Arboristik: Das Studium zum „Baumdoktor”

Von: dpa
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Göttingen. Ein Baum ist nicht nur hübsch anzusehen. Und er ist nicht nur als Schattenspender im Biergarten oder im Park nützlich. Bäume sind vielmehr die grüne Lunge einer Stadt.

Sie sind wichtig für das Klima, weil sie Schadstoffe aus der Luft filtern und im Sommer dafür sorgen, dass es nicht zu heiß und trocken wird. Dafür brauchen sie aber die richtige Pflege. Wie diese aussieht, lernen Studenten in dem Fach Arboristik.

„Bei uns werden Studenten gewissermaßen zum Baumdoktor ausgebildet”, sagt Prof. Thorsten Gaertig von der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK). Bei ihrer regelmäßigen Visite kontrollieren die Experten, ob ein Baum Faulstellen hat, von Pilzen befallen oder von Schädlingen wie der Miniermotte angefressen ist. Mit bloßem Auge ist eine Krankheit dabei nicht immer zu erkennen. Daher gehören auch das Abklopfen und Abhorchen auf verdächtige Stellen zur Vorsorge - ähnlich, wie der normale Doktor das mit dem Stethoskop beim Menschen tut. Selbst tomografische Untersuchungen werden angeordnet.

Im Studium stehen zum einen Grundlagen der Ökologie und Botanik auf dem Lehrplan. So werden die Krankheiten der verschiedenen Baumarten durchgenommen - im Fachjargon heißt das „Gehölzpathologie”. Später kommt die richtige Schnitttechnik hinzu: Denn ein grober Kahlschlag könne für einen Baum das Ende bedeuten, erläutert Gaertig. Daneben wird rechtliches und wirtschaftliches Wissen vermittelt. Schließlich geht es auch darum, die Kosten der Baumpflege zu kalkulieren.

Arbeit für Absolventen gibt es in Garten- oder Umweltämtern von Städten und Gemeinden. Dort leiten und planen sie die Baumpflege. Und sie kommen zum Einsatz, wenn es zu klären gilt, ob ein maroder Baum die Sicherheit des Straßenverkehrs gefährdet. „Da muss man dann entscheiden, ob ein Baum gefällt wird oder noch zu retten ist”, erklärt Gaertig.

Außerdem sind Absolventen als Gutachter tätig, wenn zum Beispiel ein Auto einen Baum gerammt hat und der Sachschaden bestimmt werden muss. Studieren lässt sich das Fach in dieser Form bundesweit nur in Göttingen. Ähnliche Studienangebote gibt es unter dem Stichwort „Gartenbau” oder „Forstwissenschaft”.

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