Aachen - Für den Notfall gibt es Schlafplätze auf dem Fußboden

Für den Notfall gibt es Schlafplätze auf dem Fußboden

Von: mg
Letzte Aktualisierung:
Nachtquartier im Schlafsack: V
Nachtquartier im Schlafsack: Viele Studenten sind noch auf Wohnungssuche. Foto: Imago/Arco Images

Aachen. „Student mit Thermomix sucht nette WG”: Wer in diesen Tagen auf Zimmersuche ist, hat eine Menge Konkurrenz. Da muss sogar der Besitz einer Küchenmaschine als Empfehlung herhalten.

Die Studentenzahlen steigen, und zum Semesterstart haben längst nicht alle neuen Studierenden ein Dach über dem Kopf. Notquartiere für die „Erstis” sind derzeit bei der Stadt Aachen aber kein Thema. „Die Notwendigkeit sehen wir bisher nicht”, erklärt Axel Costard vom städtischen Presseamt. Man stehe aber in engem Kontakt mit der RWTH und werde die Situation im Auge behalten.

Auch Britta Piel, stellvertretende Dezernatsleiterin beim International Office der RWTH, guckt genau hin. Denn besonders die Studenten aus dem Ausland haben es schwer. „Wie jedes Jahr stehen auch jetzt wieder Leute mit Koffern vor uns und wissen nicht, wohin”, berichtet Piel. Auch kurzfristige Unterkünfte seien offenbar schwer zu bekommen. Beim Sozialreferat des AStA meldeten sich jüngst sogar zwei junge Inder, die in ihrer Not die Nacht in einem Park verbracht hatten.

Das Interkulturelle Centrum Aachener Studierender (Incas) bemüht sich unter dem Motto „My home - your home” um Freiwillige, die für ein paar Tage einen wohnungssuchenden Studenten aufnehmen können.

Die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) hat sogar erstmals ein großes Schlaflager vorbereitet und bietet an drei Wochenenden im September „night shelter” an, ein Nachtquartier für Wohnungssuchende von außerhalb. 50 Leute können im großen KHG-Saal unterkommen. Die Nachfrage war allerdings sehr gering. „Am ersten Wochenende haben zwei junge Leute aus dem Sauerland hier im Schlafsack übernachtet, am zweiten Wochenende kam einer aus Bremen”, berichtet KHG-Pastoralreferent Theo Pannen. „Vielleicht war unser Angebot nicht bekannt genug.” Zudem nutzten Studenten bisher offenbar vor allem private Kontakte, um für die Zeit der Wohnungssuche irgendwo unterzukommen.

Auch für das kommende Wochenende können sich Studenten noch für ein Nachtquartier bei der KHG anmelden. Aber auch zum Vorlesungsbeginn darf keiner auf der Straße stehen, findet Pannen. „In Einzelfällen müssen wir auch unkonventionelle Lösungen in unseren Wohnheimen suchen.”

Zumindest vorübergehend kann für Neuankömmlinge auch die Jugendherberge eine Option sein. „Es gibt immer Tage, an denen wir voll belegt sind”, berichtet Irmgard Jansen, Herbergsmutter im Euregionalen Jugendgästehaus. „Aber in der Regel kriegt man bei uns ein Bett.”

Die niederländische Gemeinde Vaals verzeichnet indes einen regelrechten Ansturm deutscher Studenten. Von 27 Häusern, die zur Zwischennutzung angeboten werden, sind 22 bereits voll belegt.

Auch mit Blick auf den Abitur-Doppeljahrgang in NRW, der 2013 an die Unis drängt, wird bei der Stadt längst über provisorische Quartiere für Studenten nachgedacht, Containerlösungen etwa oder die Nutzung leerstehender Gebäude. Eisenbahnwaggons, wie sie 1980 am Westbahnhof bereitstanden, wird es allerdings definitiv nicht als Notquartiere geben. „Schlafwagen der Deutschen Bahn werden von dieser aus sicherheitstechnischen Gründen nicht mehr zur Anmietung angeboten”, heißt es in einer Übersicht der Verwaltung für die Politik.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert