Container-Dorf für Studenten entworfen

Von: Robert Esser
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Platz ist in der kleinsten Eck
Platz ist in der kleinsten Ecke: Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (Mitte), Baudezernentin Gisela Nacken, FH-Rektor Professor Marcus Baumann (1.v.l.), FH-Prorektor Professor Helmut Jakobs (2.v.l.), RWTH-Prorektor Professor Aloys Krieg (1.v.r.) und Studierende setzen Wohnungsnot wirksam in Szene. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nicht nur zum Wiehern: Wenn Studenten im Pferdestall, im Supermarkt-Schaufenster, im Container-Dorf am Langen Turm und unterm Kanaldeckel hausen, wirkt das witzig. Wichtiger ist: Die Botschaft der Plakate kommt an - ernsthaft. Aachen braucht dringend viel mehr Wohnraum für noch mehr angehende Akademiker.

Und diese werden nun - im Schulterschluss mit den Hochschulen, dem AStA und der Stadt - selbst aktiv. Und wie! Kreative Köpfe haben der NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze in der Fachhochschule unter dem Motto „Extraraum schaffen!” diverse Design- und Architektur-Ideen präsentiert, die zu einer imposanten Kampagne gehören. „So eine Initiative ist Gold wert!”, lobt die Ministerin.

Aachen war erste Station ihrer „Hochschul-Tour zum doppelten Abiturjahrgang”. Weil die Wehrplicht ausgesetzt ist, erwarten die hiesigen Hochschulen rund 12.000 zusätzliche Studierende in den Jahren 2014 und 2015. Laut RWTH-Prognose schraubt der Boom die Studierenden-Zahlen an die magische 50.000er-Grenze heran. RWTH-Prorektor Professor Aloys Krieg spricht von einer „enormen Belastung”, FH-Rektor Professor Marcus Baumann räumt „einiges Kopfzerbrechen” bei der Bewältigung des Zulaufs ein. Aber man ist durchaus zuversichtlich. Dreistellige Millionen-Summen fließen in Modernisierung und Ausbau von Hörsälen, Laboren und in Hunderte neue Arbeitsplätze an den Hochschulen.

Weitgehend ungelöst ist das Wohnproblem. „Wir gehen davon aus, dass etwa 4000 der zusätzlichen Studierenden in Aachen wohnen wollen”, rechnet Baudezernentin Gisela Nacken vor. Also schreibt man Hausbesitzer an und legt große Werbekampagnen auf, um Immobilieneigentümer zur Bereitstellung von mehr - temporärem - Wohnraum zu bewegen. Rund 1500 Wohneinheiten für Studierende entstehen unterdessen bereits - zum Beispiel an der Ottostraße 50a, wo Bauherr Stefan Sigmund 43 Appartments auf 2600 Quadratmetern in einer alten Tuchfabrik realisiert.

Neben solchen Millionen-Projekten zeigen die FH-Absolventen am Montag, dass es auch anders geht: Für die Grünzone auf dem Mittelstreifen der Turmstraße, direkt neben dem Alten Turm, haben sie vier Visionen eines Container-Dorfs aus Wohncontainern entwickelt. 100 Studierende fänden Platz - gestapelt, hochkant oder unter einem grünen Hang verborgen. Nicht nur die Ministerin ist begeistert. Dezernentin Nacken hält es tatsächlich für möglich, dass der Baus eines Container-Parks - natürlich nur auf Zeit - die Wohnungsnot abfedert. Stall, Schaufenster und Gulli bleiben indes in der Werbung zu Hause.
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