Baugrube ausgehoben: Maschinenwesen am Abgrund

Von: Thorsten Karbach
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Große Pläne für ein großes Bauloch: Zwischen Eilfschornsteinstraße und Annutiatenbach baut der BLB für die RWTH das Technikum. Vis-a-vis des Kaiser-Karls-Gymnasium (hinten) werden insgesamt 44 Millionen Euro investiert. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Maschinenwesen steht am Abgrund. Buchstäblich, denn hinter dem Sammelbau Maschinenwesen der RWTH an der Eilfschornsteinstraße öffnet sich eine gewaltige Baugrube. Wo einst ein kleines Parkhaus für die Wissenschaftler stand, fahren schwere Fahrzeuge der Bauarbeiter mit lehmverkrusteten Reifen vor, denn der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW baut für die Hochschule das sogenannte Technikum.

Darin ist Platz für modernste Labore, Forschung und Büros in einer anspruchsvollen Hülle. Der fünfgeschossige Bürotrakt stülpt sich dabei wie eine Klammer über die Labore. „Wir wollen diesen Bereich durch einen Showpunkt aufwerten”, sagt Ute Willems, Abteilungsleiterin Planung und Bauen beim BLB. Und in der Tat: an dieser Stelle hat der Hochschule bislang den tristen Charme eines Fabrikgeländes.

„Kein Denkmal”

Die Fassade ist es aber nicht, die dafür sorgt, dass die Baustelle Technikum (Generalplaner ist die Schürmann Spannel AG) 44 Millionen Euro kostet - und damit fast doppelt so viel wie das 23-Millionen-Euro-Ausrufezeichen Super C. „Wir setzen hier kein kostspieliges Denkmal”, erklärt Willems, viel mehr sei es die enorme Technik, die die Wissenschaft einsetzt, die Kosten verursache. Und dann sind in den 44 Millionen Euro nicht nur der Abriss des Parkdecks sondern auch die Sanierung des Sammelbaus Maschinenwesens enthalten.

Das Geld kommt dabei aus dem Hochschulmodernisierungsprogramm. Wenn im April 2012 der Einzug ins Technikum (5000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche) startet, wird der klobige Sammelbau saniert - bis Ende 2013. Die Arbeiten sind aufeinander abgestimmt, denn Institute und ihre Forschungslabore ziehen den kurzen Weg ins Technikum. „Da geht es um Versuchsaufbauten, die wir nicht mehr als einmal bewegen können”, sagt BLB-Pressesprecher Bernd Klass. Also schieden Zwischenlager aus, um parallel zu sanieren und neuzubauen. Nacheinander wird nun also gearbeitet.

Ein Abriss des Sammelbaus war zwar geprüft, aber eben auch wieder verworfen worden. Er hätte sich nicht gelohnt - wirtschaftlich. Optisch ist er ein sprichwörtlicher Dorn im Auge, andererseits aber auch ein „architektonischer Zeitzeuge” (Willems). 1964 wurde er aus Stahlbeton in sogenannter Skelettbauweise errichtet. Ein Gebäude, das für den pragmatischen Stil dieser Zeit steht.

Für die Sanierung wird alles bis auf den Rohbau entfernt. Die 12000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche bekommen eine neue Hülle - die sich aber äußerlich nicht vom aktuellen Bild abheben wird.

Das wird dann aber vom Technikum geprägt und von den Freiflächen mit Bäumen und modernen Leuchten, die rundherum geschaffen werden. „Wir steigern damit auch die Aufenthaltsqualität”, sagt Willems. Die alte Werkhalle am Annutiatenbach wird in einem nächsten Schritt - so ist es jedenfalls Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs -Êwohl abgerissen und durch Stadthäuser ersetzt. Nur das Haus der Werkstoffkunde bleibt - das steht mit seiner feinen Wendeltreppe unter Denkmalschutz. Aber auch dieses Hochschulgebäude ist nicht weit vom buchstäblichen Abgrund entfernt.
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