Gigantische Pläne, große Ängste, gute Ideen

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
Campus west
Der Startschuss für die Realisierung des neuen Campus Melaten (1) nahe dem Klinikum (2) steht bevor. Die Verkehrsströme - alleine hier sollen 5000 Arbeitsplätze entstehen - sollen im Campus selbst über einen neuen Boulevard (3) fließen. Bereits vorhanden ist die Forckenbeckstraße (4), die über Kreisverkehre (5) an den Pariser Ring (6) angebunden werden soll. Die Anwohner des Wohngebiets Hörn (7) befürchten aber, dass sich Blechlawinen durch die Wohngebiete walzen werden, insbesondere über die Halifaxstraße (8), den Seffenter Weg (9) und die Ahornstraße (nicht im Bild).

Aachen. Im Aachener Westen wird ein völlig neuer Stadtteil aus dem Boden gestampft. „Campus” heißt er - und er ist keiner, in dem die Menschen leben, sondern in dem sie arbeiten. 5000 Jobs im ersten Schritt (Melaten), 5000 im zweiten (Westbahnhof), das sind die angepeilten Zahlen.

Diese Menschen werden großteils mit dem Auto zur Arbeit kommen - mehr als 20.000 Fahrten sind das täglich allein im Gebiet Melaten.

Und wo wird das Blech rollen? Das ist die Frage, die jene bewegt, die gleich nebenan wohnen - in den Wohngebieten Hörn, Königshügel, Muffet. Angst hat sich breitgemacht, dass sich Auto an Auto durch Wohnstraßen schiebt oder dass Hauptstraßen stärker belastet werden, als sie es schon sind. Am Mittwoch hatte die Verwaltung zur „außerordentlichen” Bürgerinformation in einen Hörsaal der ehemaligen PH an der Ahornstraße geladen. Sie kamen in Scharen, die „Hörner”. 400 quetschten sich in den letztlich viel zu kleinen Raum.

Es war an Uwe Müller, Chef der Verkehrsplanung der Stadt, den Stand der Dinge, die Varianten und die Zahlen aus dem Verkehrsgutachten darzustellen. Keine einfache Aufgabe, es geht um ein Puzzle aus verschiedenen „Was wäre wenn”-Fragen. Klar ist: Ganz ohne Zusatzverkehr auf der Hörn geht es nicht ab. Doch erklärtes Ziel der Stadt ist es, die Wohngebiete nicht über Gebühr zu belasten und die Verkehrsströme zu verteilen. Haupterschließungachse ist der Pariser Ring.

Der Campus selbst erhält einen „Boulevard” als interne Erschließung, die an die bereits existierende, später ausgebaute Forckenbeckstraße angedockt wird. Diese wird über zwei Kreisverkehre und vielleicht eine neue direkte Verbindung an den Pariser Ring gekoppelt. Von außen sollen die Autos möglichst über Vaalser Straße und Süsterfeldstraße - später über die neue Erschließung des Campus Westbahnhof - heranrollen. Trotzdem wird es mehr Verkehr auf der Halifaxstraße, vielleicht auch auf der Ahornstraße geben. Der Seffenter Weg hingegen soll für Durchgangsverkehr unattraktiv gemacht werden.

Reicht das alles? Nein, sagen viele Bürger. Der Protest geht soweit, gleich den ganzen Campus zu verdammen. Das aber blieben auch am Mittwochabend Einzelstimmen. Viele Anwohner haben sich hingegen konstruktiv Gedanken gemacht. Einen Ideenkatalog hatte Herbert Maanen, Geschäftsführer der IG Hörn/Königshügel/Muffet parat. Tenor: Der Durchgangsverkehr muss aus den Wohngebieten raus.

Dazu bedürfe es einiger - nicht unrealistisch scheinender - Maßnahmen: Ausbau der Vaalser Straße und der Süsterfeldstraße, mehr Tempo-30-Zonen auf der Hörn, vorrangige Ableitung des Verkehrs vom Seffenter Weg in die Mies-van-der-Rohe-Straße - so einige der Vorschläge. Und: „Maßnahmen wie die geplanten Busschleusen müssen so angelegt werden, dass sie nicht von einer anderen Ratsmehrheit geändert werden können.”.

Klar wurde aber auch, dass es - je nach Wohnlage - auf der Hörn unterschiedliche Interessen gibt. Maanen mahnte: „Wir sollten uns nicht auseinanderdividieren lassen. In erster Linie muss es darum gehen, den Durchgangsverkehr wegzubekommen.” Dafür habe man Zusagen der Verwaltung, bei der er sich ausdrücklich bedankte. Müller betonte, man werde ohnehin versuchen, den Autoanteil noch stark zu reduzieren. So stehe eine Machbarkeitsstudie für eine Bahnlinie (Monorail, Seilbahn, Hochbahn) bevor. Und die Stadt setze darauf, dass in der RWTH Jobtickets nebst Parkraumbewirtschaftung eingeführt werden. Will sagen: Die Mitarbeiter sollen mit dem Bus kommen, müssten ansonsten für Parkplätze zahlen.

Nun ist es an der Politik. Wieviele Vorschläge der Bürger in den Beschluss einfließen, wird sich am 12. März (17 Uhr, Verwaltung Lagerhausstraße, Saal 170) zeigen.
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