Für Fachhochschulen ist der Dipl.-Ing. von gestern

Von: Axel Borrenkott
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Gegen die Wiedereinführung des Dipl.-Ing. spricht sich eine Allianz von sechs Fachhochschulen aus, zu der auch die FH Aachen gehört. Die Rückkehr würde eine „Gefahr für die Weiterentwicklung des Hochschulsystems” bedeuten.

Damit stellen sich die Fachhochschulen offen gegen den Verbund der neun führenden Technischen Universitäten (TU9), die von der Politik den Erhalt des akademischen Grads Diplomingenieur verlangt.

Recht spät meldet die FH-Lobby ihren Widerspruch an, schließlich läuft die Kampagne der TU9 für den Dipl.-Ing. seit Januar. Dass den Fachhochschulen die Relativierung von Bachelor und Master absolut nicht passen kann, war sofort klar. Mit der inzwischen nahezu abgeschlossenen Umgestaltung des Studiensystems auf die zweistufigen Abschlüsse Bachelor und Master sind diese an Universitäten und Fachhochschulen nämlich formal gleichwertig.

Würde aber der Dipl.-Ing. wieder zugelassen, wären sowohl der Bachelor als eigenständiger, berufsqualifizierender Abschluss wie auch der Master an den FHs entwertet. Die Technischen Unis fordern den Master (oder das Diplom) als Regelabschluss - das streben allerdings auch die meisten Uni-Studenten an - und damit letztlich das einzügige Studium zurück. Das ist aber das Gegenteil von dem, was mit dem Bologna-Prozess erreicht werden sollte.

„Absolut falscher Weg”

Eben darauf beruft sich jetzt die Hochschul-Allianz für Angewandte Wissenschaften („HAWtech”), zu der neben der Aachener die technischen Fachhochschulen von Berlin, Darmstadt, Dresden, Esslingen und Karlsruhe gehören. „Insbesondere die Fachhochschulen haben den Nachweis gebracht, dass der Bachelor-Abschluss berufsqualifizierend ist.”

Die hohe Qualität dieser Abschlüsse werde von den Arbeitgebern „ohne Abstriche anerkannt”, so die HAWtech. Da die Mehrheit der Ingenieure an Fachhochschulen ausgebildet werde, müsse „auch in der Öffentlichkeit die Stellung dieser Ingenieure entsprechend ihrer Bedeutung und Qualifikation wahrgenommen” werden. „Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass eine Diskussion zur Wiedereinführung des Diplom-Ingenieurs als akademischer Abschluss oder als Zusatz zu den neuen Graden im Ingenieurbereich begonnen hat.” Das würde das Ziel der weltweiten Kompatibilität von Hochschulabschlüssen konterkarieren und „auch zu Verwirrungen im deutschsprachigen Raum führen”.

Begonnen hat die Diskussion bekanntlich der Rektor der RWTH, Ernst Schmachtenberg, der seit Jahresbeginn Präsident der TU9 ist. Sein Rektorkollege von der FH Aachen, Marcus Baumann, hatte die Wiederbelebung des Dipl.-Ing. schon im Frühjahr den „absolut falschen Weg” genannt.

Politisch sind die Chancen für ein Dipl.-Ing.-Revival zurzeit übrigens nicht groß. Einige Landesregierungen haben sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen, darunter NRW und Bayern, andere aber noch keinen besonderen Ehrgeiz dafür erkennen lassen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert