Ein Hürdenlauf: Von der Fachhochschule zur Uni wechseln

Von: Deike Uhtenwoldt, dpa
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Der Weg von der FH zur Uni ist oft weit: Bachelorstudenten sollten sich rechtzeitig informieren, wenn sie für den Master an die Uni wechseln wollen. Foto: dpa

Hamburg/Frankfurt/Main. „Ratlos” nennt sich ein angehender Student, der in einem Internetforum wissen möchte, ob er nach einem Bachelor an der Fachhochschule zum Master an eine Uni wechseln kann. Er dürfte nicht der einzige sein, der sich diese Frage stellt.

Denn sie verunsichert viele Studenten. Zwar sind im Zuge der Bologna-Reform die Abschlüsse beider Hochschultypen formal gleichgestellt worden. In der Praxis ist der Wechsel aber nicht unbedingt einfacher geworden.

Einer, der den Sprung geschafft hat, ist Johannes Lawen: Nach einem FH-Bachelor in „Bioprocess Engineering” wechselte er zur TU Hamburg-Harburg in den Master „Process Engineering”. Heute macht er an der Texas A&M Universität im Emirat Katar seine Abschlussarbeit. Für ihn hat sich der Schritt gelohnt: „Die TU hat einen höheren Anteil an Forschung, die Vorlesungen decken thematisch ein breiteres Spektrum ab, die Studentenschaft ist internationaler”, sagt Lawen.

Nach außen hin verwischen die Unterschiede zwischen FH und Uni aber zusehends. „Im Zuge des Bolognaprozesses herrscht ein verstärktes Ringen um Hochschulprofile, Abschlusstitel und Promotionsrecht”, sagt Stefan Grötzschel vom Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt.

So trage etwa die Exzellenzinitiative dazu bei, dass die Fachhochschulen den Universitäten stärker nacheiferten. Eine aus Sicht der Industrie fatale Entwicklung: Denn sie benötige sowohl die traditionell eher anwendungsorientierten FH-Absolventen als auch die stärker für die Forschung geschulten Uniabgänger.

Es gelte daher, die unterschiedlichen Profile von FH und Uni „zu schärfen, statt - wie gegenwärtig eher zu beobachten - einander anzugleichen”, empfiehlt der VDMA in einer vom ihm beauftragten Studie zu Abbrechern im Maschinenbaustudium.

Diese Angleichung hat die Hochschullandschaft aber keineswegs übersichtlicher gemacht. Vielmehr ist sie im im Zuge der Bologna-Reform noch vielfältiger geworden, weil sich Hochschulen zunehmend ein eigenes Profil geben und neue Fächervarianten entstehen. Das macht einen Wechsel von der FH zu Uni nicht leichter: Einige Bachelorabschlüsse seien so spezialisiert, dass kein passender Master gefunden werden kann, sagt Stefan Grötzschel.

Ähnlich sieht das Ludwig Voegelin vom Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh: „Die Angebote sind vielfältiger geworden, die Studiengänge unterscheiden sich erheblich.” Die Durchlässigkeit zwischen FH und Uni sei zwar noch nicht erforscht. Der Übergang sei aber auch ein Kapazitätsproblem. „Das bleibt spannend, weil es da zunächst weniger Studienplätze als Bewerber geben wird.”

Ein Wechsel kann auch daran scheitern, dass der Student vorher an seiner bisherigen Hochschule keinen Erfolg im Studium hat. So kann die Einschreibung verwehrt werden, wenn ein Bewerber „in verwandten oder vergleichbaren Studiengängen eine nach der einschlägigen Prüfungsordnung erforderliche Prüfung endgültig nicht bestanden hat”, schreibt etwa die FH Aachen vor.

„Das hängt mit dem Landesrecht zusammen”, erklärt Ulrich Heublein vom Hochschulinformationssystem (HIS) in Hannover. „Eine zweite Ausbildung in derselben Fachrichtung muss nicht finanziert werden.” Der Hochschulforscher rät daher Studierenden, die den Anforderungen etwa im Fach Mathematik nicht gerecht werden können, zu wechseln, bevor sie zwangsimmatrikuliert werden. „Selbst wenn dann nicht alle Leistungen aus den vergangenen Semestern angerechnet werden.”

Für Heublein richten sich die Hochschultypen nach wie vor an eine unterschiedliche Klientel: Die Fachhochschulen bedienten die „Bildungsaufsteiger”. Im Schnitt seien sie bei Studienbeginn 23 Jahre alt und würden von Praktikern aus der Industrie unterrichtet. Die Universitäten richteten sich an Abiturienten, sie seien bei Studienbeginn im Schnitt 21 Jahre alt und würden von Forschern unterrichtet. Allerdings führt das Abitur längst nicht mehr automatisch an die Uni: „55 Prozent der Studienanfänger an Fachhochschulen haben Abitur.” Sie entschieden sich für eine FH, weil ihnen der jeweilige Studiengang besonders zusagt.

Für den angehenden Ingenieur Johannes Lawen war der Wechsel an die Uni der richtige Schritt, um in die Forschung und Entwicklung zu kommen. Für Bewerber, die lieber stärker an die Hand genommen werden wollten, sei das aber häufig eine Überforderung, warnt Mathematikprofessor Wolfgang Mackens von der TU Hamburg-Harburg. „Forschung ist ja auch einsames und frustrierendes Geschäft, weil man ständig Neuland betritt.” Nur wer das als Freiheit empfindet, sei auf diesem Gebiet richtig.
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