Campusbahn: Die erste Haltestelle ist schon fertig

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
warte_bu
Zur Belohnung gibt´s ein Wochenende in Reims: Architektur-Student Alexander Koch gewann mit seinem Entwurf für eine Haltestelle der geplanten Campusbahn den Wettbewerb „Warte mal”. Der zweite Preis ging an Claudine Mertens, die dafür mit einem Segway durch Aachen touren darf. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. An den Haltestellen wird das Projekt Campusbahn jedenfalls nicht scheitern. Knapp drei Wochen benötigten die Studenten am Lehrstuhl Landschaftsarchitektur der RWTH, um fünf höchst ansehnliche Entwürfe für eine Straßenbahnstation am Templergraben zu fertigen. Zwei von ihnen wurden jetzt vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) prämiert.

Aus Sicht der Juroren hat Alexander Koch, Student der Stadtplanung und Architektur im neunten Semester, die überzeugendste Arbeit abgeliefert: Eine „skulpturale Haltestelle”, die zwischen Hauptgebäude und Kármán-Auditorium ihren Platz finden soll, und deren farbiges und auffallend geformtes Dach für Aufsehen sorgen könnte. Der Entwurf passe gut zu der als „Leuchtturmprojekt” gehandelten Campusbahn, erklärten Otto Weber und Ralf Oswald vom VCD.

Ob Kochs Entwurf jemals verwirklicht wird, ist zwar noch ungewisser als der Bau der Bahn selbst, interessant genug war er aber allemal auch für Kai Mohnen vom städtischen Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen, zugleich Projektleiter der Campusbahn.

Er ist derzeit damit befasst, die Kosten für das ehrgeizige Vorhaben zu errechnen. Bis zum Sommer soll die Wirtschaftslichkeitsuntersuchung abgeschlossen sein, und dann soll auch die Grundsatzentscheidung über die Wiedereinführung einer Stadtbahn in Aachen fallen.

Aktuelle Zahlen will Mohnen nicht nennen, denn längst gehen seine Planungen über die bislang diskutierte acht Kilometer lange Trasse vom Klinikum über Campus-Melaten, Campus-West, Hauptgebäude und weiter bis zum Bushof hinaus. Alleine dafür sind Investitionen von rund 126 Millionen Euro veranschlagt. Doch der weitere Ausbau zu einem stadtweiten Netz soll gleich mitbedacht und -berechnet werden.

Aus Sicht des VCD ist die Entscheidung über die Campusbahn die wichtigste verkehrspolitische Weichenstellung in Aachen überhaupt. „Aachen ist eine der wenigen Großstädte ohne Stadtbahn”, bemängelt Ralf Oswald. Die negativen Auswirkungen seien an vielen Stellen deutlich zu spüren: verstopfte Straßen, verpestete Luft, überfüllte Busse.

Die Stadtbahn wäre nicht nur aus seiner Sicht die richtige Antwort auf die Verkehrsprobleme der Zukunft und die sinnvollste Lösung, die neuen Hochschulgebiete anzubinden. Auch CDU, SPD, Grüne und Linke haben sich als klare Befürworter positioniert. Von den Kosten wird letztlich abhängen, ob die Bahn wirklich auf das Gleis gesetzt wird. Ohne Unterstützung von Land, Bund und EU wird nichts gehen.

„Gewinn für Aachen”

Ohne Unterstützung breiter Bevölkerungskreise jedoch auch nicht. „Wir müssen zeigen, dass die Bahn kein Monstrum, sondern ein Gewinn für Aachen ist”, sagt Oswald. Daher wolle der VCD auch das „Emotionale” rüberbringen und veranschaulichen, wie gut sich eine Bahn ins Stadtbild einfügen kann.

Entwürfe und Bilder sind wichtig, um Prozesse einzuleiten, ist auch Professor Frank Lohrberg überzeugt, der daher die Anregung des VCD zu dem kleinen Haltestellen-Wettbewerb mit dem Titel „Warte mal” gerne aufgegriffen hat. Neben Wettbewerbs-Sieger Alexander Koch beteiligten sich Claudine Mertens und Vicente Benlloch Piles (beide 2. Platz), Javier Cuenca Solana, Dino Künster und Henning Drefke.

Koch wird nun mit einem Wochenende in Aachens Partnerstadt Reims belohnt, wo er sich unter anderem die neuen Haltestellen der dortigen hochmodernen Stadtbahn ansehen kann, die in diesem Frühjahr in Betrieb genommen werden soll.

Reims ist den Aachenern damit mehr als eine Nasenlänge voraus. Vor 2020 ist mit der Inbetriebnahme der Stadtbahn in Aachen nicht zu rechnen. In den Umbauplänen des Templergrabens zu einem sogenannten Shared Space (gemeinsam genutzter Raum) werde der mögliche Trassenverlauf laut Kai Mohnen bereits berücksichtigt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert