Leipzig - Autor mit Abschluss: Studiengänge rund ums Schreiben

Autor mit Abschluss: Studiengänge rund ums Schreiben

Von: Kristin Kruthaup, dpa
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Wer Schriftsteller werden möchte, braucht Talent. Im Bachelorstudiengang Kreatives Schreiben können die Studenten das Handwerkszeug lernen. An der Bayerischen Akademie des Schreibens gibt es zudem kostenlose Alternativangebote. Foto: dpa

Leipzig. Erst neulich hatte Berufsberaterin Mandy Rüsch wieder eine Schülerin da. Rüsch arbeitet in der Arbeitsagentur in Leipzig und unterstützt dort Gymnasiasten bei der Berufswahl.

„Das Mädchen kam und sagte, sie will Schriftstellerin werden”, sagt Rüsch. Rüsch schaut in so einem Fall immer: Will derjenige wirklich nur das? Oder gibt es berufliche Alternativen?

Das Mädchen hatte mit seinen Texten für sein Alter schon viel Erfolg gehabt. Sie hatte einen Kurzgeschichtenwettbewerb für Schüler gewonnen und sogar ein Buch veröffentlicht. Seit sie den Füller halten könne, schreibe sie Geschichten. „In so einem Fall, wenn jemand wirklich nur schreiben will, bietet sich ein Bachelor für Kreatives Schreiben an”, sagt Rüsch.

Für Außenstehende mag es überraschend sein. Das Schreiben von Romanen lässt sich studieren. Es gibt dabei nicht nur unzählige Angebote rund um das Thema Literatur. Im deutschsprachigen Raum bieten vier Universitäten auch die Möglichkeit, einen Bachelor im Bereich Kreatives Schreiben zu machen. In Deutschland bieten die Universitäten in Hildesheim und Leipzig entsprechende Studiengänge an. Dazu kommen im Ausland das Institut für Sprachkunst an der Kunsthochschule in Wien sowie die Universität in Bern in der Schweiz.

Auch wenn sich die Studiengänge im Detail unterscheiden: An allen Universitäten werden die Hochschüler in Lyrik, Prosa und Dramatik unterrichtet. Überall probieren sie sich in Schreibwerkstätten aus und besprechen anschließend ihre Texte. „Im ersten Semester sind das in Hildesheim ganz kleine Sachen”, sagt Prof. Dr. Stephan Porombka vom Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim. „Am Anfang übt man Sätze oder kleine Szenen. Man stellt sich etwa an den Bahnhof und hört nur zu und protokolliert.” Später kommen dann Kurzgeschichten oder sogar Novellen.

Doch einen der Studienplätze in den wenigen Bachelorstudiengängen zu bekommen, ist nicht leicht. „In Leipzig nehmen wir jedes Jahr 20 bis 25 Studenten im Bachelor auf”, erläutert Prof. Hans-Ulrich Treichel vom Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Die Zahl der Bewerbungen schwanke zwischen 400 und 600. In Hildesheim ist die Situation etwas besser. Auch dort werden 20 bis 25 Studenten aufgenommen. Es gibt allerdings nur rund 300 Bewerber.

Das Auswahlverfahren ist in beiden Institutionen zweistufig. Bewerber schicken zunächst einen oder mehrere Texte ein. Vorgaben hinsichtlich des Themas und der Gattung des Textes gibt es nicht. Lediglich eine Maximallänge von 20 Seiten darf nicht überschritten werden. „Man schaut dann: Ist in einem Text eine literarische Begabung zu erkennen”, sagt Prof. Treichel. Wenn ja, kommen die Kandidaten in die zweite Runde und werden zu einem persönlichen Gespräch eingeladen.

Den Vorteil des Bachelors sieht Prof. Treichel darin, dass die Studenten in den drei Jahren bis zum Abschluss herausfinden können, ob die Begabung zum Schriftsteller ausreicht. „Das klärt einiges über die eigenen Möglichkeiten.” Für Prof. Porombka ist es die Möglichkeit, zusammen mit anderen Leuten intensiv an den eigenen Texten zu arbeiten. Doch wie alle Kunststudiengänge sei auch der Bachelor Literarisches Schreiben ein Risikostudiengang, erklärt Prof. Treichel. Eine Garantie, mit dem Abschluss einen Job zu finden, gebe es nicht. Und allein vom Schreiben kann kaum ein Schriftsteller leben.

Mandy Rüsch stellt deshalb bei den Schülern, die Schriftsteller werden wollen, oft einen großen Druck fest. „Die wissen häufig, was ihr Interesse ist. Aber die Umwelt reagiert nicht gerade freudestrahlend auf den Wunsch, Schriftsteller zu werden. Das ist unsicher! Willst du wirklich nichts anderes?”. Mit solchen Fragen müssen sie sich viel stärker als andere auseinandersetzen.

Wer sich nicht traut, nur auf den Bachelor kreatives Schreiben zu setzen oder weder in Deutschland noch im Ausland genommen wird, dem bleiben noch weitere Alternativen. In Bayern gibt es seit dem vergangenen Jahr zum Beispiel die Bayerische Akademie des Schreibens. Die Akademie ist ein kostenloses Angebot an die Studenten aller Fachrichtungen der Universitäten Bamberg, Bayreuth, Erlangen, LMU München, TU München und Regensburg zusammen mit dem Literaturhaus München.

„Über ein Jahr verteilt, treffen sich die Studenten elf Mal ein ganzes Wochenende lang”, sagt Reinhard Wittmann, Leiter des Literaturhauses in München. Zusammen mit Autoren und Lektoren arbeiten sie in dieser Zeit an einem eigenen Projekt. „Jemand, der schon ein Projekt hat, kommt in dem Jahr meist wirklich voran”, erklärt Wittmann.

Egal, ob Bachelor oder Bayerische Akademie des Schreibens: Berufsberaterin Rüsch rät allen, die Schriftsteller werden wollen, möglichst früh die rosarote Brille abzulegen. „Viele stellen sich den Beruf so schön vor. Aber sie sehen überhaupt nicht den Biss, den es braucht, um sich in dieser Welt zu behaupten.” Am besten sei es daher, sich schnell ein eigenes, realistisches Bild vom Literaturbetrieb zu machen.

Eine Möglichkeit sei etwa, Kontakt zu einem Schriftsteller aus der Region aufzunehmen und ihn zu seinem Beruf zu befragen. Da nur wenige Schriftsteller vom Schreiben leben können, arbeiteten einige nebenbei als Lektor in einem Verlag. Deshalb rät sie, schon während der Schulzeit dort ein Praktikum zu machen. So könnten Schüler herausfinden, ob das etwas für sie ist. Und schließlich schade es auch nicht, während der Ferien ein Praktikum in einer Buchhandlung zu machen. „Allein um einmal zu sehen, wie breit die Palette schriftstellerischen Schaffens ist.”
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