Erscheint bald ein römisches Theater auf dem Radar?

Von: Werner Breuer
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Schlittenfahrt zu Forschungszwecken: Mit dem Georadar machen Sonja Groten und Philipp Schumacher Bilder vom Erdreich unter dem Straßenpflaster. Stadtarchäologe Andreas Schaub erhofft sich davon Hinweise auf ein Theater oder ein anderes Großbauwerk, das zur Römerzeit im Umfeld des heutigen Rathauses gestanden haben könnte. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Den Marktplatz umgraben? Einfach so aus Neugier? Allein die Idee findet Christiane Gastmann, Leiterin des städtischen Fachbereichs Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen, einigermaßen absurd. Dabei gäbe es dort womöglich Sensationelles aus alter Zeit zu entdecken, meint Stadtarchäologe Andreas Schaub.

Danach kann man aber auch ohne große Kollateralschäden suchen.

„Georadar” heißt das Zauberwort, und Klaus Rudolf Reicherter kann es erklären. „Das Radar sendet Impulse aus, die von Gegenständen im Boden reflektiert werden”, so der Professor vom RWTH-Institut für Neotektonik und Georisiken, „und daraus ergibt sich ein Bild.”

Auf dem würde Stadtarchäologe Schaub dann gerne Reste eines Theaters oder eines Tempels aus römischer Zeit entdecken. Seine Hoffnung stützt sich auf Indizien: Bei Grabungen unter dem Dom wurden große Quader aus dieser Epoche gefunden, außerdem stießen Kanalarbeiter im 19. Jahrhundert in der Krämerstraße auf bis zu vier Meter breite römische Mauerreste.

„Das war kein kleines Häuschen”, meint Schaub, für ihn deuten die Funde auf größere Bauwerke hin. Immerhin war Aachen damals schon mehr als ein kleines Dorf, was auch durch die Ausgrabungen im Elisengarten als bestätigt gilt.

Wie es aber in römischer Zeit auf dem heutigen Markt ausgesehen hat, wissen die Archäologen nicht. Die heutige Jakobstraße verlaufe auf „römischer Trasse”, sagt Schaub, das Rathaus stehe hingegen nicht In dieser Flucht, sondern etwas schräg dazu. Nun will der Stadtarchäologe erkunden, warum sich die Ausrichtung geändert hat und wie der Markt zu seiner dreieckigen Form gekommen ist.

Deshalb ziehen nun die Wissenschaftler aus dem Team von Professor Reicherter einen kleinen Schlitten mit dem Georadar systematisch über das Pflaster von Markt und Krämerstraße. Passanten müssten das Gerät von der Größe eines Handkoffers nicht fürchten, beruhigt Diplom-Geologe Christoph Grützner. Die Strahlung sei ungefährlich, „jedes Handy hat mehr”.

Im Schritttempo entstehen so Bilder aus dem Untergrund. „Wir simulieren damit Grabenschnitte”, erklärt Grützner. Wenn der ganze Bereich nach Plan abgearbeitet ist, „gibt das am Ende einen Würfel, den wir am Computer in Scheiben schneiden”.

Was dort zu sehen ist, muss noch „interpretiert” werden, erklärt Reicherter. Immerhin liegt unter dem Pflaster allerhand neuzeitlicher Kram wie Wasserleitungen, Stromkabel oder Kanalrohre. Zur Auswertung müssen deshalb allerhand Unterlagen gesichtet werden, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Diesen Job wird dann Sonja Groten erledigen, die ihre Bachelor-Arbeit über die virtuellen Ausgrabungen am Aachener Markt schreibt. Sollte mit dieser Technik tatsächlich ein römisches Theater gefunden werden, „wäre das natürlich spektakulär”, sagt Andreas Schaub. Wenn nichts daraus wird, wäre aber auch das eine gewonnene Erkenntnis.

Und dank der „zerstörungsfreien Methode”, die Reicherter und sein Team sonst bei der Erdbebenforschung, aber auch bei archäologischen Untersuchungen in Griechenland, Spanien oder auch der Mongolei anwenden, bleibt der Markt unangetastet.

Auch in finanzieller Hinsicht hat die Unternehmung ihren Reiz. „Das kostet nichts”, sagt Christiane Gastmann, hier arbeite die Stadt mit der Hochschule zusammen. Und so fügt es sich also günstig für alle Beteiligten, dass Sonja Groten das passende Thema für ihre Bachelor-Arbeit gefunden hat.
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