FH-Studenten entwerfen Plakate für Kampagne gegen häusliche Gewalt

Von: Martina Stöhr
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Aachen. Wie die Welt aussieht, wenn man am Boden liegt, zeigen Plakate, die Studentinnen des Fachbereichs Gestaltung der Fachhochschule Aachen (FH) entworfen haben. Der Betrachter wird zum Opfer und sieht die Welt mit dessen Augen.

Das Spiel mit dem Blickwinkel geht unter die Haut und berührt auf ganz besondere Art. „Wir wollten keine Schockeffekte”, sagt Loni Finken vom Gleichstellungsbüro der Stadt Aachen. „Wir wollten ein Plakat, das nachdenklich stimmt und trotzdem peppig ist.”

Der Fachausschuss „Gewalt gegen Frauen” hatte die Studenten der FH beauftragt, unter dem Titel „Frei sein von Gewalt” eine Kampagne zu entwickeln, um das Thema „häusliche Gewalt” ein Stück mehr in die Öffentlichkeit zu rücken. Das Ergebnis sei überwältigend, meint Loni Finken.

Jetzt hängen die ersten ausgewählten Plakate an Aachens Litfaßsäulen und verweisen auf die Internetadresse www.aachen-gewaltfrei.de. Dort nämlich können die Opfer häuslicher Gewalt schnell und unkompliziert Kontakt mit den entsprechenden Beratungsstellen aufnehmen.

„Es ist immer eine Gratwanderung, ein solches Thema zu visualisieren”, meint Loni Finken. Die Plakate sollten eindringlich sein, aber Gewalt eben auch nicht zu platt darstellen. Nach diesem Kriterium wählte der Fachausschuss die Arbeiten, die jetzt an allen Litfaßsäulen zu sehen sind, schließlich aus. Die Studentinnen haben versucht, möglichst sensibel mit dem Thema umzugehen.

Bevor sie sich an die eigentliche Gestaltung machten, besuchten sie verschiedene Beratungsstellen, informierten sich bei der Polizei und gingen in Gerichtsverhandlungen. „Es ist beeindruckend, wie schnell sie sich mit dem Thema vertraut gemacht haben”, lobt Loni Finken. „Die Recherche vor Ort und der Blick hinter die Kulissen machen einen Großteil der Arbeit aus”, betont Ilka Helmig, die das Projekt als Professorin für visuelle Konzeption an der FH betreut hat.

Sie versteht es als Riesenherausforderung, ein solches Thema mit „seiner großen, inhaltlichen Dimension” aufzubereiten. Wichtig sei, die Idee möglichst schnell zu kommunizieren, ohne dass die Tiefe des Inhalts verloren gehe.

Für die Studentinnen war die durch Landesmittel geförderte Kampagne eine außergewöhnliche Erfahrung. Es sei motivierend gewesen, an einem realen Auftrag zu arbeiten, sagen sie. Zudem habe es sich um eine gute Sache gehandelt, in die man sich auch gerne selber einbringe.

An die Aufgabe sind sie ganz unterschiedlich herangegangen: Fotografien, Zeichnungen und dreidimensionale Illustrationen sind das Ergebnis. Entstanden ist eine Fülle von Plakaten, die jeweils ihren ganz eigenen Reiz haben. Grüne Piktogramme aus Kresse beispielsweise, die das „wachsende Problem” symbolisieren und die den Betrachter an Ausdrücke wie „Gras über die Sache wachsen lassen” erinnern sollen und damit nachdenklich stimmen. Oder Figuren aus Knete, die kurzerhand auseinander geschnitten wurden, bevor sie als Inszenierung fotografiert wurden.

Und dann ist da noch die Serie, die sich am Stummfilm orientiert. Auf schwarzen Tafeln stehen Sätze wie: „Man wird dir doch eh niemals glauben”, „Ich kann meinen Kindern den Vater nicht nehmen” oder „Er sagt, er tut es nie wieder”.

Diese Plakate sollen im November zum Anti-Gewalt-Tag als zweite Serie an den Start gehen. „Es war alles andere als leicht, sich zu entscheiden”, sagt Loni Finken. Sie und der Fachausschuss wünschen sich, dass alle Entwürfe auf einer europäischen Wanderausstellung gezeigt werden. Doch dafür fehlt bislang das Geld.
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