Ohne Alkohol, aber immer mit einer Fahne

Von Isabelle Hennes | 31.08.2011, 07:02

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Selfkant-Süsterseel. Ein Fußballspiel dauert bekanntlich 90 Minuten. Und meistens noch ein bisschen länger. Zeit genug, sich in Szene zu setzen. Nicht nur für die Akteure auf dem Platz. Auch Frank Scheuvens hofft auf den einen entscheidenden Moment, in dem die Fernsehkameras auf seine Fahne schwenken.
Scheuvens ist 24 Jahre alt und Kaufmann für Dialogmarketing. Seit zehn Jahren ist er mit einer großen Süsterseel-Fahne unterwegs, hängt sie regelmäßig hinter dem Tor auf, dort, wo sie eine der vielen Kameras ins Bild bringt. Auch am Freitag ist Scheuvens natürlich wieder im Stadion: EM-Qualifikation Deutschland gegen Österreich in Gelsenkirchen. Und irgendwann im Laufe der Übertragung (ZDF, live ab 20 Uhr) wird die Fahne für einen kurzen Moment zu sehen sein.

Ausgangspunkt für seine Reisen in die Fußballwelt ist die Gemeinde Selfkant. Selfkant ist der westlichste Zipfel der Bundesrepublik, hat rund 10.300 Einwohner und liegt direkt an der niederländischen Grenze. Süsterseel ist ein Ortsteil der Gemeinde. Es gibt einen Kindergarten, eine Grundschule, zwei Supermärkte und einen Sportplatz.

Scheuvens ist bei allen Heim- und Auswärtsspielen von Borussia Mönchengladbach und der Männer-Nationalmannschaft unterwegs. Ein ungewöhnliches Hobby? Für Scheuvens nicht. Fußball hat schon immer eine große Rolle in seinem Leben gespielt. Mit sechs Jahren ist er in die F-Jugend beim FC Wanderlust Süsterseel gekommen, heute spielt er dort, nach einem Kreuzbandriss 2009, zweite oder dritte Reservemannschaft. In den 90er Jahren ging es zusammen mit seinem Vater nach Mönchengladbach, damals noch ins Stadion am Bökelberg. Die Atmosphäre von Live-Spielen zieht ihn bis heute in den Bann. «Als Kind war es immer schon etwas Besonderes, mit ins Stadion zu fahren», erinnert sich Scheuvens.

Irgendwann wollte er dann aber alleine zum Spiel, sein eigenes Ding machen. Mit 13 Jahren ist er - ohne das Wissen seiner Eltern - mit dem Mönchengladbacher Sonderzug nach Cottbus zum Auswärtsspiel gefahren. Als das später rauskam, waren seine Eltern wenig begeistert. «Mein Vater ist aber selber zu sehr Fan, darum verbietet er mir das nicht. Meine Mutter macht sich aber schon Sorgen», sagt Scheuvens. Mittlerweile haben sich die Eltern an sein Hobby gewöhnt. Wenn sie die Fahne im Fernsehen hängen sehen, wissen sie, dass er gut angekommen und alles in Ordnung ist.

Angefangen hat alles mit seinem Freund Henning Gilleßen. Auch er ist regelmäßig mit seiner Selfkant-Fahne im In- und Ausland unterwegs. Er war es, der Scheuvens auf die Idee gebracht hat. «Ich muss schon sagen, dass es anfangs eine Art Nachahmung von mir war», gibt Scheuvens zu. Gilleßen, 35 Jahre alt, ist ähnlich wie Scheuvens über sein Umfeld zur Borussia gekommen. 1986 ist in Höngen ein Fanclub gegründet worden. Zu Beginn nannte man sich «Bauernstube», Anfang der 90er entschieden sich die Mitglieder für den neuen Namen «Selfkant». Die Selfkant-Fahne repräsentiert den Fanclub, Gilleßen ist mit ihr unterwegs. Gilleßen kann sich noch genau daran erinnern, was seine Fahne gekostet hat. «Das waren damals genau 400,17 DM.»

«Ich weiß noch genau, wann ich die Fahne zum ersten Mal aufgehängt habe. Das war beim Testspiel PSV Eindhoven gegen Mönchengladbach», erinnert sich Scheuvens. In Deutschland hatte sie ihre Premiere beim Pokalschlager Mönchengladbach gegen Dortmund. Gilleßen ist 1988 - bei der Europameisterschaft im eigenen Land - zum ersten Mal bei einem Länderspiel dabei gewesen. Durch sein Alter hat er Scheuvens einiges an Stadionbesuchen voraus. Für beide gelte aber nach wie vor dasselbe Ziel: so weit wie möglich zu fahren und so viele Stadien wie möglich zu sehen, um möglichst viele Länderpunkte zu sammeln.
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