichten, dass der neue Campus pro Tag um die 29.000 „Wege” auslösen werde - die zu überdurchschnittlichen 70 Prozent mit dem privaten Pkw zurückgelegt würden (der Rest entfällt auf ÖPNV, Radfahrer, verschwindend wenige Fußgänger). Oder, andere Zahl: In Spitzenzeiten rollen pro Stunde 800 Autos mehr als bislang durch die hinleitenden Straßen.

Angedacht ist, dass sich die Masse des Verkehrs über Vaalser Straße/Pariser Ring und Süsterfeldstraße/Toledoring in den Campus bewegt. Preisfrage: Tut er es auch? Oder suchen sich die Automobilisten Strecken, die ganz anders aussehen und die Hörn im Innersten belasten?

Sechs Varianten präsentierte Müller, die denk- und machbar seien, um die Zufahrt in geordnete Bahnen zu lenken. Je nachdem, wie man die Stellschräubchen dreht, kommen da natürlich unterschiedliche Belastungen heraus. Beim Pariser Ring sind es in jeder Version 200 Autos mehr pro Stunde, bei Halifax- und Süsterfeldstraße 150 bis 450, aber bei der Valkenburger Straße zum Beispiel schwankt es zwischen 50 plus und 100 minus, Ahornstraße 50 minus bis 100 plus, Seffenter Weg 50 plus bis 250 minus. Das sind schon kleine Unterschiede.

„Urbane Seilbahn”

Logischerweise hingen die Interessen im Publikum eindeutig vom jeweiligen Wohnort ab, so dass der Sprecher der Interessengemeinschaft intervenieren musste und bat: „Lasst euch bloß nicht auseinanderdividieren.” Allgemeiner Konsens müsse nämlich sein: raus mit dem Durchgangsverkehr aus den Wohnvierteln, Garantie eines Minimums an Emissionen vom Lärm bis zum Feinstaub - und wenn es zu Belastungen komme, dann bitte keine einseitige, sondern gleichmäßige Verteilung derselben.

Grundsätzlich herrschte da Einigkeit im großen Auditorium, wiewohl mancher Besucher manchen Akzent anders setzte. So gab es jene, die die geplante „Landschaftsbrücke” Melatener Straße (nur noch für Fußgänger und Radfahrer) als nicht der Weisheit letzten Schluss betrachteten, während andere vehement für die Beibehaltung der Melatener Straße als Autozufahrt zum Campus plädierten. Es kam auch der Vorschlag, alle Ampeln so zu schalten, dass schnelles Fahren nicht mehr möglich sei, und die Frage: Wenn der Zusatzverkehr unsere Straße kaputt macht - müssen wir dann auch noch dafür bezahlen?

Versprechen der Stadt: Der Verkehr in den reinen Wohnvierteln wird so gering wie möglich ausfallen, der ÖPNV wird gestärkt (per Job-Ticket und strenger Parkraumbewirtschaftung in ganzen TH-Gebiet). Und wer weiß, möglicherweise ist eine „urbane Seilbahn” drin - das war allerdings reine Zukunftsmusik.
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