Bei 2000 Metern ist Schluss: Die Rohre schaffen es einfach nicht

Von: Alfred Stoffels
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Der Anfang vom tiefen Loch unterm Super C: Hier soll das heiße Wasser irgendwann herauskommen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Bei 2000 Metern haben die Arbeiter jetzt aufgehört zu zerren und zu schieben: Weil der Aufwand in keinem Verhältnis mehr zum Ertrag gestanden hätte, ist das Versenken der Kunststoffrohre im tiefen Loch unter dem Super C der RWTH vorzeitig eingestellt worden - ursprünglich sollte es 2500 Meter hinuntergehen.

Dennoch sprechen die Verantwortlichen von einem Erfolg des ehrgeizigen Geothermieprojekts, bei einem ersten „Umspülversuch” sei das verwendete Wasser immerhin 50 Grad warm geworden.

„Die Arbeiten zur Fertigstellung der Sonde sind beendet”, teilte am Montag das TH-Institut für Markscheidewesen, Bergschadenkunde und Geophysik offiziell mit. Unter Leitung von Prof. Axel Preuße hatten die dortigen Wissenschaftler ein Konzept entwickelt, wie man das Super C am Templergraben mittels Erdwärme heizen und kühlen kann.

Nachdem nun feststeht, dass das Wasser tatsächlich warm wird, auch wenn man es nur zwei Kilometer nach unten schickt, soll die Haustechnik demnächst an die Riesenröhre angeschlossen werden. Das ist allerdings Sache des Hausherrn BLB (Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW).

Zu viel Aufwand

Nach vielen Problemen und Verzögerungen jetzt also die Vollzugsmeldung. Aber kann es die Leute von der TH wirklich glücklich machen, wenn an der 2000-Meter-Marke Ende der Fahnenstange ist, genauer natürlich: Ende des Rohrgestänges. Dazu Projektleiter Dr. Jörg Krämer: „Klar ärgert mich das, aber man sollte nicht ausschließlich auf die 2500 Meter starren wie das Kaninchen auf die Schlange.”

Immerhin sei es gelungen, vier Fünftel des langen Weges zu verrohren, „und für das restliche Fünftel diesen Aufwand an Zeit und Geld zu betreiben”, das sei nicht wirklich intelligent. Denn mittlerweile steht laut Krämer fest, dass die Schwierigkeiten mit den Rohren jenseits der Zwei-Kilometer-Grenze mit herkömmlichen Mitteln nicht zu überwinden sind - man müsste wohl das bislang niedergebrachte Rohrgebilde, bestehend aus jeweils zwölf Meter langen Einzelstücken, komplett ausbauen und von vorne anfangen (wie berichtet, mussten schon einmal 600 Meter wieder herausgezogen werden, geholfen hat es nicht viel).

Auf „Effekte, die wir so nicht erwartet hatten”, führen die Experten die Malaise beim Einführen der Rohre zurück. Es handelt sich zwar um Spezialkonstruktionen, aber sie sind doch so flexibel, dass die ganze Schieberei irgendwann zum Glücksspiel wird. Nun will man gucken, wie es in Arnsberg läuft, wo die dortigen Stadtwerke noch tiefer gehen wollen (2800 Meter), um ein Freizeitbad zu beheizen.

Das Prinzip ist dasselbe: Wasser wird ins Erdinnere geleitet, um erhitzt zurückzufließen. Der erste Spülversuch unter dem Super C wird als erfolgreich bezeichnet: Eine Stunde lang lief die Pumpe, dann hörte man auf, weil ihre Gummilager aufzuquellen drohten. Zu diesem Zeitpunkt war das Wasser bereits 50 Grad warm; höhere Temperaturen sind laut Krämer mit Sicherheit möglich.

„In Kürze” soll mit dem Probebetrieb begonnen werden. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit will sich niemand mehr auf einen Termin festlegen, wann das Super C endlich aus Richtung Erdmittelpunkt beheizt und belüftet wird. Nur dass es irgendwann klappt, ist feste Überzeugung.
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