Berlin - Das Einschreibe-Chaos ist noch lange nicht überwunden

Das Einschreibe-Chaos ist noch lange nicht überwunden

Von: Karl-Heinz Reith, dpa
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Berlin. Ab Herbst 2011 sollte eigentlich alles besser werden: „Kein Einschreib-Chaos mehr an den Hochschulen” - versprechen Bund, Länder und Hochschulrektoren jetzt seit drei Jahren gemeinsam. 15 Millionen Euro zahlte der Bund für die Entwicklung eines „dialogorientierten” Bewerbungssystems via Internet für die begehrten Numerus-Clausus-Mangelstudienfächer.

Die aufwendige Software ist nun startklar. Doch jetzt streiten Länder und Hochschulen über die Folgekosten.

Vollmundige Versprechungen

Die Versprechungen klingen verheißungsvoll: An einer zentralen Stelle soll sich ein Studieninteressent künftig online für bis zu 12 Studienangebote verschiedener Hochschulen bewerben können. Das heißt, nur ein Vordruck, beziehungsweise eine Computermaske, nur einmal das beglaubigte Zeugnis einreichen - und dazu noch jede Menge Informationen über die unterschiedlichen Studienschwerpunkte und Bewerbungsvoraussetzungen erhalten.

Die Entscheidung über die Zulassung trifft die Hochschule nach ihren individuellen Kriterien. Über Rang- oder Wartelisten kann der Bewerber im Internet jeweils aktuell seine Chancen ablesen.

Bekommt ein Bewerber die Zusage, scheidet er aus dem weiteren Verfahren aus. Die bisherigen Mehrfachzulassungen an verschiedenen Hochschulen - und damit die Blockade begehrter Mangel-Studienplätze - werden so ausgeschlossen. Allein im vergangenem Herbst waren nach Prüfung der Kultusministerkonferenz mindestens 18.000 Plätze in NC-Fächern auch mehrere Wochen nach Semesterstart immer noch unbesetzt.

Vorerst gestoppt

Experten der Faunhofer-Gesellschaft hatten das Grundkonzept für die Software entwickelt, 70 Informatiker und Programmierer der Firma T-Systems die Einrichtung und Installation vorbereitet. T-Systems sorgte übrigens vor Jahren bei Einführung des Mautsystems Toll- Collect mit einer unglaublichen Pannenserie für Schlagzeilen.

Doch die Einführung des gewünschten Vollservice für Studienbewerber wie für Hochschulen lässt diesmal nicht aus technischen Gründen auf sich warten. Der Stiftungsrat der Stiftung hochschulstart.de - die Nachfolgeorganisation der Dortmunder Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) - stoppte jetzt vorläufig den für Mitte April geplanten Start des vollständigen Programms. Zwar soll es ab Herbst bei den Bewerbern einen Datenabgleich geben - nicht aber die angestrebte zentrale Überprüfung von Zeugnissen und Unterlagen.

Hintergrund ist der Streit zwischen Ländern und Hochschulen über die laufenden Kosten für das neue Verfahren - nachdem der Bund mit erheblichen Kontrollauflagen des Haushaltsausschusses die Software- Entwicklung mit 15 Millionen Euro finanziert hat. Die Länder wollen die Hochschulen für die Vermittlung zahlen lassen. Doch die Hochschulrektoren halten jetzt dagegen, sie hätten nur vor dem Hintergrund der Kostenfreiheit ihre Bereitschaft zur Teilnahme an dem neuen System signalisiert - wie ihr Vize-Präsident Micha Teuscher jetzt in der Deutschen Universitätszeitung (duz) erklärte.

Der Bund hat zwar auch nach der Föderalismusreform von 2006 die Rahmenkompetenz für die Hochschulzulassung - füllt sie aber nicht aus. So gibt es in den Bundesländern 16 verschiedene Regelungen, die von den Hochschulen zum Teil auch noch recht unterschiedlich interpretiert werden. Der neue Länder-Staatsvertrag über die Stiftung hochschulstart.de sieht keine Teilnahme-Verpflichtung der einzelnen Hochschulen vor.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD) sieht deshalb neues Unheil voraus: „Wegen der ungeklärten Kostenfrage wächst die Gefahr, dass sich viele Hochschulen erst gar nicht an dem neuen System beteiligen. Das Fortsetzung des Chaos ist damit programmiert.”

Dabei wäre eine unkomplizierte Hochschulzulassung dringend von Nöten - angesichts des für dieses Jahr erwarteten Bewerberrekords von mehr als 450.000 Abiturienten - eine Folge geburtenstarker Schulabgängerjahrgänge, der Schulzeitverkürzung in mehreren Bundesländern und der jetzt beschlossenen Wehrpflicht-Aussetzung.
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