Aseag will Stadtbahn auf die Schiene setzen

Von: Albrecht Peltzer
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Mit der Bahn vom Bushof über Campus und Klinikum bis Vaals: Ende des Jahres soll der Grundsatzbeschluss gefällt werden, ob das Bahnprojekt weiterverfolgt wird. Die Aseag will diese Bahn betreiben, aber sie will auch mehr: Die Campusbahn soll Stadtbahn sein - von Brand bis Vaals. AZ-Grafik: Horst Thomas

Aachen. Mit der Pünktlichkeit hat die Aseag mitunter Probleme, die jedoch in den seltensten Fällen hausgemacht sind. Aber jetzt will das Nahverkehrsunternehmen nicht nur pünktlich, nein, es will vor allen anderen da sein.

Kein unmögliches Unterfangen, aber eines, das umfangreicher Vorplanung bedarf. Und die hat bereits begonnen.

Innovatives Angebot

Es geht um den Campus der RWTH, und es geht um die Frage, wie der verkehrstechnisch erschlossen werden soll. „Der Campus ist das Vorzeigeprojekt der TH, dort entstehen 10.000 neue Arbeitsplätze”, sagt Aseag-Vorstand Hans-Peter Appel. Wichtiger Faktor des Campus sei die „frühzeitige Anbindung an den ÖPNV” - und das „innovativ, modern und technisch fortschrittlich”.

Eine Campus-Bahn soll es sein, das ist auch politisch mehrheitsfähig. Vom Bushof über den Bahnhof-West in den Campus und von dort via Klinikum zur Vaalser Grenze - eine Studie hat gezeigt, dass diese Bahn technisch und städtebaulich realisierbar ist. Die Aseag aber will noch auf ein weiteres Gleis setzen.

Basierend auf Überlegungen aus den 90er Jahren favorisiert Appel eine Bahn, die in der Endausbaustufe nicht nur die Innenstadt mit Vaals verbindet, sondern die auch - fast wie die alte Tram - von Brand kommend Richtung Bushof, Campus und Vaals fährt. Eine Vision ist das, aber keine Utopie, betont Appel. Nach Überlegungen seines Unternehmens könnte diese Bahn bereits 2020 fahren.

Aus Appels Sicht gibt es zu diesem Netz keine Alternative. Anders als so, schätzt der Aseag-Vorstand, lasse sich kein positiver Kosten-Nutzen-Faktor erzielen. Und für Appel steht auch fest: „Als kommunales Nahverkehrsunternehmen kommt nur die Aseag als Betreiber der Stadtbahn in Frage.” Appel erfährt da Unterstützung von Aseag-Aufsichtsratsvorsitzendem Heiner Höfken (SPD): „Der Ausbau sollte bis Brand erfolgen. Das ist die sinnvollste Lösung.”

Vor allen anderen da sein, die Philosophie hat die Aseag bereits in Teilen umgesetzt. Mit der laut Appel „ausgesprochen gut angenommenen Linie 73” wird der Bereich des Campus schon jetzt bedient. Ab 2012 sollen Doppelgelenkbusse der Linien 5/45 sowie 12/22 und 3A/3B den Campus anfahren. Appel: „Wir wollen frühzeitig den ÖPNV als das geeignete Verkehrsmittel für den Campus etablieren.”

Ende dieses Jahres soll feststehen, ob die Stadtbahn finanziell überhaupt eine Chance hat. Bis sie fährt, würden Jahre vergehen. Was aber muss für die Zeit angeboten werden, in der noch keine Stadtbahn gebaut werden kann? Für diese Phase will Appel einen sogenannten „Stadtbahnvorlaufbetrieb” etablieren. Vereinfacht gesagt: Auf einem Großteil der Strecke Bushof-Campus würden Busse auf eigenen Trassen fahren, die dann später die Bahntrassen sein sollen. Eine Idee, die politisch in Aachen umstritten ist, die auch bei der Verwaltung nicht unbedingt auf Gegenliebe stößt. Wohl auch, weil die Stadtbahnbefürworter fürchten, dass dann für den Bus das Feld bereitet werde und die Bahn ins Hintertreffen gerate.

Für Hans-Peter Appel ist das kein Argument. Er will die Stadtbahn, aber er will bis zu deren Realisierung eine bereits hoch attraktive ÖPNV-Anbindung per Bus schaffen. Nur so werde der ÖPNV von Beginn der Campus-Entwicklung an als sinnvolle Alternative zum Individualverkehr angenommen. Bereits im Zeitraum 2014 bis 2016 könnte diese Bustrasse zwischen Bahnhof West, Campus und Klinikum angelegt sein, schätzt Appel. Gleichzeitig würden die Planungen für die Stadtbahn vorangetrieben, die diese Trassen dann ab 2020 befahren soll.

Das Vorhaben Campus-/Stadtbahn wird also weiter polarisieren. Diskussionsstoff gibt es genug. Die Aseag ist überzeugt, die richtigen Argumente zu haben. Aber: „Die Auseinandersetzung wird nicht ideologiefrei sein”, glaubt Hans-Peter Appel.

Campuslinien sollen ÖPNV frühzeitig als Alternative zum Pkw etablieren

Das Credo der Aseag lautet: „Um den Beschäftigten/Besuchern der Campusgebiete frühzeitig eine Alternative zum Pkw anzubieten, ist die Nutzung der Stadtbahntrasse als Bustrasse bereits im Vorlaufbetrieb mit einer Campus-Buslinie unerlässlich.” Bis die Stadt-/Campusbahn kommt, sollen hochwertige Busse den Betrieb übernehmen (siehe Beispielfoto). Grundlegend, so die Aseag, sei die Anbindung an den Aachener Bushof sowie die vollwertige Integration in das vorhandene Busliniennetz der Aseag.

Die Campus-Bahn selber soll vom Bushof bis Vaals (rund acht Kilometer, Fahrtzeit 20 Minuten) im Zehn-Minuten-Takt verkehren und dabei pro Stunde und pro Fahrtrichtung 900 Fahrgäste (sechs Bahnen plus eine Bahn in Reserve) transportieren.
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