Bis zu 16 Stunden am Tag geschuftet

Von: Sarah Sillius
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Der Kraftakt ist geschafft, zwei Gebäude für die Hochschule in Kananga sind errichtet. Nun zogen Studierende und Lehrende gemeinsam Bilanz ihres Projekts. Foto: Harald Krömer

Aachen. Studierende und Mitarbeiter des Lehrstuhls für Städtebau und Landesplanung an der RWTH Aachen haben einen Berg von Plänen vor sich auf dem Tisch liegen. Sie blicken zurück auf ihr Bauprojekt in der Demokratischen Republik Kongo, das sie im März umgesetzt haben.

„Wir sind nicht wie die großen weißen Meister in den Kongo geflogen”, erklärt Professor Rolf Westerheide. Der Geschäftsführer und stellvertretende Lehrstuhl- und Institutsleiter leitet das Projekt im Kongo.

Entwicklungshilfe bedeutet für ihn und seine Mitarbeiter nicht nur finanzielle Unterstützung und die Übertragung westlicher Erfolgsrezepte. Vielmehr ging es den 35 beteiligten Aachener und Siegener Studierenden und Hochschulmitarbeitern bei dem Projekt um gelebte Entwicklungszusammenarbeit.

Gemeinsam mit kongolesischen Studierenden errichteten sie ein Wohn- und Küchengebäude für Studierende der Université du Kasayi. Seit 1996 existiert die erste nachkoloniale Hochschule in Kananga, der Hauptstadt der Provinz Kasai-Occidental.

Anfangs nur zwei Schaufeln

„Die einmonatige Bauphase war das Ende einer langen Etappe”, erzählt Westerheide. Seit neun Jahren ist sein Lehrstuhl an der weiteren Entwicklung des Hochschulgeländes beteiligt. Für die beiden Gebäude, die im März auf dem Campus errichtet wurden, wurde das Modell der Studentin Marie Reckterwald ausgewählt. Der daraus entwickelte Bauplan wurde vor Ort aufgehängt und umgesetzt.

Das war allerdings nicht so einfach, wie anfangs gedacht. Denn auf dem Gelände herrschte zunächst Ratlosigkeit. Den Beteiligten standen zunächst nicht mehr als zwei Schaufeln zur Verfügung. „Es gab keinen Elektroanschluss, kein Wasser, keine Maschinen, wir haben alles mit der Hand gemacht”, erzählt Westerheide. „Das hätten wir niemals ohne die Hilfe der Kongolesen geschafft.”

Kreativität und Innovation spielten fortan eine große Rolle: Maniok wurde als als Mörtel und Putzzuschlag eingesetzt, das sparte Kosten. „Damit konnten wir den teuren Zement ersetzen und unsere Kosten um 8000 Euro reduzieren”, erklärt der Professor: „Die Maniokwurzel wird auf dem Campusgelände angebaut, getrocknet, gemalen, gekocht und weiterverarbeitet.”

„Ein kleines Wunder”

Finanziell unterstützt wurde das Projekt mit 25000 Euro von der Stiftung Deutscher Architekten. Hinzu kamen Hilfsmittel vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) und dem „Verein zum Aufbau und Austausch mit der Université du Kasayi Kongo”.

Um den Bau der Gebäude in nur einem Monat fertigstellen zu können, war großer Einsatz gefragt. Für den Rektor der kongolesischen Uni „ein kleines Wunder”, erinnert sich Westerheide. Fehlende Gerätschaften wurden durch „Manpower” ersetzt, die Begeisterung vor Ort wuchs und wuchs. „Bis zu 16 Stunden am Tag haben wir auf dem Bau gearbeitet,” erzählt Student Johannes Jung. „Dabei haben wir ungefähr sechs Liter Wasser getrunken, weil es so heiß war.”

Am Ende wurde das kleine Wunder wahr: Aus dem kahlen Gelände, auf dem anfangs nur alte belgische Schienen als Zementsockel standen, ist mit vor Ort vorhandenen Materialien ein durchlüftetes, buntes Haus entstanden, das viel Freiraum bietet.

Saskia Rösler hat während des einmonatigen Aufenthalts Interviews mit den Kongolesen geführt, die noch veröffentlicht werden sollen. „Die Kongolesen sind vorher noch nie Weißen begegnet, die mit ihnen zusammen etwas aufbauen wollten”, berichtet sie: „Sie waren sehr interessiert an unseren Vorschlägen und wollen das erlernte Wissen in Zukunft in ihren Dörfern weitergeben.”

Dass Architektur verbinden kann, merkten die Studierenden schnell. Die Mentalität vor Ort kennenzulernen und den interkulturellen Austausch zu fördern, das gehörte für die Aachener zu dem Projekt dazu.

Westerheide und seine Studenten hoffen, dass sie unter den Kongolesen das Engagement wecken konnten, das Projekt auszubauen. Aber auch sie selbst wollen weiterhin aktiv bleiben und zur Optimierung des Campusgeländes beitragen.

Vorbilder wollen sie hauptsächlich im eigenen Land sein. Denn Deutschland könne viel mehr tun, meint Westerheide: „Auch an der RWTH ist unser Projekt das einzige in Schwarzafrika.” Als nächstes mögliches Projekt auf dem Gelände in Kananga schwebt den Mitarbeitern der Bau einer Sportanlage vor.
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