Auf der Suche nach Aachens Amphitheater

Von: Oliver Schmetz
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Schicken Radarstrahlen unters historische Pflaster vorm Granusturm: Philipp Schumacher und Sonja Groten auf der Suche nach Aachens römischem Amphitheater. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das Erdreich unter Aachens Marktplatz wird derzeit durchleuchtet. Bis in fünf Meter Tiefe schauen Studenten und Wissenschaftler der RWTH per Georadar, und das nicht nur aus Experimetierfreude, sondern mit einem ganz konkreten Auftrag. Gesucht wird nicht weniger als ein römisches Theater, eventuell sogar ein Amphitheater.

„Georadar” heißt das Zauberwort, das auf dem Marktplatz den Blick ins geschichtsträchtige Erdreich eröffnen soll, und das ganz ohne lästige Ausgrabungen. Studenten und Wissenschaftler der RWTH nehmen sich dort derzeit das historische Pflaster vor, vermessen Kubikmeter um Kubikmeter, ermitteln Daten.

Architektonisches Highlight?

Dass das römische Aachen möglicherweise über solch ein architektonisches Highlight verfügt hat, ist die Idee von Andreas Schaub. Der Stadtarchäologe und Experte für römische Geschichte stützt seine „vage These” auf eine Reihe von Indizien. So fand man beispielsweise unter dem Dom große römische Steinquader, wie sie nur für ein Großbauwerk verwendet worden sein können.

Und bei Kanalarbeiten stieß man im 19. Jahrhundert in der Krämerstraße auf einen vier Meter breiten römischen Mauerrest - was die Dimension normaler römischer Häuser gesprengt hätte.

Schaub ist deshalb sehr gespannt auf die Ergebnisse der Georadar-Untersuchungen. Und selbst wenn es keinen Beleg für römische Großbauten geben sollte, mache der Blick in den Boden unter dem Markt Sinn: „Wir wissen überhaupt nicht, wie es dort einmal ausgesehen hat. Neue Erkenntnisse zur Stadtgeschichte gewinnen wir auf jeden Fall.”

Professor Dr. Klaus Rudolf Reicherter und Diplom-Geologe Christoph Grützner, die das Messprojekt am Markt betreuen, versprechen jedenfalls nicht nur eine „zerstörungsfreie”, sondern auch schnelle und genaue Methode.

Dreidimensionales Bild

Beim Georadar werden elektromagnetische Impulse in den Boden geschickt, die von Gesteinsschichten, Leitungen oder Rohren reflektiert werden und so Messdaten liefern. „Damit können wir ein dreidimensionales Bild des Untergrunds erzeugen”, versprechen die Forscher. Und auch wenn die Messwerte wegen diverser möglicher Störfaktoren nicht immer eindeutig sein werden: „Große Fundamentreste sollten wir schon bemerken”, sagt Reicherter.

So schnell die Datenerhebung vonstatten geht - lediglich zwei weitere Messtage sind in der kommenden Woche veranschlagt -, so aufwändig ist die Auswertung. Diesen Part übernimmt die Studentin Sonja Groten im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit. „Wahrscheinlich werden wir bis Ende September Bilder vom Boden unter dem Markt haben”, schätzt Grützner. Und damit dann vielleicht auch von Aachens einstigem Amphitheater.
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