Besserer Klang und weniger Krach: Den Hobby-Musikraum ausstatten

Von: Philipp Laage, dpa
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Podest und Teppich als Schalldämpfer: Damit verhindern Musiker, dass der Sound ihres Schlagzeugs durch den Fußboden dröhnt. Foto: dpa

Köln/Aaachen. Gerade abends hat es oft Stress mit den Nachbarn gegeben. „Wir waren eingeschränkt beim Musikmachen, und auf Kopfhörer hat man auch nicht immer Bock”, sagt Chris Erkal. Der 21-jährige Student aus Hagen hat schon in mehreren Bands gespielt und macht heute elektronische Musik.

„Als Band kann man fast nicht existieren ohne Proberaum, und in vielen Städten sind die rar gesät und teuer.” Die Alternative ist ein Musikraum in den eigenen vier Wänden. Mit ein paar handwerklichen Maßnahmen entsteht auch hier annehmbarer Sound - und die Nachbarn gehen nicht so schnell die Wände hoch.

Beim Thema Klangqualität stehen Musiker vor dem Problem, dass Schall grundsätzlich von den Wänden widerhallt. Die Folge: Einzelne Schallwellen überlagern sich und sorgen für ein verzerrtes Klangbild, erklärt Ralph Roufflair von der DIY-Academy in Köln. „Was der Musiker spielt, wird dann nicht richtig wiedergegeben.” Um das zu verhindern, müsse der Schall gedämpft werden.

Dafür eignen sich PUR-Schaumstoffe mit Waben- oder Noppenform, die in unterschiedlichen Stärken an die Wand geklebt werden. Die Wand selbst sollte Roufflair zufolge sauber, trocken, fettfrei und nicht sandend sein. Tapeten ziehen Heimwerker am besten vorher ab - sonst löst der Kleber für den Noppenschaum womöglich den Kleber der Tapete. „Um einen besseren Klang zu bekommen, reichen relativ dünne Schaumstoffplatten bis vier Zentimeter, die mit einem geeigneten Kleber auf die vorbereitete Wand aufgeklebt werden.”

Das Dämpfen des Schalls ist eine Sache, das Vermeiden von Schallbrücken die nächste: Der Luftschall trifft zum Beispiel auf ein Fenster und bringt es zum Vibrieren. Ist die Verbindung zum Mauerwerk starr, überträgt das Fenster den Schall eins zu eins in den Gebäudekörper, erläutert Roufflair. „Auch das führt zu Verzerrungen.” Zum Entkoppeln des Schalls seien Gummidichtungen sinnvoll. Fenster sollten zunächst mit einer Platte und Dämmstoff auf der Innenseite verkleidet werden. Dort, wo die Platte anschließt, bringt der Musiker dann ein Gummidichtungsband an. Das gleiche macht er mit der Tür.

Damit der Schall nicht durch den Fußboden wabert, eignen sich Bautenschutzmatten. „Die sehen aus wie zusammengeklebte Radiergummis und schlucken Schall ohne Ende”, erklärt Roufflair. In Stärken von zwei bis drei Zentimetern seien sie in jedem Baumarkt zu bekommen. Aber auch ein dicker Teppich könne helfen. Für das Schlagzeug bietet sich zusätzlich ein kleines Holzpodest mit Gummifüßen an.

Für das Ankleben von Noppenschaum reichten normale Malerwerkzeuge wie Schere, Cutter-Messer, Tapeziertisch, Zollstock oder ein Stift aus, sagt Roufflair. Holzwerkzeuge und Gummidichtungen gebe es im Baumarkt. „Bei den Schaumstoffen würde ich dagegen direkt im Internet suchen. Die gibt es dort in allen Qualitäten und Materialstärken.” Der Quadratmeter koste zwischen drei und zehn Euro. Sie sollten in jedem Fall feuerhemmend sein. „Das ist wichtig, denn Musiker arbeiten oft mit elektrischen Geräten wie Verstärkern.”

Was für einen guten Sound reicht, stimmt aber noch nicht die Nachbarn zufrieden: „Nach außen hin haben diese Maßnahmen so gut wie keine Wirkung auf die Schallisolierung”, sagt Gottfried Behler vom Institut für Technische Akustik der RWTH Aachen. „Wenn ein Musiker Schlagzeug spielt, kann er machen, was er will - den Schall kriegt er nie weg.” Es sei viel schwieriger, tiefe Frequenzen nach außen zu dämmen, als hohe. „Das kennt der ein oder andere aus der Nachbarschaft: Über den Bass wird sich am meisten beschwert.” Bassgitarristen und Schlagzeuger könnten in der Regel wenig erreichen, wenn sie nicht viel Geld in die Hand nehmen.

Richtigen Schallschutz bietet Behler zufolge nur eine schwere, weiche Gipskartonschale, die isoliert vor die Wand gesetzt wird und den Schall hinreichend entkoppelt. „Die können Heimwerker natürlich rundherum anbringen, aber da geben sie schnell einige Tausend Euro aus.” Das Problem fängt dann an der Decke an: „So etwas an die Decke zu dübeln, ist schwer. Das macht man nicht mal eben alleine.” Das sei eine bautechnische Maßnahme, die auch finanziell aufwendig sei.

Schwermetaller müssen sich im Zweifelsfall also doch mit ihren Nachbarn arrangieren. „Um auf seine Nachbarn Rücksicht zu nehmen, sollten Musiker zuerst das konstruktive Gespräch suchen, um etwa Abwesenheitszeiten zu nutzen oder sich in bestimmte Räume der Wohnung zurückzuziehen”, empfiehlt der Rechtsanwalt Jan-Hendrik Schmidt aus Hamburg. Das Musizieren in den eigenen vier Wänden sei aber grundsätzlich jedem gestattet - unabhängig davon, ob es sich um die eigene oder eine gemietete Wohnung handelt. „Singen, Spielen und Hören von Musik gehören zum Wohnen.”

Um die Nachbarn nicht zu stören, komme man in den Abendstunden nicht drum herum, die Lautstärke deutlich herunterzufahren, sagt Chris Erkal. Der Hobby-Gitarrist rät kleinen Bands, erst einmal möglichst viel Stoff im Raum aufzuhängen, wenn das Geld nicht für Noppenschaum reicht. Dass Eierkartons an den Wänden helfen, sei dagegen ein „altbekanntes Märchen”.
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