Bachelor-Studenten brauchen zunehmend psychologische Hilfe

Von: dpa
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Weiterstudieren oder rein ins Berufsleben - über diese Alternative zerbrechen sich viele Studenten nach einem Bachelorabschluss den Kopf. Foto: dpa

Münster. Der neue Leistungsdruck beim Bachelor-Abschluss löst bei Studenten immer häufiger seelische Probleme aus. Rund drei Jahre nach Einführung der straff geregelten Studienordnung an nordrhein-westfälischen Universitäten zeigten sich die langfristigen Folgen, sagte der psychologische Berater der Zentralen Studienberatung der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) in Münster, Volker Koscielny.

„Ganz fatal ist, dass jedes Bisschen abgeprüft werden muss.” Das belaste besonders Studenten mit Leistungsängsten.

Die hohe Anzahl der Prüfungen bezeichnete der Hochschulpsychologe als „extrem übertrieben”. Stattdessen sprach er sich für „mehr Freiwilligkeit bei der Anwesenheit in den Seminaren” aus. Eine freiere Zeiteinteilung sei gerade für jene Hochschüler wichtig, die sich ihr Studium durch eine Nebentätigkeit finanzieren müssen.

„Berufstätige Studenten haben jetzt mehr Probleme als in den alten Studiengängen.” Ein Nebenjob werde durch die hohe zeitliche Belastung im Bachelor erschwert. Nach Einschätzung des Experten könne das dazu führen, dass „soziale Selektion stattfindet”. Da in der neuen Studienordnung vom ersten Semester an jede Note wichtig sei, stünden die Studenten bereits zu Studienbeginn unter großem Druck.

Viele Bachelor-Studenten litten unter Depressivität oder daran, „vor lauter Angst” nicht lernen zu können. Während früher eher Mediziner und Juristen über „akute Verzweiflungszustände” geklagt hätten, kämen seit dem Bachelor deutlich mehr Geisteswissenschaftler zur Beratung. „Jeder fünfte Hilfesuchende braucht neben der Beratung eine professionelle Psychotherapie”, sagte Koscielny. Ferner sehe er Bedarf an mehr Fachleuten in der psychologischen Beratungsstelle der Uni. Dazu fehle jedoch das Geld. 2008 hätten allein an der WWU 850 Studierende wegen seelischer Probleme Hilfe gesucht, rund 30 mehr als im Jahr davor.

Wichtig sei vor allem eine „solidarische Haltung unter den Studierenden”. „Der Studiengang kann jemanden so absorbieren, dass er keine Zeit mehr hat, soziale Kontakte aufzubauen. Das führt dann zu psychischen Problemen”, sagte der Psychologe. Verstärkt unterstütze die Zentrale Studienberatung daher die Arbeit von studentischen Selbsthilfegruppen.

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