Campus Melaten: Erster Spatenstich im nächsten Jahr

Von: Heiner Hautermans
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Marcel Philipp
OB Marcel Philipp zeigt sich sehr angetan vom Abwägungsprozess in Sachen Campus Melaten. Foto: Ratajczak

Aachen. „Wir haben die Hausaufgaben gemacht und glauben, dass wir die Enden zusammenbekommen haben.” Diese Worte sprach Oberbürgermeister Marcel Philipp am Dienstag an historischer Stätte, im Ratssaal des Rathauses.

Und schon die Ortswahl zeigt, dass es sich um etwas Besonderes handeln muss, ein Megaprojekt für Aachen, ein „Jumbo”, wie es Planungsdezernentin Gisela Nacken formulierte: der Campus Melaten, das städtebauliche Projekt mit der höchsten Priorität. Trotz aller Vorschusslorbeeren und Erwartungen handelt es sich verfahrenstechnisch lediglich um einen Bebauungsplan, und zwar mit der Nummer 915. Im Dezember wird der Satzungsbeschluss der Verwaltung in den Planungsausschuss und den Rat gebracht. Wenn alles klappt wie geplant, können die Bagger im nächsten Jahr anrollen.

Im Mai war die Offenlage beschlossen worden, daraufhin waren insgesamt 35 Einwendungen und Anregungen eingegangen, berichtete Gisela Nacken, besonders zu den Aspekten Verkehr, Natur und Landschaft. Eine trug sogar 600 Unterschriften. Man habe die Bebauung optimiert und gehe sparsam mit der Landschaft, der Natur und dem Boden um, fand OB Philip: „Ich denke, es ist uns gelungen, eine Lösung zu finden, mit der alle leben können und die viele Aspekte berücksichtigt.”

Kritik von der Hörn

Besonders viel Kritik habe sich - so Nacken - auf der Hörn angesammelt, die Bewohner fürchten eine übermäßige Belastung ihres Viertels. Zwar sei das Projekt wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung Aachens, besonders in Zeiten, in denen Arbeitsplätze wegfallen. „Trotzdem hat es die Verwaltung nicht blind gemacht für die Belange der Bürger, die auf der Hörn wohnen.” Ein Schutzkonzept für das Wohngebiet Hörn werde Zug um Zug mit der Umsetzung des Campus verwirklicht.

Überhaupt habe man habe die Einwendungen im Abwägungsprozess sehr ernst genommen. So ist auf eine ursprünglich im Westen vorgesehene Feuerwehrumfahrt verzichtet worden, stattdessen ist dort nun ein Waldgürtel geplant, um den Abstand Richtung Seffent zu vergrößern. Auch die Bebauung wurde an einigen Stellen reduziert, Bauten verlegt und die überbaubaren Flächen effizienter ausgenutzt. Der zu erwartende überörtliche Verkehr werde auf direktem Weg in das Gebiet geführt, so Nacken weiter: „Dafür benötigen wir zwei Knoten - einen am Autobahnzubringer und den anderen in der Nähe des Klinikums.”

Im Norden wird der Erschließungsboulevard mit dem Pariser Ring verknüpft, im Süden stößt der Boulevard auf Pariser Ring und Forckenbeckstraße. Um die oft bemängelten Eingriffe in das Rabental zu minimieren, sei auch ein Schlenker des Bildungsboulevards im Süden geprüft, aber wieder verworfen worden. Dieser Bogen sei wegen eines riesigen, unterirdischen Versorgungskanals bis zum Klinikum technisch nicht realisierbar, sagte Nacken weiter. Ansonsten sei der gesamte Campus Melaten in Gefahr. Um die Leistungsfähigkeit des Rings zu erhöhen, werden auch der Autobahnanschluss Laurensberg und die Kreuzung mit der Vaalser Straße in die Planung einbezogen.

Zwischen Seffenter Weg und Sommerfeldstraße sollen in den nächsten Jahren rund 5000 Arbeitsplätze durch gemeinsame Forschungsinitiativen von Hochschulinstituten und Unternehmen entstehen. „Einer der größten technologieorientierten Campusprojekte Europas entsteht in Aachen”, schwärmte denn auch OB Philipp. Er finde bundesweit Beachtung.

In einem Zeitraum von sechs bis acht Jahren sollen sich auf einer Fläche von 270000 Quadratmetern, die das Land bereits in den 1960er Jahren für die Hochschulerweiterung von der Gemeinde Laurensberg erworben hatte, bis zu 100 nationale und internationale Unternehmen ansiedeln. Die Arbeitsschwerpunkte werden in Themengebiete, sogenannte Cluster, zusammengefasst. Darüber hinaus entstehen ein Zentrallabor, ein Seminar- und Schulungsgebäude, ein Hotel sowie Gastronomiebetriebe, eine Kindertagesstätte und verschiedene Serviceeinrichtungen. Vorgegeben ist etwa der Anschluss an Fernwärme.
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