Auch das Unterrichten muss geübt werden

Von: Margot Gasper
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Theorie ist natürlich weiterh
Theorie ist natürlich weiterhin zu lernen, aber die Praxiserfahrung spielt in der Lehrerausbildung an der Hochschule eine deutlich größere Rolle, erläutern Dr. Ursula Boelhauve (rechts), Geschäftsführerin des Lehrerbildungszentrums an der RWTH, und Jennifer Loew, die die Kooperationsstelle für das Praxissemester betreut. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Junge Menschen, die Lehrer werden wollen, sollen nicht erst nach dem Studium vor einer Klasse stehen: Das Land Nordrhein-Westfalen hat seine Lehramtsstudiengänge reformiert und auf Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt.

Die Praxiselemente sind im Zuge dieser Reform noch einmal deutlich verstärkt worden. So verbringen angehende Lehrerinnen und Lehrer künftig ein ganzes Semester im Praktikum an einer Schule.

Das gute, alte Staatsexamen hat ausgedient. Wer Lehrer wird, erwirbt an der Hochschule zuerst den Bachelor und dann den Master of Education. In Aachen sind die ersten Studierenden, rund 400 junge Leute, im Oktober 2011 ins Studium gestartet. Sie wollen später an einem Berufskolleg, einem Gymnasium oder einer Gesamtschule unterrichten. Einen ausgeprägten Praxisakzent hatten die Lehramtsstudiengänge schon länger. Als neuer Baustein kommt im Masterstudium nun das Praxissemester hinzu.

In Aachen werden die ersten Studierenden zwar erst im Februar 2015 in die Schulen gehen. Die Vorbereitungen aber sind längst angelaufen.

So schloss die RWTH im Dezember 2011 einen Kooperationsvertrag mit den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (den früheren Studienseminaren) in Aachen, Jülich und Vettweiß. Nichts weniger als ein „Meilenstein” auf dem Weg zur Verbesserung der Lehrerausbildung sei die Übereinkunft, teilte die RWTH dazu mit.

Dr. Ursula Boelhauve ist Geschäftsführerin des Lehrerbildungszentrums (LBZ) der RWTH, das sich als zentrale wissenschaftliche Einrichtung fachübergreifend um die berufsfeldorientierte Lehramtsausbildung an der Hochschule kümmert. Boelhauve erwartet viel von dem neuen Praxissemester: „Wir schaffen eine neue integrative Verbindung von Theorie und Praxis.”

Ein vorgezogenes Mini-Referendariat sei dieses „innovative Element” der Lehramtsausbildung aber keineswegs, betont sie. Vielmehr biete das Praxissemester die Chance, unter Anleitung den Unterrichtsalltag frühzeitig und intensiv zu erproben.

Bis Februar 2015 sind es noch drei Jahre. Bis dahin sind in Sachen Praxissemester aber auch noch viele Einzelheiten zu klären. Damit ist unter anderem Jennifer Loew beauftragt. Sie betreut die beim LBZ angesiedelte Kooperationsstelle für das Praxissemester.

In fächerbezogenen Arbeitsgemeinschaften diskutieren alle Beteiligten, wie das Praxissemester in den einzelnen Fächern zu gestalten ist. „Das muss gut geplant werden”, sagt Loew.

Auch Vertreter der Ausbildungsschulen sitzen mit am Tisch. Für die Schulen bringt das Praxissemester neue Herausforderungen - und mehr Arbeit. „Die Schulen sehen aber auch das Potenzial”, ist Loew überzeugt.

Und die Studenten? Viele haben in der Vergangenheit die Theorielastigkeit des Lehramtsstudiums bemängelt. Ursula Boelhauve ist deshalb zuversichtlich, dass das Praxissemester sehr gut angenommen wird.

Das Referendariat, das bisher zwei Jahre dauert, fällt durch die Reform der Lehrerausbildung allerdings kürzer aus: Der Vorbereitungsdienst dauert künftig 18 Monate.
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