Aachen - Doppelbelegung in Wohnheimen kein Tabu mehr

Doppelbelegung in Wohnheimen kein Tabu mehr

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Eng kann ja auch gemütlich sein. Getreu dieser Devise reifen an der Hochschule Überlegungen, in den Studentenwohnheimen eine Doppelbelegung der Appartements zu ermöglichen.

Der Vorschlag kommt von den Studierenden selbst und wird derzeit vom Studentenwerk auf seine Umsetzbarkeit geprüft.

Asta-Sozialreferent Onur Ögül hat die Idee jüngst in einer Runde aufgebracht, in der wieder einmal die studentische Wohnungsnot ein Thema war. „Auch ohne Doppeljahrgänge sind in den Wohnheimen kaum freie Zimmer zu kriegen”, sagt er, „ohne Warteliste geht nichts.” Dies macht es insbesondere den ausländischen Studenten schwer, eine Unterkunft zu finden. „Auf dem privaten Wohnungsmarkt haben sie kaum Chancen”, sagt Ögül.

So denkt er gerade an diese Studenten, für die eine Doppelbelegung die ideale Übergangslösung sein könnte und durch die der Wohnungsmarkt etwas entlastet würde. Freunde oder Bekannte könnten - auf freiwilliger Basis - Neueinschreiber für die ersten Monate in ihr Zimmer aufnehmen. In den zwischen 12 und 24 Quadratmeter großen Studentenappartements müssten sie zwar enger zusammenrücken, dafür könnten sie aber auch Kosten sparen. Und gemütlicher als in den Schlafwagenwaggons, in denen Anfang der 1980er Jahre noch manch ein wohnungsloser Student in Aachen übernachten musste, sei es allemal.

In vielen Ländern sei es üblich, dass sich zwei Studenten einen Wohnheimplatz teilen, meint Ögül. „Das ist eine schöne Sache, die Leute werden es machen”, ist er überzeugt. Gedacht ist zunächst an eine Übergangszeit von rund drei Monaten, doch Ögül könnte sich bei entsprechender Nachfrage auch eine längere Frist vorstellen.

Deutlich zurückhaltender gibt sich derweil noch das Studentenwerk. „Wir sondieren jetzt erstmal, ob die Bewohner überhaupt mitmachen wollen”, sagt Dietmar Spingys, zuständig für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Gänzlich ungeklärt sei zudem die Frage, ob eine Doppelbelegung mit den Brandschutzauflagen und anderen Sicherheitsvorschriften vereinbar ist. „Bevor wir das nicht geklärt haben, wollen wir niemandem Hoffnung machen”, sagt Spingys.

Breite Unterstützung

Dennoch gibt es für den Asta-Vorstoß bislang von allen beteiligten Gremien Unterstützung. Die Betriebskosten für die zweite Person müssten um 40 Euro angehoben werden, hat das Studentenwerk bereits errechnet, die Kaltmiete aber würde sich halbieren: Wer derzeit für sein Appartement 210 Euro bezahlt, müsste demnach bei einer Doppelbelegung nur noch 125 Euro aufbringen.

Theoretisch könnten in den 22 Wohnanlagen des Studentenwerks mit dieser Methode mehr als 4000 Erstsemester zusätzlich untergebracht werden. Wie viele es in der Praxis sein könnten - sofern es denn genehmigt wird - soll eine nun eingeleitete Umfrage in den Wohnheimen ergeben. Noch gibt es laut Spingys keine Rückmeldungen.
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