Einlesen statt ausspannen: Das Semester richtig vorbereiten

Von: Marc Herwig, dpa
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In den Semesterferien erst mal raus aus der Uni und rein in den Urlaub? Studenten sollten zwar einen Monat lang den Kopf frei kriegen, die restliche Zeit aber zum Einlesen nutzen. Foto: dpa

Berlin/Düsseldorf. Semesterferien sind super: Drei Monate lang ausschlafen, faulenzen und das Leben genießen! Alles könnte so schön sein - wenn da nicht das nächste Semester wäre. Denn wer jetzt im Sommer nur die Beine hochlegt, wird das im Wintersemester bereuen.

Nach dem Semester ist vor dem Semester - in den Semesterferien haben Studenten daher keineswegs frei. Sie müssen sich rechtzeitig auf die kommenden Kurse vorbereiten. Das verlangt eine Menge Selbstdisziplin. Denn ohne Vorlesungen und feste Seminarzeiten ist es für die meisten erst mal ungewohnt, den Alltag zu strukturieren, sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk in Berlin. Wer aber alles wochenlang dahinplätschern lässt, steht zum Semesterbeginn vor einem Berg von Arbeit, der kaum noch zu bewältigen ist.

„Man kann nicht einfach ins Semester einsteigen und nicht wissen, was einen erwartet”, warnt Grob. Wer nicht frühzeitig mit den Planungen beginnt, hat zu Semesterbeginn meist schon ein paar wichtige Fristen verpennt und viel Zeit zur Vorbereitung auf Prüfungen verloren. „Als Faustregel würde ich empfehlen: Einen Monat vor Beginn des Wintersemesters muss ich kristallklar vor Augen haben, welche Seminare ich besuchen muss, welche Leistungsnachweise ich erbringen muss und wie ich das alles mit meinem Leben außerhalb der Uni unter einen Hut kriege.”

Für viele Lehrveranstaltungen muss man sich inzwischen außerdem anmelden. Diese Fristen dürfen Studenten nicht verpassen - sonst würden sie im Extremfall um ein oder sogar zwei Semester zurückgeworfen, warnt Studienberaterin Christiane Mateus von der Universität München. Die Fristen sind allerdings je nach Uni und Studienfach anders. Jeder Student muss sich selbst darum kümmern, welche Termine für ihn gelten.

Steht der Stundenplan, geht es ans inhaltliche Vorbereiten. Dazu müssen Studenten wissen, welche Leistungsnachweise im nächsten Semester erwartet werden. „Wer sich erst beim ersten oder zweiten Seminartermin um sein Referatsthema kümmert, muss dann am Semesterende plötzlich alle Vorträge gleichzeitig halten”, gibt Mateus zu bedenken. Dann ist der Stress programmiert. „Vor allem weil heute fast jede Prüfung für die Endnote zählt. Dadurch stehen Studenten ständig unter Prüfungsdruck.”

Dabei ließen sich viele Referate und Hausarbeiten in den Semesterferien sehr gut vorbereiten, findet Doris Hildesheim vom Studierendenservice der Universität Düsseldorf. „Viele Dozenten bereiten das gesamte Semester vor und stellen ihre Planungen ins Internet. Da kann man sich sehr früh informieren, zu welchem Aspekt man ein Referat halten möchte.” Die meisten Dozenten seien per E-Mail auch in den Ferien gut erreichbar, so dass sich Themen und Aufgabenstellung frühzeitig absprechen lassen. „Wenn man einige Referate schon in den ersten Semesterwochen halten kann, ballt sich die Arbeit nicht so stark am Semesterende, wenn auch die Klausuren anstehen”, sagt Hildesheim.

Auch in die Literatur zu den Seminarthemen arbeiten sich Studenten besser schon ein bisschen ein. „Die Semesterapparate in den Bibliotheken werden meistens schon früh bereitgestellt. Und viele Materialien stellen die Dozenten auch ins Netz”, erklärt Hildesheim.

Am Ende bleibt dann eigentlich nur noch ein Problem: der innere Schweinehund. Bei perfektem Freibadwetter und ohne feste Termine jeden Tag acht Stunden lang am Schreibtisch zu sitzen und zu büffeln, ist nun mal nicht der Traum jedes Studenten. „Oft ist es hilfreich, wenn man sich eine Zeittabelle macht. Dort kann man eintragen, was man wann arbeiten will und wann man sich freie Zeit nimmt”, rät Mateus. Auch ein fester Rhythmus ist hilfreich - so könnten Studenten zum Beispiel jeden Morgen um 10.00 Uhr mit dem Arbeiten anfangen.

Aufgaben und Aktivitäten, die nichts mit dem Studium zu tun haben, sollten ebenfalls in einem solchen Zeitplan erfasst werden. „66 Prozent der Studierenden jobben, um sich ihr Studium zu finanzieren”, sagt Grob. Während der Vorlesungszeit finden aber gerade Bachelor-Studenten immer seltener die Zeit zum Geldverdienen. Dafür bleiben dann nur die Semesterferien.

Eines sollte man trotz der perfekten Semester-Vorbereitung auf keinen Fall vergessen: den Urlaub. „Mindestens ein Monat ohne Uni muss sein. Einmal den Kopf auslüften, einmal nicht an die Uni denken”, empfiehlt Grob. „Früher war es das Klischee, dass Studenten faul sind. Heute muss man sie zur Faulheit prügeln.”

Tunnelblick im Studium vermeiden

Natürlich ist das Studium wichtig. Aber wer immer nur das nächste Referat oder die nächste Klausur im Blick hat, wird am Ende zum Fachidioten. „Die vorlesungsfreie Zeit sollte man unbedingt nutzen, um Schlüsselqualifikationen zu erwerben”, rät Studienberaterin Doris Hildesheim. Je nach Berufsziel lohnen sich Rhetorik-Kurse, Computer- oder Sprachkurse. Auch für autogenes Training oder einen Kurs gegen Prüfungsangst sind die Semesterferien eine gute Gelegenheit. „Früher ging das noch während der Vorlesungen - aber heute finden Bachelor-Studenten dafür oft kaum noch die Zeit.”
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