Ein rotes Stoffherz für die Wissenschaft

Von: Mareike Patock, dpa
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fame lab
Der 29-jährige Physik-Doktorand Carsten Graf von Westarp hat sich zusammen mit jungen Forschern aus ganz Deutschland am Samstag in Bielefeld einen amüsanten Wettstreit geliefert. Foto: dpa

Bielefeld. Carsten Graf von Westarp hat nicht viel Zeit. In nur drei Minuten muss der Physik-Doktorand möglichst amüsant erklären, warum seine Forschung den Energiemarkt revolutionieren könnte.

Nur eine einfache Requisite braucht der 29-Jährige dafür: ein rotes Stoffherz. Zwei Stromleiter wollen schließlich heiraten - zumindest im Rahmen des Wissenschafts-Wettbewerbs „Fame-Lab”.

Mit neun anderen Natur- und Technikwissenschaftlern aus ganz Deutschland stand Graf von Westarp am Samstagabend im Finale des ungewöhnlichen Forscher-Wettstreits. Die in Deutschland erstmals ausgetragene Konkurrenz bietet jungen Wissenschaftlern ein Forum, ihre Forschung der Öffentlichkeit zu präsentieren. Trockene Theorie wollen Publikum und Jury im Ringlokschuppen in Bielefeld dabei nicht hören. Verständlich und vor allem lustig sollen die Vorträge sein.

So zaubert Graf von Westarp schließlich sein rotes Stoffherz hervor. Sein Thema habe viel mit Liebe zu tun, erklärt der Doktorand der Uni Hamburg. Denn er wolle Halb- und Supraleiter miteinander verheiraten. Die Partner seien allerdings sehr gegensätzlich: „Der Supraleiter ist teuer, leitet den Strom dafür aber perfekt.” Der Halbleiter hingegen leite nur mäßig, sei dafür aber billig. Eine Ehe zwischen ihnen sei die perfekte Verbindung, denn der Halbleiter nehme dabei die Eigenschaften seines Partners an. „Dann hat man einen billigen Stoff mit supraleitenden Eigenschaften.”

Hochkomplexe Themen einfach darstellen - dafür brauchen auch andere Kandidaten ein Hilfsmittel. Bauklötze werden kurzerhand zu DNA, Radios zu Empfängern kosmologischer Signale. Siddiqul Haque von der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie in Lübeck hat ein Straußenei mitgebracht. Damit erklärt er, wie die Stammzellen-Forschung von der Natur lernen kann.

Die „Fame Lab”-Idee stammt aus England. Mittlerweile wird dieser Forscher-Wettstreit schon in 17 Ländern ausgetragen. Bielefeld veranstaltet den Wettbewerb gemeinsam mit dem British Council. „Wir wollen die Öffentlichkeit für komplexe wissenschaftliche Themen begeistern”, sagt Annette Klinkert, Leiterin des Wissenschaftsbüros des Veranstalters Bielefeld Marketing. Das gelinge besonders, wenn Forschung kurzweilig präsentiert werde, ohne sie zu banalisieren.

Mit seinem Stoffherzen und der Liebesgeschichte von Halb- und Supraleitern hat Carsten Graf von Westarp die Jury jedenfalls überzeugt. „Wir haben uns in Ihren Vortrag verliebt”, sagte Juror Peter-Matthias Gaede, Chefredakteur des Magazins „Geo”. Graf von Westarp wird daher im Juni nach England reisen und sich im großen „Fame-Lab”-Finale aller Nationen der internationalen Konkurrenz stellen.
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