Aachen - „Die FH bildet direkt für den Beruf aus”

„Die FH bildet direkt für den Beruf aus”

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„Keine Nachteile gegenüber den
„Keine Nachteile gegenüber den Diplomern”: Marcus Baumann sieht FH-Studenten nicht im Nachteil gegenüber TH-Studenten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Rektor der Fachhochschule Aachen war zu Gast bei Studenten. In einem Seminar des Studiengangs Communication and Multimediadesign war Marcus Baumann, der heute 55 wird, sichtlich erfreut über die Gelegenheit, mit den Studenten über das erste Jahr im neuen Amt zu sprechen. Das Interview fassen <b>Anja Ries </b>und <b>Ulrich Helfer</b> zusammen.

Wie sind Ihre Eindrücke Ihrer bisherigen Amtszeit als Rektor?

Baumann: In einer großen Hochschule wie der FH Aachen dauert es seine Zeit, bis man zu konkreten Ergebnissen kommt und etwas durchsetzen kann. Ich habe dieses Amt gerne übernommen, und es bedeutet eine große Ehre und Herausforderung für mich. Dabei ist ein Arbeitstag oft viel zu kurz, zahlreiche Aufgaben des sogenannten Tagesgeschäftes nehmen mich immer wieder stark in Anspruch und lassen mitunter nicht genügend Zeit für die eigentlich wichtigen Tätigkeiten.

......die da wären?

Baumann: Eines meiner wichtigsten Ziele als Rektor besteht darin, Forschung und Entwicklung ander FH weiter zu verbessern. In diesem Bereich waren wir über zehn Jahre die erfolgreichste FH der Bundesrepublik. Auch jetzt sind wir noch immer bundesdeutsche Spitzenklasse, haben aber noch einiges an Potenzial. Außerdem gilt es, die FH auf den Andrang des Doppelabiturjahrganges 2013 vorzubereiten.

Können Sie sich persönlich noch in die Forschung einbringen?

Baumann: Bevor ich Rektor wurde, war ich aktiv an der Forschung beteiligt. Dazu habe ich jetzt leider keine Zeit mehr.

Wird Aachen durch die verbesserte Forschung attraktiver für Professoren?

Baumann: Die Freiheit zu forschen ist neben der Lust am Lehren für viele Kollegen sicherlich ein wichtiges Argument, um von einem gut bezahlten Job in der Industrie an die Hochschule zu wechseln, an der man in der Regel deutlich weniger verdient. Unsere Professoren kommen aus der Industrie und geben dort gute Jobs auf, um bei uns eine mitunter befristete Stelle anzunehmen. Wir verzeichnen einen Rückgang an Bewerberzahlen, was allerdings mit der großen Nachfrage an Fachpersonal in der Industrie zusammenhängt.

Welche Chancen bieten sich in Zukunft für die FH Aachen mit Blick auf den Campus Aachen?

Baumann: Ich halte das Campus-Projekt der RWTH für sehr ehrgeizig und ambitioniert. Der Campus ist eine einmalige Chance für Aachen und für uns als FH, sich mit einer Exzellenz-Universität zu treffen. Auf professoraler Ebene haben bereits Gespräche mit Kollegen der RWTH stattgefunden. Wir sind ausdrücklich eingeladen, dort mitzuwirken. Was ich leisten kann, um das zu befördern, werde ich tun.

Wie fühlen Sie sich als moderner Gallier - in Aachen sozusagen umzingelt von der RWTH?

Baumann: Das trifft es überhaupt nicht. Wir haben unterschiedliche Aufgaben. Die FH bildet direkt für den Beruf aus, für die Beschäftigung in Wirtschaft und Industrie. Die TH bildet Wissenschaftler aus. Aber auch wir sind gut in angewandter Forschung und Entwicklung, die Ergebnisse sollen direkt einfließen können in die Produktionsprozesse. Dabei setzen wir stärker auf regionale Partner: das Handwerk und den Mittelstand. Dort spielen wir eine wichtige Rolle.

Wie steht die FH im Vergleich zu anderen Hochschulen?

Baumann: Sehr gut. Wir werden in den Rankings gut bewertet. Dies schafft uns einen guten Ruf.

Welche Chancen haben Absolventen der FH auf dem Arbeitsmarkt?

Baumann: Zu meiner Zeit, in den 70ern, hat sich niemand darum gekümmert, wo man später arbeitet. Das ist heute anders. Unsere Kernaufgabe ist, unsere Studenten in Lohn und Brot zu bringen. Unsere Fachbereiche haben hochkarätig besetzte Beiräte. Dort setzt man sich mit Lehrinhalten auseinander. Dies garantiert uns ausgezeichnete und vor allem aktuelle Lehre. Unsere Leute werden auf Bedarf hin ausgebildet. Wir wollen unsere Studenten berufsqualifiziert auf den Arbeitsmarkt entlassen, die meisten haben nach kürzester Zeit eine attraktive Anstellung.

Bereitet der Bachelor die Studenten besser auf das Berufsleben vor als vor der Bologna-Reform?

Baumann: Der Entschluss, sich vom Diplom zu verabschieden, hatte das Ziel, die Studiendauer zu verkürzen und den Übergang von Hochschule zu Hochschule und einem Land ins andere zu vereinfachen. Die deutschen Studiengänge haben sich deutlich verbessert, sind aktualisiert worden. Auch wenn man nicht leugnen kann, dass eine gewisse Verdichtung des Lehrstoffes zu verzeichnen ist, die den Studenten einiges abverlangt, wird uns die Studierbarkeit und vor allem die Qualität durch die Akkreditierungsagenturen bestätigt. Wir stellen fest, unsere Bachelorabsolventen sind auf dem Arbeitsmarkt willkommen und haben keine Nachteile gegenüber den Diplomern.

Die FH Aachen stand 2009 wegen der Verwendung der Studienbeiträge in der Kritik des Landes. Sie wollten die Verteilung der Studienbeiträge mehr in die Hände der Studenten legen. Ist dies eine Reaktion darauf?

Baumann: Die FH Aachen ging und geht sehr gewissenhaft mit den Geldern um, da ist man mit dem Ausgeben schon mal sehr vorsichtig. Andererseits sollen natürlich die Studienbeiträge die Situation in der Lehre unmittelbar verbessern. Daran mussten wir uns, wie andere auch, sicherlich erst einmal gewöhnen. Jedenfalls wurden von Anfang an in allen Fachbereichen Kommissionen eingesetzt, in denen auch Studenten vertreten sind, die die Ausgaben mitbestimmen. Es gibt Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit dem Allgemeinen Studentenausschuss (AStA, d. Red.), die Studenten haben einen direkten Einfluss auf die Ausgaben. Das hat sich bewährt, und wir werden das so beibehalten.

Die neue Landesregierung will die Studienbeiträge wieder abschaffen. Was sagen Sie dazu?

Baumann: Mit den Studienbeiträgen konnten wir in den vergangenen Jahren die Bedingungen in der Lehre hochschulweit signifikant verbessern. Gerade in den MINT-Fächern kommt es darauf an, dass wir unsere Studenten auf dem Stand der Technik in den Labors ausbilden können. Da konnten wir einiges an neuen Geräten beschaffen und alte ersetzen. Davon werden wir auch in den kommenden Jahren profitieren. Dazu kommt, dass wir die Betreuungsrelation verbessern konnten. Die können wir natürlich nur aufrechterhalten, wenn die Studienbeiträge nach ihrer Abschaffung dann kompensiert werden. Da hat sich die neue Regierung viel vorgenommen.

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