Fehlen im kommenden Semester 50000 Studienplätze?

Von: abt/qua/rl
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Berlin. An manchen Universitäten wird es im kommenden Semester eng. Die Hochschulen erwarten etwa 60.000 Bewerber mehr als im vergangenen Jahr.

Trotz neu geschaffener Studienplätze dürften viele von ihnen leer ausgehen. Denn es gibt nur rund 450.000 Plätze für die 500.000 potenziellen Studienanfänger.

Die Folge: Der Zugang zur Hochschule wird erschwert. An vielen Universitäten sind die Numerus-Clausus Anforderungen gestiegen. Beispiel Düsseldorf: An der Heinrich-Heine-Universität stieg der NC für Psychologie von 1,3 auf 1,2 für das Wintersemester, für Medien- und Kulturwissenschaften wird nun ein Abiturdurchschnitt von 1,3 statt vorher 1,4 gefordert.

Die Deutschen Hochschulen verzeichnen eine Zunahme der Bewerbungen von 20 bis 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Düsseldorf meldet sogar einen Anstieg um 70 Prozent, darunter auch zahlreiche Doppelbewerbungen. Angesichts der Knappheit der Plätze bewerben sich viele Schulabgänger auf mehrere Fächer.

Der Anstieg der Bewerber hat mehrere Gründe: In diesem Jahr drängen erstmals doppelte Abiturjahrgänge aus Bayern und Niedersachsen an die Hochschulen. Zudem führt die Aussetzung der Wehrpflicht dazu, dass sich viele junge Männer vorzeitig für ein Studium entscheiden.

Nicht alle Unis werden überrannt: Nach Auskunft des Hochschulinformationsservice (HIS) gibt es an den Hochschulen in den neuen Bundesländern noch genügend freie Plätze. Auch in Bonn würde man sich über zusätzliche Studierende freuen, wie Pressesprecher Andreas Archut unserer Zeitung sagte. Es gäbe 17 Fächer, für die man eine Studienplatzgarantie geben würde.

Viele Universitäten haben ihre Plätze aufgestockt. In Köln stieg die Zahl der Studienplätze für Erstsemester von 5200 im Vorjahr auf nun 6500. Mit mehr rechne man nicht, sagte Merle Hettersheimer von der Pressestelle. „Wieviel sich letztlich einschreiben, wissen wir heute jedoch nicht.”

Florian Pranghe, Vorsitzender des freien Zusammenschlusses der Studentinnenschaften, geht davon aus, dass sehr viele Interessenten keinen Platz erhalten werden. Er kritisiert, dass ein geplantes zentralisiertes Zulassungsverfahren - bisher organisieren die Universitäten dies selbst - noch nicht funktioniert. „Deshalb erhalten viele dann erst zum Ende des Semesters ihren Platz. Das ist sehr chaotisch.”

Bund und Länder wollen mit dem sogenannten zweiten Hochschulpakt bis 2015 jährlich 4,7 Milliarden Euro bereitstellen, um auf den Ansturm zu reagieren. Dadurch sollten bis zu 335.000 zusätzliche Studienplätze entstehen, betonte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). „Die Länder haben ebenfalls zugesagt, dass sie ihre finanziellen Anstrengungen beim Ausbau der Studienangebote steigern werden”, sagte Schavan unserer Zeitung. „Wir erwarten, dass diese Zusage eingehalten wird.”

An der RWTH Aachenbleibt man gelassen

Die RWTH Aachen sieht dem Ansturm gelassen entgegen. Toni Wimmer, Pressesprecher der RWTH, sieht derzeit kein neues Problem. Es gäbe zwar einen Anstieg der Bewerbungen, dies läge aber daran, dass man sich wegen der Ausdehnung der NC-Fächer auf drei statt wie bisher nur auf zwei Studiengänge bewerben könne. Außerdem seien Bewerbungen an mehreren Studienplätzen möglich.

Mit dem großen Ansturm rechnet die RWTH bekanntlich zum Wintersemester 2013/14, für das die Zahl der Erstsemesterplätze von 5000 auf 7200 aufgestockt wurde.

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