Geschichte oder Maschinenbau? RWTH oder FH?

Von: Axel Borrenkott
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Aachen. Gut zwei Millionen junge Menschen sind derzeit an einer Hochschule in Deutschland eingeschrieben. Ein paar Hunderttausend von ihnen werden höchstwahrscheinlich das Studium wieder aufgeben oder das Fach wechseln. Auch an der RWTH beträgt die Quote der Abbrecher in manchen Fächern 50 und mehr Prozent.

Das hat verschiedene Gründe, ein wesentlicher ist: Sie wussten nicht, was auf sie zukommt, sie haben sich vorab nicht beraten lassen. Dabei könnte man dieses Problem vergleichsweise leicht lösen. Die Zentrale Studienberatung bietet ein nahezu lückenloses Programm an Entscheidungshilfen.

Wenn man selbst in den seligen 70er Jahren studiert hat, staunt man einen Moment, dass die Wahl des richtigen Studiums heute so ein Problem sein soll. Damals studierten in Aachen die einen fraglos und beratungsfrei Soziologie und Germanistik, die anderen Maschinenbau oder E-Technik, und die Ärztesöhne halt Medizin. Irgendwas hat man schon draus gemacht, oder eben eine Schreinerlehre angefangen.

Eigene Interessen klären

Das ist natürlich ebenso ein romantisches Klischee wie es umgekehrt übertrieben ist, dass heute kaum noch jemand wüsste, was und zu welchem Behufe er oder sie studiert. Doch man wird die Erfahrungen der Studienberater ernst nehmen müssen, dass inzwischen bis zu 40 Prozent eines Abijahrgangs gar nicht wissen, was sie studieren sollen - oder ob überhaupt. Und dass auch die, die es wissen, erheblicher Unterstützung bedürfen, wie man sich am besten an den Hochschulen bewirbt.

An den rund 350 Hochschulen in Deutschland kann man unter 14000 Studiengängen wählen, allein in Aachen sind es insgesamt fast 200. Bachelor oder Master?, ungewisse Berufsaussichten, Uni oder Fachhochschule?, verkürztes Abi, schnelleres Studium, Finanzierung: „Die Studienwahl ist in den letzten Jahren sehr viel komplexer und auch komplizierter geworden. Viele Jugendliche, und ihre Eltern dazu, sind verunsichert und wissen nicht, was sie machen sollen. Sie sind auch nicht gut vorbereitet.”

Wolfgang Loggen, seit 14 Jahren Leiter der ZSB am Templergraben 83, ist hörbar ein Studienberater aus eher noch wachsender Überzeugung. Vielleicht, weil es nicht nur Not sondern auch gut tut, jungen Menschen zu einer besseren Entscheidung zu verhelfen. Das gilt gleichfalls für Silvia Krebs-Oviedo, eine von insgesamt drei weiteren Beratern der ZSB: „Schade, dass ich nicht früher gekommen bin”, hört sie nicht ungern von ihren „Kunden” als Kompliment für ihre Arbeit.

„Ganz wichtig ist es, die eigenen Interessen der Ratsuchenden zu klären.” In diesem eigentlich trivialen Grundsatz steckt das A&O der gesamten Beratungstätigkeit. Der Auftrag ist nämlich nicht, möglichst viele Studenten der RWTH zuzuführen. Die hat genug davon und erst recht kein Interesse an weiterhin hohen Abbrecherquoten. Im Gegenteil: Bis zum Ende dieses Jahrzehnts sollen im Schnitt jeweils 75 Prozent aller Studienanfänger ihr Studium auch erfolgreich abschließen. Auf dieses ehrgeizige Ziel hat sich das Rektorat festgelegt.

Ob ein junger Mann, der gerne an Autos rumbastelt und Mechanik studieren will, vielleicht besser an einer FH als an der Uni aufgehoben ist? „Maschinenbau-Vorlesungen mit 1000 Kommilitonen im Audimax sind auch nicht für jeden das Richtige”, weiß Loggen. Oder ob er überhaupt eine realistische Vorstellung hat, welche Kompetenz an Mathematik so ein Studium verlangt?

Und ob einer meint, mit Betriebswirtschaft viel Geld verdienen zu können, sich aber viel eher für Geschichte interessiert? Ob eine junge Frau mit technischen Fähigkeiten für ein Ingenieurstudium begeistert werden kann, obwohl ihre Eltern zu Jura raten? Die Studienberater haben eine ganze Palette von Möglichkeiten, solche Fragen zu klären.

Tests und Gespräche

Es beginnt mit Tests (Self Assessment), die die Ratsuchenden selbst via Internet machen können. Es folgen strukturierte Interviews, in denen sich Interessens-Schwerpunkte herausschälen, und eine Reihe weiterer Gesprächsmöglichkeiten, bis hin zur psychologischen Beratung.

Das alles kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber, so Silvia Krebs-Oviedo: „Am Ende muss die junge Frau oder der junge Mann das Gefühl haben: Das ist es!”. Die Entscheidung muss der Ratsuchende aus eigenem Entschluss fällen. Wolfgang Loggen: „Wir raten nicht zu oder ab. Es gibt auch keine Palette von Studiengängen, die wir empfehlen.”

