Goodbye Deutschland: Komplettes Studium im Ausland kann sich lohnen

Von: Marc Herwig, dpa
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Auslandsstudium
Gut für den Lebenslauf: Im Ausland zu studieren, wie hier an der San Diego State University, kann einen von anderen Bewerbern abheben. Oft werden solche Abschlüsse in Deutschland aber nicht anerkannt.

Münster/Berlin. Die einen flüchten vor dem Numerus Clausus, die anderen vor den deutschen Studiengebühren, und einige suchen einfach das große Abenteuer. Es gibt viele Gründe, sein Studium komplett im Ausland zu absolvieren.

Durch die offenen Grenzen der Europäischen Union lässt sich das auch immer leichter finanzieren. Allerdings müssen Studenten vorher genau überlegen, was sie mit ihrem Studium später einmal vorhaben. Denn einige ausländische Abschlüsse sind später in Deutschland fast wertlos.

Bei Medizinern hat ein Vollstudium im Ausland schon eine gewisse Tradition. „In Deutschland braucht man einen sehr guten Einser-Schnitt im Abitur, um überhaupt einen Studienplatz zu bekommen”, sagt Alexandra Michel von der aufs Ausland spezialisierten Studienberatung College Contact in Münster. Bei angehenden Psychologen und Kommunikationswissenschaftlern sei es ähnlich. Im Ausland würden Studienplätze hingegen oft nicht allein nach der Abiturnote vergeben, sondern es gebe Aufnahmeprüfungen.

Ein beliebtes Land bei angehenden Ärzten ist Ungarn. „Dort kann man Medizin sogar auf Deutsch studieren”, sagt Michel. In Tschechien, der Slowakei, Lettland und Polen gebe es Studiengänge auf Englisch. Für Psychologie-Studenten seien zum Beispiel die Niederlande interessant. „Dort wird das Fach längst nicht so gehyped wie bei uns, deshalb ist es leichter, einen Platz zu bekommen.” Entscheidend sei dabei: Solange man innerhalb der Europäischen Union sein Studium abschließt und seine Zulassung als Arzt oder Psychologe bekommt, dürfe man in jedem EU-Land praktizieren - also auch in Deutschland.

Andere Studenten ziehen vor allem aus finanziellen Gründen ins Ausland. „In Dänemark und anderen skandinavischen Ländern ist das Studium komplett kostenlos”, sagt Michel. Gerade bei Studenten, die in Deutschland nah an der holländischen oder dänischen Grenze leben, sei es verlockend, im Nachbarland zu studieren.

Ein Vollstudium im Ausland wird aber noch aus einem ganz anderen Grund attraktiv: Die eng getakteten Bachelor-Studiengänge ließen Studenten heute oft kaum den Raum, um für ein oder zwei Semester ins Ausland zu gehen, sagt Claudius Habbich vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) in Bonn. In einigen Studiengängen stehe man vor der Entscheidung, ganz oder gar nicht ins Ausland zu gehen.

Unterschätzen dürfe man die Entscheidung zu einem Vollstudium im Ausland allerdings nicht, warnt Malte Eilenstein von der privaten Studienberatung PlanZ in Berlin. Mit einem ausländischen Abschluss nach Deutschland zurückzukommen, sei nicht immer ganz leicht. „Ein Studium im Ausland ist vor allem für Menschen sinnvoll, wenn sie später in diesem Land leben und arbeiten möchten”, findet er.

Für Lehrer oder Jura-Studenten, die eine formale Anerkennung ihres Abschlusses brauchen, kann ein Studium im Ausland sogar hinderlich sein. „Arbeitgeber sind meistens nicht so streng: Da kommt es nicht auf die formale Anerkennung des Studiums an, sondern auf die Studieninhalte und das Bildungsniveau”, sagt Eilenstein. Generell gelte: Wer im europäischen Ausland bleibe, habe es mit seinem Abschluss in Deutschland noch relativ leicht. Aber wer Europa verlasse, bekomme häufiger Probleme mit der Anerkennung der Studienleistungen.

Und noch etwas sollte sich jeder Student von vornherein klar machen: Während des Studiums zurück an eine deutsche Uni zu wechseln, ist nicht ganz leicht. „Das ist Ermessenssache der deutschen Hochschulen, welche Kurse sie anerkennen und welche nicht”, sagt Michel. Einige Kurse müssten fast immer nachgeholt werden, weil Studienleistungen nicht anerkannt würden. Das kann das Studium in die Länge ziehen. „Deshalb sollte man sich von vornherein sicher sein, dass man auch das gesamte Studium im Ausland studieren will, und dass man das auch finanzieren kann.”

Die Studiengebühren in einigen Ländern dürfe man nicht unterschätzen, mahnt Eilenstein. „Für ein Medizinstudium beispielsweise an der Semmelweis Universität in Budapest fallen pro Semester 5900 Euro Studiengebühren an.” Wer in der EU bleibt, hat zumindest auch Anspruch auf BAföG. „Im ersten Studienjahr im Ausland übernimmt das BAföG-Amt sogar die Studiengebühren - allerdings höchstens bis zu einem Betrag von 4600 Euro”, sagt Michel. Außerdem gebe es in vielen Ländern Stipendien, durch die man deutlich niedrigere Studiengebühren zahlen müsse.

Es gibt also viel zu organisieren, und das braucht Zeit. „Man muss eine ganze Menge Informationen einholen und häufig auch noch Sprachtests absolvieren. Spätestens ein Jahr vor dem Abitur sollte man mit den Planungen anfangen, damit man sich nicht mitten im Abiturstress zum Beispiel noch mit einem Sprachtest rumschlagen muss”, rät Michel.

Bachelor in Deutschland, Master im Ausland

Einen Auslandsaufenthalt im eng getakteten Bachelor-Studium unterzubringen, ist schwer - aber ganz im Ausland zu studieren, ist auch nicht jedermanns Sache. DAAD-Experte Claudius Habbich empfiehlt deshalb eine Mischung: das Bachelor-Studium in Deutschland und den Master im Ausland.

„Gerade beim Master kann es sinnvoll sein, ins Ausland zu gehen, weil es da noch einmal ganz andere Spezialisierungen gibt”, sagt er. Außerdem seien die Erfahrungen viel intensiver, als wenn man im Bachelor-Studium nur für wenige Monate ins Ausland geht. „Dass man wirklich lernt, sich im Ausland durchzubeißen, das fällt bei einem so kurzen Aufenthalt weg.”

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