Erdwärme am SuperC: Jetzt könnte es klappen

Von: Robert Esser
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Hier geht´s zwei Kilometer bergab: Erdwärmeloch am SuperC. Foto: Jaspers

Aachen. Die Hitzequelle ist vom Super C so weit entfernt wie das Klinikum - bloß senkrecht nach unten. Doch bei der Bohrtiefe des Erdwärmelochs fürs SuperC haben sich die RWTH-Ingenieure offenbar um satte 500 Meter verkalkuliert.

Das entspricht - horizontal statt vertikal - der Länge der Aachener Theaterstraße. Exakt 2544 Meter tief hatte man im Jahr 2004 gebohrt. Doch der Innenrohr-Prototyp, durch den nun fünf Jahre später bis zu 80 Grad Celsius heißes Wasser zur Beheizung des SuperC hochgepumpt werden soll, konnte nur 1970 Meter in die Erde getrieben werden.

Aber schon diese Tiefe soll jetzt genug Hitze liefern. So landete jetzt der Glasdeckel auf dem mehr als 5,1 Millionen Euro teuren Loch am Templergraben. „Die bisherigen Arbeiten zur Fertigstellung der Geothermiesonde unter dem studienfunktionalem Zentrum der RWTH Aachen sind beendet”, teilte das Institut für Markscheidewesen, Bergschadenkunde und Geophysik am Montag mit.

Institutschef Professor Axel Preuße ließ seinen Projektleiter Dr. Jörg Krämer den plötzlichen Baustopp erklären: Das „flexible, thermisch stabilisierte Kunststoffrohr”, das ja fast zwei Kilometer lang sei, federe in der Tiefe durch, wenn man von oben nachdrücke.

„Wir müssten das ganze Rohr rausziehen und nochmal von vorne anfangen, um in die Endtiefe von über 2500 Metern vorzustoßen”, sagte Krämer. Diese Mühe schenkt man sich.

Genauso wie einige Extrakosten: Denn der Aachener Kunststoff des „weltweit einzigartigen Rohr-Prototyps” sei billiger als die ursprünglich favorisierte Glasfaser-Version, die bei einem Erdwärme-Pilotprojekt in Arnsberg spektakulär geborsten war. 180.000 Euro weniger will die RWTH somit versenkt haben.

Projektleiter Krämer zeigte sich zuversichtlich: Bei einem einstündigen Umspülversuch zur Funktionsprüfung der Sonde in knapp zwei Kilometern Tiefe sei oben Wasser mit einer Temperatur von 50 Grad Celsius gesprudelt.

„Wir haben den Test abgebrochen, weil unsere Pumpe höherer Hitze nicht standgehalten hätte”, erklärte Krämer. Schnellöstmöglich soll der Bau- und Liegenschaftsbetrieb die Erdwärmeleitungen und eine neue Pumpe an das 23 Millionen Euro teure SuperC anschließen, das zuletzt vor allem aufgrund erhöhter Schadstoffkonzentrationen Schlagzeilen produzierte.

Wenn der Wasserkreislauf danach in knapp 2000 Metern Tiefe wie erwartet auf 80 Grad Celsius geheizt werde, könne man 90 Prozent des Heizbedarfs im SuperC abdecken, vermutet Krämer. Erst bei der Fertigstellung des SuperC im Juli 2008 habe sich herausgestellt, wie gut der Glas-Stahl-Komplex gedämmt und isoliert sei.

Deswegen benötige man weniger Heizenergie als vor Jahren bei der Planung kalkuliert. So sei man wohl bei der Bohrung in 2544 Meter Tiefe deutlich über das notwendige Ziel hinausgeschossen, hieß es. Derzeit versorgt die Stawag das RWTH-Prestige-Objekt mit Fernwärme.

Für die mehr als 5,1 Millionen Euro, die bislang in Bohrung und Forschungsprojekt flossen, hätte man das Super C übrigens etliche Jahre konventionell heizen können.

Das Erdwärme-Reservoir in zwei Kilometern Tiefe soll indes in 30 bis 40 Jahren ausgebeutet sein. Wie effizient das ganze Geothermie-Vorhaben letztlich sei, werde man frühestens im Winter 2010/11 wissen, räumte Krämer ein.
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