Hilfe zur Selbsthilfe also. Die manchmal ziemlich unten anfängt. „Viele können gar nicht artikulieren, was sie wollen”, stellt Loggen nüchtern fest. Dazu komme nicht selten der Druck von den Eltern, dieses ständige „Was-willst du-denn-studieren?” Beides kommt einem doch recht bekannt vor. Nachvollziehbar auch, was Loggen auch zunehmend beobachtet: „Die Entscheidung für ein Studium wird immer weiter hinausgeschoben. Erst mal Abi machen”, heiße die Parole.

Hinzu komme in den letzten Jahren eine „diffuse Zukunftsangst”. Das verleite dann mitunter zu Überlegungen, ein Studium lieber wegen der Aussicht auf ein vermeintlich sicheres Einkommen zu beginnen, obwohl man sich für das Fach gar nicht interessiert. Von solchen „extrinsischen”, also von äußeren Überlegungen geleiteten Orientierungen halten die Studienberater nicht viel: „Weil die sich nicht mit den Inhalten des Fachs auseinandersetzen.” Und das führt meistens nur zu Frust, und wieder hohen Abbrecherquoten.

Generell, folgt man Loggen und Krebs-Oviedo, scheint es ein wachsendes Problem zu sein, dass „die meisten Schüler gar nicht wissen, wie Studium geht, dass es etwas ziemlich anderes ist als Schule.” Lehrer seien in der Hinsicht auch nicht allzu hilfreich, so Loggen: „Lehrer sollten keine Studienberater sein. Sie haben meist wenig Ahnung, was heute im Studium verlangt wird.”

Lieber früh kommen

Klappern gehört auch zum Beratungsgeschäft. „Früh mit uns Kontakt aufnehmen. Wir können schließlich auch viele Ängste nehmen und Hemmschwellen abbauen.” Das ist die Botschaft, die Wolfgang Loggen nicht zuletzt an die Eltern richtet. Schließlich müssen in Zeiten von G8 schon Zehntklässler, also 16-Jährige, wohl oder übel vor die künftige Studienwahl gestellt werden. So lädt der traditionelle und stets proppenvolle Studieninformationstag im Juli dieses Jahr ausdrücklich schon die 10er Jahrgänge ein, also die Schüler, die 2013 als erste nach nur zwölf Schuljahren Abi machen.Ê

Da wird aus Studienberatung mehr und mehr ein „professionelles Übergangsmanagement” zwischen Schule und Hochschule. Engagiert ist die Aachener ZSB landes-, zum Teil bundesweit. In erster Linie aber, Jahr um Jahr, für „80 bis 90 Gymnasien und Gesamtschulen, für rund 5000 Abiturienten und 10.000 Eltern in der Region, die über das heutige Studium informiert werden sollten”.

Der eine oder andere Schulabgänger möchte danach vielleicht doch lieber Tischler und damit glücklich werden.

Schüler-Beratungstage vom 1. bis 3. Februar zu allen Disziplinen an der TH

Intensive Orientierung über ihr Studienangebot bietet die RWTH an drei „Beratungstagen für Abiturienten und Studieninteressierte” vom 1. bis zum 3. Februar mit jeweils umfangreichen Programm zu allen Disziplinen. Vormittags, ab 9 Uhr, in Gestalt von Vorträgen in Hörsälen des Kármán-Auditoriums. Nachmittags Vorführungen in den einzelnen Instituten und Laboren.

Ingenieurwissenschaften machen den Auftakt am Dienstag, 1. Februar. Vormittags Einführungen in Maschinenbau, Elektrotechnik und Architektur. Nachmittags kann man zwischen rund zwei Dutzend Vorlesungen und Besichtigungen wählen.

Naturwissenschaften, Mathematik Geowissenschaften und Medizin stellen sich Mittwoch, 2. Februar, vor. Morgens Grundlegendes zu allen Fächern, nachmittags Präsentationen in TH und Uniklinikum.

Geistes-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften laden für Donnerstag, 3. Februar, nach den morgendlichen Einführungen zu Fachvorträgen in die Institute ein.

An allen Tagen sind außerdem Experten, auch studentische, zu allen Fragen über Studium, Einschreibung, Finanzierung etc. zugegen.

Angebote der Zentralen Studienberatung

Die Zentrale Studienberatung (ZSB) versteht sich als „erste, zentrale Anlauf- und Informationsstelle” für die Studierenden der RWTH bei allen Fragen und Problemen rund ums Studium. Darüber hinaus berät sie am Studium interessierten Schüler und hilft bei der Entscheidungsfindung, was man wo am besten studiert.

as Angebot ist umfassend: Einzel- und Gruppengespräche, Trainings, Management von Lernen, Prüfungen, Stress, Studienalltag; psychologische Beratung. Außerdem organisiert die ZSB alle möglichen Einblicke ins Studium für Schüler wie Schnupperstudium, Vorlesungen, Informationstage. Für spezielle Fragen zu Studieninhalten und Prüfungen gibt es Fachberater.

Adresse: Templergraben 83, 52062 Aachen, 0241/8094050; zsb@zhv.rwth-aachen.de
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