Washington - Briefträger mit Bachelor: In den USA stecken Akademiker in der Klemme

Briefträger mit Bachelor: In den USA stecken Akademiker in der Klemme

Von: Sonja Salzburger, dpa
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US-Studenten bei einer Abschlussfeier. Ein Studium gilt in den USA gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise immer noch als der beste Schutz gegen Joblosigkeit. Mit 4,8 Prozent liegt die Arbeitslosenquote der Universitätsabsolventen in den Vereinigten Staaten deutlich unter dem nationalen Durchschnitt von 9,4 Prozent. Foto: dpa

Washington. US-Präsident Barack Obama glaubt noch fest an die Bedeutung einer Hochschulausbildung. „In den nächsten zehn Jahren werden beinahe alle neuen Jobs mehr als einen Schulabschluss verlangen”, sagte er Ende Januar in seiner Rede zur Lage der Nation. Sein ehrgeiziges Ziel: Bis zum Jahr 2020 soll Amerika wieder weltweit den höchsten Prozentsatz an Uni-Absolventen haben.

Obamas Wunsch könnte in Erfüllung gehen. Nach Angaben des Arbeitsministeriums aus dem Jahr 2009 entscheiden sich in Amerika bereits heute mehr als 70 Prozent der Highschool-Abgänger für ein Studium. Die Tendenz ist seit Jahren steigend. Doch was der Präsident verschweigt: Der Uni-Abschluss ist in den USA längst nicht mehr die Garantie für Wohlstand. Denn wer lernen will, muss zahlen - und wird oft nicht einmal für die Investition belohnt.

Die Studienkosten sind aus deutscher Sicht kaum vorstellbar. An einer privaten Uni betragen sie mehr als 27.000 Dollar (fast 19.000 Euro) pro Jahr - und selbst am öffentlichen College 7600 Dollar. Und sie steigen unerbittlich, 2010 durchschnittlich zwischen etwa 4,5 Prozent (private Unis) und 8 Prozent (öffentliche). Besonders teuer sind begehrte Studiengänge wie Jura, selbst an einer mittelmäßigen Law School sind bis zu 43.000 Dollar im Jahr fällig.

Mit den steigenden Gebühren steigt auch die Verschuldung der Absolventen. 2010 mussten sie im Mittel rund 25.000 Dollar abbezahlen. Was dagegen Experten zufolge nicht steigt, ist die Qualität der Ausbildung. Erst kürzlich sorgten die Soziologen Richard Arum und Josipa Roska mit einem Forschungsergebnis für Aufsehen, nach dem Studenten in den USA heute deutlich weniger Zeit für ihr Studium aufwenden als noch vor einigen Jahren - und somit nicht genug lernen.

Dennoch gilt ein Studium gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise immer noch als der beste Schutz gegen Joblosigkeit. Mit 4,8 Prozent liegt die Arbeitslosenquote der Universitätsabsolventen in den Vereinigten Staaten deutlich unter dem nationalen Durchschnitt von 9,4 Prozent. Was diese Zahlen allerdings nicht verraten: Viele Akademiker ergreifen Berufe, für die sie überqualifiziert sind.

„Heute haben zum Beispiel 12 Prozent unserer Postboten einen Bachelor. In den 70er Jahren dagegen waren es nur drei Prozent, sagt Wirtschaftsprofessor Richard Vedder von der Universität in Ohio und ergänzt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Ausliefern der Post heute so viel komplizierter geworden ist als noch vor 40 Jahren.”

Postboten sind nur ein Beispiel. Laut Vedder haben momentan 17 Millionen Akademiker Jobs, für die eigentlich kein Studium notwendig wäre. Etwa 13 Prozent der Kellner haben studiert, ebenso fast 17 Prozent der Sekretärinnen und 8 Prozent der Elektriker.

Damit steigen auch die Erwartungen der Arbeitgeber: „Sie verlangen nun häufig akademische Abschlüsse für Berufe, bei denen ein Studium wirklich nicht notwendig ist”, sagt Christopher Matgouranis vom Center for College Affordability and Productivity, einer Organisation, die sich mit den Studienbedingungen beschäftigt.

Der Politikstudent Robert Gilbert zweifelt dennoch nicht daran, dass es richtig ist, zu studieren. „Ich verbringe lieber vier Jahre an der Uni und habe eine tolle Zeit, um danach erstmal als Kellner zu arbeiten, als dass ich direkt nach der Highschool einsteige”, sagt der 20-Jährige, der an der Bradley University in Illinois studiert. Er ist überzeugt: Irgendwann wird sich der Arbeitsmarkt entspannen.

Optimistisch ist auch Studentin Rebecca Johnson (21) aus Michigan, die am liebsten einmal als Richterin arbeiten möchte: „Mir ist klar, dass mir mein Traumjob nicht in den Schoß fallen wird. Aber mit harter Arbeit und den richtigen Kontakten werde ich es schon eines Tages schaffen.”
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