Ein Leibniz-Institut schmückt die RWTH

Von: Claudia Schweda
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Jubel auf dem Campus Melaten in Aachen: Die Mitarbeiter des DWI am Freitag nach der freudigen Nachricht.

Aachen. Um 12.30 Uhr hat Professor Martin Möller am Freitag den sehnlichst erwarteten Anruf erhalten: Das Materialforschungsinstitut DWI, An-Institut der RWTH Aachen, wird im nächsten Jahr in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen. Es wird das einzige Leibniz-Institut sein, das der exzellente Wissenschaftsstandort Aachen vorzuweisen hat.

„Die Freude darüber ist natürlich groß“, sagt Möller. Vielleicht ist auch etwas Stolz mit dabei. NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze spricht in einer Mitteilung von einem „Ritterschlag“ für die Forscher in Aachen.

Möller trommelt im Institutsgebäude auf dem Campus Melaten sofort die 170 Mitarbeiter zusammen, um die gute Nachricht zu verbreiten. Gemeinsam haben sie ihr Ziel nach einem langen Weg erreicht. Jahrelang hat Möller, unterstützt von der RWTH und Dezernenten aus dem Wissenschaftsministerium, darum geworben, dass das Land NRW den Antrag stellt, das DWI in diese Gemeinschaft aufzunehmen. Deren Institute werden von Bund und Land gemeinsam gefördert. 2011 schließlich war es soweit. Freitag dann die erlösende Nachricht.

Ein wahrlich langer Prozess, der so große Freude auslöst, weil er den Forschern finanzielle Sicherheit gewährt. „Unsere Grundfinanzierung wird dadurch erheblich gesteigert“, sagt Möller. Die Grundfördersumme, „die bislang immer in Frage gestellt war“, beläuft sich jetzt sicher auf fünf Millionen Euro. Das sei ein Vielfaches des Bisherigen. Weitere vier Millionen kommen demnach vor allem über angeworbene Drittmittel in den Institutshaushalt. Dazu kommt der nicht zu beziffernde Gewinn durch den Namen „Leibniz“ in der Wissenschaftsgemeinde. „Wir sind jetzt ein Institut von nationalem Interesse“, sagt Möller. International gehen für das DWI bislang nicht unbedingt sofort alle Türen auf. Als Teil der exklusiven Leibniz-Gemeinschaft hat es da deutlich bessere Chancen. Auch in politischen Gremien wird das DWI nun durch die Gemeinschaft vertreten sein.

Vor der Bewerbung um die Aufnahme hatte sich das Institut komplett neu aufgestellt. 1952 war es als Wollforschungsinstitut gegründet worden. 1963 fand es den Schlüssel zur synthetischen Herstellung von Insulin – und machte damit das erste Mal international auf sich aufmerksam. Doch das zeigte auch, dass das DWI nie nur Wollforschung betrieben hat. „Und nach dem Niedergang der Wollindustrie war der Forschungsbereich weg“, sagt Möller. Das Institut konzentrierte sich auf technische Textilien. Maßgeblich ist das DWI an Entwicklungen beteiligt, die etwa als keimtötende Bekleidung in Operationssälen im Einsatz sind, als Wundauflage die Heilung fördern oder die Klimatechnik in Passivhäusern verbessern.

Interaktive Materialien

Das Führungsteam bilden sechs Professoren, die von ihren RWTH-Lehrstühlen in Teilen freigestellt sind. Sie haben sich aktuell den interaktiven Materialien verschrieben. Entwickelt werden sollen unter anderem anpassungsfähige Fasern, Filme und Membrane, die etwa in Implantaten und Hochleistungsmaterialien verwendet werden könnten. Ein sehr neues Forschungsfeld, das nun gesichert angegangen werden kann. Wie lange das DWI in der Leibniz-Gemeinschaft bleibt, hängt vom Institut selbst ab: Alle sieben Jahre wird nun überprüft, ob es den hohen Standards genügt.

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