Berlin - Hochschulen sollen Bachelor-Studiengänge überarbeiten

Hochschulen sollen Bachelor-Studiengänge überarbeiten

Von: Christiane Jacke, ddp
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Berlin. Nach heftiger Kritik von Studenten und Hochschulen wollen die Kultusminister Korrekturen am System der Bachelor- und Masterstudiengänge vorantreiben.

Die Ressortchefs der Länder legten am Freitag in Berlin einen Katalog an Vorschlägen vor, um die Stofffülle und Verschulung bei den neuen Abschlüssen einzudämmen.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) appellierte unter anderem an die Hochschulen, die Studienprogramme zu überarbeiten, den Prüfungsumfang zu reduzieren und je nach Inhalten auch eine Regelstudienzeit von sieben oder acht Semestern für den Bachelor anzusetzen. SPD, Grüne, Studenten und Bildungsgewerkschafter reagierten enttäuscht und sprachen von „halbherzigen Beschlüssen”.

Laut dem sogenannten Bologna-Prozess soll innerhalb der Europäischen Union ein einheitlicher Hochschulraum entstehen. Die Studiengänge werden dazu allesamt auf Bachelor und Master umgestellt. Bei der großen Mehrheit der Studiengänge in Deutschland ist das bereits passiert. Hochschulen und Studenten klagen jedoch über große Probleme bei der Umsetzung. Sie kritisieren, die Strukturen seien zu starr und die Arbeitsbelastung zu hoch.

Die Kultusminister plädierten nun für eine flexiblere Gestaltung der Bachelor-Studiengänge. Sie müssten nicht immer - wie bislang die Regel - auf sechs Semester angelegt sein, sondern könnten je nach Studieninhalten auch über sieben oder acht Semester laufen. Wichtig sei auch eine bessere Anerkennung von Abschlüssen und Prüfungsleistungen, um den Wechsel zwischen Hochschulen im In- und Ausland zu erleichtern.

Um Informationsdefizite bei potenziellen Arbeitgebern abzubauen, schlugen die Minister vor, dem Abschlusszeugnis eine Information zu Struktur und Inhalten des Studiums beizufügen. Sie plädierten außerdem für mehr Kooperation mit der Wirtschaft bei der Erarbeitung der Lehrpläne. Grundsätzlich sprachen sie sich auch für einen Ausbau des BAföG aus.

Die Ministerrunde räumte ein „Imageproblem” des neuen Systems ein. Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) sagte, der Bachelor werde in Deutschland zu Unrecht als „unvollständiger” Abschluss wahrgenommen. Das müsse sich ändern. Die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD) appellierte an die Wirtschaft, mehr Bachelor-Absolventen einzustellen. „Wir können für Akzeptanz werben, Akzeptanz schaffen kann der Arbeitsmarkt”, sagte sie.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) äußerte sich zuversichtlich. Die Beschlüsse der Kultusminister würden „den Bologna-Prozess maßgeblich vorantreiben und für mehr Akzeptanz bei allen Beteiligten sorgen”, sagte sie. Die Reformziele an sich seien richtig.

SPD und Grüne kritisierten dagegen, die Vorschläge der Minister seien halbherzig und unkonkret. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bemängelte, es fehlten „konkrete Schlussfolgerungen für die eigene Politik der KMK”.

Unzufrieden äußerten sich auch Studentenvertreter. Die Vorschläge der Kultusminister seien „viel zu kurz gegriffen”, sagte Tobias Roßmann vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Humboldt-Universität Berlin. Nötig sei eine grundlegende Reform statt kleiner Änderungen. „Bis die Hochschulen das heute Verkündete in ihr Curriculum integriert haben, dürften noch mindestens zwei Jahre vergehen”, sagte er, „dabei ist absehbar, dass nur ein Bruchteil der Probleme mit den Vorschlägen gelöst werden kann.”
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