Bildungsstreikende schlagen aus Protest die Zelte auf

Von: Gerald Eimer
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Zelten im Hochschulviertel: Um gegen das Bildungssystem zu demonstrieren, haben Schüler und Studenten gestern ein sogenanntes Protestcamp am Super C aufgebaut. Foto: Harald Krömer

Aachen. Mit einem sogenannten Protestcamp setzen Schüler und Studenten in Aachen ihre Proteste gegen die aus ihrer Sicht „desolaten Zustände in unserem Bildungssystem” fort. Am Montag schlugen sie mehrere Zelte vor dem Super C am Templergraben auf, wo der harte Kern der Protestler bis Freitag campieren will und auf Transparenten, Flyern und mit Vorträgen für bessere Bildungschancen streitet.

Höhepunkt der Aktionswoche, die Teil eines bundesweiten Bildungsstreiks ist, soll eine Demonstration am morgigen Mittwoch sein.

Zur Frühstückszeit verkündete das „Bildungsstreikbündnis Aachen” am Montag, den Vorplatz des Super C „besetzt” zu haben. Was so wild klang, geschah aber doch weitgehend mit Billigung der Hochschulleitung, die bereits im vergangenen Herbst die Bildungsproteste samt Hörsaalbesetzung durch Schüler und Studenten wohlwollend begleitet hat.

An der Zielrichtung des Protests, der im weitesten Sinne aus dem gewerkschaftlichen und politisch links gerichteten Spektrum kommt, hat sich seitdem nichts geändert. Es geht gegen das dreigliedrige Schulsystem, die verkürzte Abiturzeit, den enormen Leistungsdruck, gegen Kopfnoten, gegen Studiengebühren, soziale Auslese, überfüllte Hörsäle, mangelhafte Berufsperspektiven und fehlende Selbstbestimmung.

Das Protestcamp werde bis Freitag rund um die Uhr besetzt sein, kündigte Julia Merscheid, Schülerin am Einhard-Gymnasium und eine von drei Pressesprechern des Bildungsstreikbündnisses, an.

Es wird eng am Templergraben

Am Montag kamen zunächst rund 50 Schüler und Studenten zusammen, um das weitere Wochenprogramm zu planen. Um sich einzustimmen, wurde unter anderem am Abend der Film „Kick it like Frankreich - der Aufstand der Studenten” gezeigt. Am heutigen Dienstag gibt es „Demotipps” - nicht zuletzt, um sich „unnötigen Stress mit der Polizei” zu ersparen, wie es ein Student ausdrückte.

Auf rund 1500 Demonstrationsteilnehmer hoffen die Bildungsstreik-Organisatoren am Mittwoch. Um 10.30 Uhr soll sich der Protestzug am Super C formieren und von dort aus quer durch die Innenstadt ziehen.

„Es könnte sich knubbeln”, meint Toni Wimmer, Pressesprecher der RWTH, der am Mittwoch nicht nur die Demonstration vor Augen hat, sondern zeitgleich auch den Studieninformationstag der RWTH abwickeln muss, zu dem nahezu zeitgleich bis zu 6000 Schüler aus ganz NRW am Kármán-Auditorium und SuperC erwartet werden. Noch ist er guten Mutes, dass alles problemlos abläuft. „Das hat im November geklappt, dann werden wir es wohl auch diesmal hinkriegen.”

Gut möglich, dass die Proteste sogar ins Informationsprogramm der RWTH integriert werden. Schließlich gehöre es „zum Studentenleben dazu, auf Unzulänglichkeiten hinzuweisen”, so Wimmer. Mit einer Räumung des Protestcamps am SuperC ist jedenfalls nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Die Hochschulleitung hat den zeltenden Schülern und Studenten am Montag bereits gestattet, die sanitären Anlagen im Hauptgebäude zu nutzen. Und auch die Hochschulwache wird ein Auge auf das Zeltlager werfen.
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