Flotte Klimaschützer auf der Überholspur

Von: Robert Flader
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Aachen. Nun, eigentlich haben sie bereits ganze (Überzeugung-)Arbeit geleistet. Mit wirklich un-schlagbaren Argumenten! Die allerdings auch nötig sind, schließlich wollen sie ihn irgendwann einmal erobern, den Automobilmarkt.

Doch Elektroautos, von den einen für ihre Sparsamkeit geliebt, von anderen wegen mangelnder Reichweite zum Teufel gewünscht, spalten die Herzen der Autofahrer. Dabei lässt sich mit den Ökoflitzern längst nicht nur die teure Zapfsäule an der Tank-stelle nebenan galant umkurven.

Umweltproblematik nimmt zu

Nein, in Zeiten des weltweiten Klimawandels gewinnt ein weiterer Aspekt zusehends an Geschwindigkeit: die Umweltproblematik. E-Fahrzeuge verursachen keine Abgase, ein guter Grund, warum neben Verkehrsclubs auch Umweltverbände das Vorhaben der Bundesregierung begrüßen, zukünftig in steigender Stückzahl Automobile mit ausschließlich elektrischem Antrieb vom Band rollen zu lassen. „Doch das macht nur Sinn, wenn bis 2020 deutlich mehr als die angestrebten eine Million E-Fahrzeuge unterwegs sind”, schränkt Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des umweltorientierten Verkehrsclubs Deutschland (VCD), ein. „Elektromobilität darf kein Nischenpro-dukt bleiben, sonst kommen die Vorteile der Ökomodelle nicht flächendeckend zur Geltung.”

Nur eine Serienproduktion hätte spürbare Auswirkungen auf den Klimaschutz. Bei einer Stückzahl von einer Million E-Fahrzeugen stünden diesen schließlich immer noch rund 50 Millionen Benziner und Diesel gegenüber, rechnen Umweltaktivisten vor. Deshalb sei es notwendig, ergänzt Lottsiepen, neben einer steigenden Produktion von E-Fahrzeugen, „alle neuen Pkw deutlich sparsamer zu machen.” So konnte der CO2-Ausstoß in den letzten Jahren auf 155 Gramm (Stand Mitte 2009) pro Kilometer reduziert werden, Ten-denz weiter abnehmend. Ab 2020 müsse es schließlich einen gesetzlichen Grenzwert von 95 Gramm für jedes Fahrzeug geben, lautet ein Vorschlag des VCD. Zudem könnte der CO2-Ausstoß in Zukunft stärker besteuert werden.

Auch in Aachen ist die Diskussion um die (Elektro-)Mobilität von morgen in vollem Gange, nicht zuletzt durch verschiedene Projekte der RWTH, wie etwa das neukonzipierte Ökomodell „StreetScooter”. „Elektromobilität ist eine attraktive Alternative, vor allem für den kurzfristigen Stadtverkehr”, sagt Britta Mahn vom Naturschutzbund (Nabu) Aachen. Sie fordert gleichzeitig ein grundsätzliches Umdenken in Sachen Umwelt, „denn die Luftbelastung ist gerade bei uns durch die Kesselform der Stadt enorm hoch”. In diesem Zusammenhang müsse auch die regenerative Stromerzeugung konsequenter gefördert werden. „Erneuerbare Energien sind die erste Voraussetzung. Es bringt ja nichts, wenn aus Kohle Strom erzeugt wird.” Ein Punkt, dem sich Dieter Formen vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) anschließt. Er sagt: „Kein Antrieb durch Atomkraft”.

Verbände machen mobil

In diesem Zusammenhang machen Umweltverbände und Verkehrsclubs nun mobil und mit Aktionen verstärkt auf die Vorteile von E-Fahrzeugen aufmerksam. „Wir führen Umwelttouren mit Elektroautos durch, um Verbraucher für dieses Thema zu sensibilisieren”, sagt Jacqueline Grünewald vom ADAC, der Ende des Jahres deutschlandweit etwa 60 „Elektrotankstellen” (Aufladestationen) betreiben will - einige davon auch im Rheinland. „Wir wollen zunächst die Infrastruktur schaffen”, so Grünewald, „damit sich Elektromobilität auch langfristig durchsetzen kann.”

Grundsätzlich sei mit großen Veränderungen des Straßenbildes in den nächsten 20 Jahren aber noch nicht zu rechnen, sind sich die Experten einig. Dazu bedürfe es neben einer stärkeren finanziellen Förderung für Elektromobile auch des steigenden Interesses von potenziellen Käufern. Es gilt, kräftig die Werbetrommel zu rühren. Ginge es nur um Effizienz und umweltschonende Gesichtspunkte, Öko-Flitzer befänden sich längst auf der Überholspur.

Auch in der Region wären sie dann ganz sicher als flotter - und wirkungsvoller - Beitrag zum Klimaschutz unterwegs.

Elektromobilität: Kontakte, Aktionen

Elektromotoren sind äußerst leise und haben von allen Antrieben den höchsten Wirkungsgrad (90 Prozent). Für die Ökobilanz der Elektroantriebe ist aber entscheidend, auf welche Art und Weise der Strom erzeugt wurde.

Umweltverbände und Verkehrsclubs lehnen deshalb Strom, der durch Atomkraft gewonnen wird, strikt ab. Die Erforschung regenerativer Energien hingegen müsse weiter vorangetrieben werden, so die Forderung.

Weitere Informationen zum Thema Elektromobilität und Umweltschutz:

Verkehrsclub Deutschland: 0241/8891437, vcd-aachen.de, vcd.org; ADAC Aachen: 0241/9108071, adac.de; Naturschutzbund Aachen (Nabu): 0241/870891, nabu-aachen.de; Bund für Umwelt und Naturschutz Aachen (BUND): 0241/8891466, bund-aachen.de
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