Anwohner lehnen Studenten als Mieter ab

Von: Robert Esser
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Möchten nicht noch mehr Stude
Möchten nicht noch mehr Studenten in der Nachbarschaft haben: Magdalena Stickelmann, Dr. Christian Friede, Dina Köpke und Dr. Günter E. Thie fürchten um die Wohnqualität am Veltmanplatz. Foto: M. Jaspers

Aachen. Während tausende Studierende in Aachen verzweifelt ein Dach über dem Kopf suchen, machen einige Anwohner am Veltmanplatz gegen das dort geplante Studentenwohnheim mobil.

Sie kritisieren nicht etwa, dass Investor Norbert Hermanns mit der Landmarken AG anstelle des seit Jahren verlassenen und mittlerweile reichlich vergammelten Ex-Wollforschungsinstituts einen modernen Wohnkomplex an die Ecke zur Kreuzherrenstraße im Pontviertel setzt.

Die Bürgerinitiative wehrt sich dagegen, dass auf 6300 Quadratmetern Studierende einziehen sollen - in rund 170 Wohnungen in Größen zwischen 23 und 60 Quadratmetern. „Unser Viertel leidet schon jetzt darunter, dass hier fünf Mal mehr Studenten unterwegs sind als anderswo”, wettert Dr. Christian Friede. Für die Anwohner bedeute dies noch mehr Lärmbelästigung, Dreck, Parkplatznot und eine Verwahrlosung des Umfeldes, „die letztlich auch zu höherer Kriminalität führt”, sagt er.

Gegenüber der Aachener Zeitung plädieren Friede sowie seine Mitstreiter(innen) Magdalena Stickelmann, Dina Köpke und Dr. Günter E. Thie dafür, statt Studenten andere neue Nachbarn ins Visier zu nehmen. „Mit dem Park und dem Spielplatz vor der Türe ist der Standort ideal für Familien”, erklärt Thie. Deren Wohnraum sei in Aachen ebenfalls Mangelware - zumal die Flut der Studierenden ja schon ab 2015 wieder abflaue (siehe Info-Box). Stickelmann und Köpke weisen darauf hin, dass der sechsgeschossige Neubau nach dem Abriss des alten Instituts nebst Siedlungswasserwirtschaftsinstitut (zieht bis März 2013 aus) einige Gärten und Wohnungen von Anwohner verschatte. „Das Objekt ist zu groß und in seiner Gesamtheit auch noch nicht genehmigt”, behauptet Friede.

Unterstützung für ihre Gegenwehr finden die Wohnheim-Kritiker bislang weder in der Politik noch bei der benachbarten Pfarre Heilig Geist, die zur GdG Franziska von Aachen zählt. Der Bebauungsplan ist - bis auf ein Teilstück am Siedlungswasserwirtschaftsinstitut - abgesegnet. Das politische Verfahren läuft auf Hochtouren.

Und auch Pfarrer Franz Josef Radler befürwortet den Abriss der alten Betonburg und das Neubauprojekt - ohne sich in den Streit zwischen einzelnen Anwohnern und Investor einmischen zu wollen. Mit der Landmarken AG verfolgt er im Zuge des Bauprojekts, das bis 2014 bezugsfertig sein soll, wichtige Ziele: „Man hat uns angeboten, unsere alte Kindertagesstätte sowie das Pfarrheim in einen modernen Anbau zu integrieren. Das wäre für uns wunderbar. Die Entscheidung werden die Pfarrgremien noch dieses Jahr fällen”, sagt Radler.

Investor Hermanns hält die Kritik einzelner Anwohner für absurd: „Unser Studentenwohnheim am Veltmanplatz wird auf Fachkongressen als Vorzeigemodell gehandelt”, erklärt er. Hochwertige Materialien, variables Raumkonzept - mit dem man bei Bedarf Ein-Zimmer-Appartments zu größeren Wohnungen verknüpfen könne -, Erdwärmeheizung, Solarthermie, innovatives Gartenkonzept bis aufs Dach etc. seien Garanten für eine echte Aufwertung des Viertels, so der Vorstand der Landmarken AG.

Das Konzept entwickelte Architekt Gerhard Wittfeld (Kadawittfeldarchitekur) mit seinem Team. „Das ist ein Premium-Projekt gegen studentische Wohnungsnot und ein Paradebeispiel für Flexibilität, die natürlich auch Wohnqualität für Familien oder Senioren ermöglichen kann”, sagt Wittfeld. Womit er mehr als ein Dach überm Kopf meint - nicht nur für Studenten.

2015 fehlen über 4300 Studentenwohnungen

Die Stadt kalkuliert, dass sich die Zahl der Studierenden für die Jahre 2014/15 von etwa 40.000 auf 48.500 erhöht. Verschiedene Investoren planen Neu- oder Umbauten - zum Beispiel am Veltmanplatz (170), an der Hainbuchenstraße (157), der Henricistraße (100), der Vaalser Straße (173), Stiftstraße (74) etc. Insgesamt sollen aber maximal nur 1800 neue Unterkünfte bis 2014 entstehen - zu wenig für den Andrang der Studierenden.

Nach offiziellen Prognosen sollen die Studentenzahlen ab 2015 wieder fallen. Danach werden 2018 trotzdem noch 750 Wohneinheiten für Studierende fehlen, um den Bedarf zu decken. 2015 wird der Höhepunkt studentischer Wohnungsnot erwartet - dann fehlen über 4300 Zimmer. Deswegen forciert die Stadt die Suche nach Studentenwohnungen.

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