Aachen - Campus als herausragender Kunststandort

Campus als herausragender Kunststandort

Von: Robert Esser
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Plädoyer für eine enge Vernetzung von Campus und Kultur (v.l.): Auf die Fragen von AZ-Chefredakteur Bernd Mathieu antworteten im Super C Aachens Ex-OB Dr. Jürgen Linden, Dr. Brigitte Franzen (Leiterin des Ludwig-Forums), Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer, Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter und Marcus R. Bosch, Generalmusikdirektor des Theaters Aachen. Foto: Markus Schuldt

Aachen. Augenfälliger kann man in Sachen RWTH-Campus kaum Gas geben. Zwei Minuten vor Ende der Podiumsdiskussion zu Aachens größtem Entwicklungsprojekt und dessen Auswirkungen auf Freizeit und Kultur in der Region stand das erste greifbare Ergebnis fest: Sparkassen-Vorstand Christian W. Rother hatte einen runden Tisch mit Entscheidern und Bürgern angeregt.

Und Campus-Geschäftsführer Prof. Günther Schuh machte am Dienstagabend „Nägel mit Köpfen”: „Das machen wir, das kann ich Ihnen jetzt schon zusagen.”

Der Applaus der rund 200 Besucher im vollbesetzten Veranstaltungspenthouse des SuperC ließ nicht auf sich warten. Und den gab es auch vorher reichlich, als es - ohne Schuh und Rother - auf der Bühne beim Forum der Initiative Aachen vor allem um folgende Fragen ging: Welches Bild macht sich die Kunst vom RWTH-Campus? Und welche Herausforderungen und Chancen sind damit für den Freizeitwert der Kaiserstadt verbunden?

AZ-Chefredakteur Bernd Mathieu brachte die Problematik auf den Punkt: „Wie vernetzt man Wissenschaft mit der Zauberflöte?” Die Antwort blieb der Generalmusikdirektor des Theaters, Marcus R. Bosch, nicht schuldig. „Wenn man Menschen nach Aachen holen will, muss man eine interessante Stadt bieten”, sagte er.

Kurpark-Classix und Chorbiennale seien herausragende Beispiele dafür, wie Aachen von Alleinstellungsmerkmalen profitieren könne. Die Frage sei nicht nur, wie man Studenten und akademische Fachkräfte am Anfang der Karriere anziehen könne, sondern auch, ob etwa emeritierte Professoren ihren Lebensabend in Aachen verbringen - oder in Metropolen umziehen.

Ex-Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden stellte in seinem Impulsreferat fest, dass Aachen nicht mit Köln mithalten könne - sehr wohl aber mit Maastricht und Lüttich. Beide bewerben sich für kulturelle Highlights - europäische Kulturhauptstadt 2018 und die Weltausstellung 2019 - und sollten deshalb für Aachen enge Kooperationspartner werden. Zumal: „Der Neubau eines Konzertsaals in Aachen ist bislang als Bürgerinitiative für das Haus für Musik gescheitert.”

Linden räumte ein, dass eine mögliche Alternativlösung in den jetzigen Räumen des Spielcasinos durchaus möglich sei. „Aber noch ist das eine Hängepartie.” Eine Investition von 30 bis 35 Millionen Euro in einen Neubau sei „realpolitisch” derzeit untragbar, sagte Linden - auch wenn dies aus dem Publikum vereinzelt vehement dementiert wurde. Kritisch beurteilte der Ex-OB die Zukunft kultureller Highlights wie „September Special”, deren Finanzierung wegen sinkender Sponsorengelder und Kulturetats immer schwieriger werde.

Zukunftsweisende Kooperationen bestehen laut Bürgermeisterin Margareta Ritter bereits zwischen „ihrem” Monschau, Aachen und RWTH-Informatikern. Gemeinsam will man virtuelle Stadtführer für Handys entwickeln - inklusive draht- und kostenlosem Internet. Das würde Menschen in die Region locken.

Zuwachs durch den Campus erhofft sich auch die Leiterin des Ludwig-Forums, Dr. Brigitte Franzen. „Den Vorwurf, wir seien im Museum zu elitär, halte ich für relativ unerträglich. Wir müssen erklären, vermitteln, Brücken bauen. Aber nur höchste Qualität wird sich überregional herumsprechen.” Miteinander ins Gespräch komme man - auch das habe Kultur - über alle Sparten hinweg auf dem Aachener Tivoli. „Die Alemannia vereint alle - sicher auch Wissenschaftler und Studenten vom Campus”, sagte Geschäftsführer Frithjof Kraemer.

Drei Säulen benannte Linden für das kulturelle Leitprofil der Stadt: Aachen als Europastadt, als historische Stadt - und als Stadt der Wissenschaft. Nicht wenige Besucher des Forums würden die Kaiserstadt aber auch als Stadt der Kunst und Stadt der Musik vermarkten wollen. Eine Frage der Prioritäten. „Wir haben die Zahl der Konzertbesucher innerhalb von fünf Jahren vervierfacht”, sagte Generalmusikdirektor Bosch. So ein enormes Wachstum wünscht man sich für den Campus Melaten auch - welche Freizeit- und Kulturangebote dies flankieren, wird am runden Tisch bald Thema sein.
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