Erste Spaten im Matsch von Melaten

Von: Anja Klingbeil und Matthias Hinrichs
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Von wegen Zukunftsmusik: Die Jazzkombo „Muckefuck” gibt am Seffenter Weg passend zum Anlass auch ein kleines Open-Air-Konzert. Mit hunderten Gästen wird der erste Spatenstich gefeiert. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Da sollte es nun nach Jahren der Vorbereitungen und Planungen endlich losgehen - und dann das: Als Harald K. Lange, Niederlassungsleiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW in Aachen, zur Tat schreitet, um die frisch polierten Spaten zu verteilen, wird er von einem aufgeregten Mitarbeiter unterbrochen.

Da hatten die Verantwortlichen die Stelle, wo der erste Spatenstich und damit der Startschuss für das milliardenschwere Campus-Projekt am äußersten Ende des Seffenter Wegs stattfinden sollte, mit einem großen Plakat prächtig in Szene gesetzt. Soll ja schön aussehen auf den Pressefotos. Und dann macht sich der Schriftzug selbstständig, quasi vom Winde verweht. Doch flugs wird alles wieder gerichtet - ein Kinderspiel, gemessen an kommenden Herausforderungen.

Und so können unter anderem NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, RWTH-Rektor Professor Ernst M. Schmachtenberg und Campus-Initiator Professor Günther Schuh die Spaten in Melaten doch noch im matschigen Boden versenken. Nicht viele Spatenstiche dürften solche - nicht nur mediale - Aufmerksamkeit erfahren. Im Festzelt am Rande der Baugrube tummeln sich mehrere hundert Menschen, die dieses Ereignis auf keinen Fall versäumen wollen. Auch das zeigt, welche Strahlkraft das Campus-Projekt weit über die Aachener Region hinaus hat und haben wird.

Davon ist auch die Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt (SPD) überzeugt: „Das ist das zukunftsträchtigste Projekt, auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.” Ulla Schmidt freut sich, dass es nun endlich losgeht. „Das wird eine Riesendynamik auslösen. Der Campus wird einer der Bereiche sein, über den man in Deutschland, aber auch international spricht”, ist sie sich sicher.

Die große Strahlkraft betont auch Andrea Trebschuh. „Ich bin überzeugt, dass in den nächsten Jahren der Profit sichtbar wird, den das Campus-Projekt für die Region bringt”, sagt die Geschäftsführerin der Initiative Aachen. Die Perspektive für die nächsten fünf Jahre scheint durchweg positiv. Keine negative Stimme ist jedenfalls am Rande des Spatenstichs zu hören.

„Der Campus ist das Leuchtturm-Projekt nicht nur für Nordrhein-Westfalen, sondern auch über den großen Teich hinaus”, sagt Gabriele Golubowitsch, Regierungsbaudirektorin der RWTH Aachen. Für sie war es an der Zeit, dass sich die Hochschule auch räumlich weiter ausbreitet. „Der Bedarf, uns baulich zu entwickeln, war sehr groß. Wir brauchen neue Räumlichkeiten, um Wissen und Forschung auch wirklich zu nutzen”, so Golubowitsch.

Etwa 5000 neue Arbeitsplätze sollen schließlich innerhalb der 16 Verbünde von Hochschulinstituten und Unternehmen („Cluster”) direkt entstehen. Noch einmal rund 5000 sollen etwa durch Dienstleistungsbetriebe und neue Infrastrukturen hinzukommen. „Wenn wir die Pläne so realisieren, wie sie gefasst sind, dann werden die ersten sechs Cluster schnell laufen”, sagt Professor Walter Eversheim.

Damit die ehrgeizigen Pläne aber wirklich realisiert werden können, müssen sich alle engagieren, wie Karl Schultheis, Landtagsabgeordneter der SPD, appelliert: „Auch Politik und Verwaltung müssen sich weiter einbringen.” Dass dies - angesichts der von Rüttgers am Donnerstag formulierten europaweiten Bedeutung des Projekts - auch in Brüssel und Straßburg zu geschehen hat, weiß nicht nur die Aachener EU-Abgeordnete Sabine Verheyen (CDU): „Das Forschungsrahmenprogramm muss noch praxisnäher ausgestaltet werden, damit gerade junge, hochqualifizierte Menschen die Chance ergreifen, sich im Grenzland anzusiedeln.”

Zudem gelte es, dem weltweit massiv wachsenden Druck zur Schaffung innovativer Produktionstechniken und Dienstleistungen auch auf grenzüberschreitenden Ebenen Rechnung zu tragen: Der Campus sei in dieser Hinsicht ohne Frage richtungsweisend.

Fazit zum handfesten Start des „Jahrhundertprojekts” (Jürgen Rüttgers): Die heftige Böe, die das kleine Malheur im Rahmen des großen symbolischen Akts am Donnerstagvormittag verursacht hat, wurde keineswegs als böses Omen gewertet - sondern als Wind der Veränderung für die gesamte Region.
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