Abi mit Verspätung: Der Zweite Bildungsweg

Von: Sascha Rettig, dpa
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Abi mit Verspätung: Der Zweite Bildungsweg
Zurück auf die Schulbank: Der Zweite Bildungsweg lohnt sich vor allem für Menschen, die ein klares Bildungsziel anstreben. Foto: dpa

Berlin/Aachen. Mal waren schlechte Noten schuld daran. Mal Faulheit. Oder mangelnde Reife. Die Gründe für einen verpassten Schulabschluss sind vielfältig. Doch egal, woran es lag - später ist der Ärger über verbaute Berufschancen häufig groß.

Zum Glück lässt sich in Deutschland auch im Erwachsenenalter noch jeder Schulabschluss nachholen - über den Zweiten Bildungsweg.

Maßgeblich für den Zweiten Bildungsweg sind zwei Schularten. „An den Kollegs findet der Unterricht tagsüber und bei den Abendgymnasien abends statt”, erklärt Tobias Funk von der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin. Die Fächer und der Stoff, die gelehrt werden, orientieren sich an den Prüfungsordnungen und Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes. Außerdem gibt es die Möglichkeiten, den Abschluss ortsunabhängig über ein Fernlerninstitut oder ohne Unterricht in einer sogenannten Nichtschülerprüfung nachzuholen.

Wie lange eine Schule besucht werden muss, hängt von den Vorkenntnissen ab. „Ist der Realschulabschluss vorhanden, beträgt die Lehrgangsdauer am Abendgymnasium um die drei Jahre”, sagt Bruno Steinberg, Leiter des Abendgymnasiums Aachen. In der Regel werde wöchentlich 20 Stunden an vier bis fünf Abenden gelernt, erläutert das Vorstandsmitglied im Bundesring der Abendgymnasien. Beim Kolleg müssten ebenfalls drei Jahre eingeplant werden - allerdings mit rund 30 Wochenstunden. Wer nur einen Hauptschulabschluss hat, muss bis zum Abitur meist ein Jahr mehr einrechnen.

Die Voraussetzungen für einen Besuch der Abendschule oder des Kollegs sind überschaubar. Bewerber müssen in der Regel mindestens 19 Jahre alt, berufstätig oder arbeitssuchend gemeldet sein. „Außerdem muss man entweder eine abgeschlossene Ausbildung oder eine zwei- oder dreijährige Berufstätigkeit nachweisen”, ergänzt Steinberg. Dabei könnten Phasen der Arbeitslosigkeit angerechnet werden.

Auch wenn es eine gute Investition in die eigene Zukunft ist, den Abschluss nachzuholen, dürfen Bewerber sich nicht überstürzt für diesen Schritt entscheiden. Sie sollten sich daher vorab fragen: Wie finanziere ich das? Bin ich diszipliniert genug, um meinen Alltag neu zu organisieren? Und kann ich das Lernen wieder lernen? Dabei kommt es darauf an, sich realistisch einzuschätzen. Denn wer sich überschätzt, scheitert schnell. Und ist dann natürlich enttäuscht. „Deshalb sollte man sich im Klaren sein, was man sich zutrauen kann und wo die persönlichen Leistungsgrenzen liegen”, sagt Funk.

Auch die Finanzierung muss gut kalkuliert sein. Schüler auf dem Zweiten Bildungsweg können elternunabhängiges Bafög beantragen. Haben sie darauf keinen Anspruch oder reicht diese Förderung allein nicht aus, gibt es noch den Bildungskredit. Er wird Schülern gewährt, die volljährig sind und bereits einen Berufsabschluss haben. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit zu Stipendien. „Die werden an Schüler des Zweiten Bildungsweges jedoch eher selten vergeben”, sagt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit aus Nürnberg.

Für den Unterricht muss man meist nichts zahlen. „In der Regel handelt es sich um öffentliche Schulen, die nichts kosten”, erklärt KMK-Experte Tobias Funk. Ausnahmen seien denkbar, wenn eine Volkshochschule oder ein privates Institut die Kurse anbietet. Auch wer von zu Hause aus das Abi bei einem privaten Fernlerninstitut machen will, muss für die Materialien und die Betreuung durch die Dozenten zahlen.

Da der Zweite Bildungsweg eine regelmäßige Alltagsbelastung über mehrere Jahre mit sich bringt, sollte jeder Schüler genau wissen, wofür der ganze Aufwand gut ist. „Wenn eine Krankenschwester das Abitur machen möchte, um Medizin zu studieren, weiß sie genau, wo sie hin will”, gibt Funk ein Beispiel. Unabhängig vom angestrebten Schulabschluss gelte: „Es ist wichtig, ein klares Ziel zu haben.”

Zweiter Bildungsweg jenseits der Schulbank

Auf dem Zweiten Bildungsweg ist es nicht unbedingt ein Muss, die Schulbank zu drücken. In fast allen Bundesländern lassen sich Abschlüsse auch erwerben, indem man ohne Schulbesuch eine Prüfung ablegt. „Darauf muss man sich dann in Eigenregie zu Hause vorbereiten”, erklärt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit. Zur Unterstützung böten sich Vorbereitungskurse an Abend- oder Volkshochschulen an, die allerdings meist kostenpflichtig seien. Die „Schulfremden- oder Nichtschülerprüfung” besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Sie wird einmal jährlich von den Schulbehörden an staatlichen Einrichtungen wie Gymnasien angeboten und ist gebührenpflichtig.
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