Wissens-Communitys im Internet: Auf fast jede Frage eine Antwort

Von: Juliane Mroz, dpa
Letzte Aktualisierung:
Wissens-Communitys
Nachschlagewerke 2.0: In Wissens-Communitys können sich Internetnutzer Fragen zu fast allen erdenklichen Themen beantworten lassen - oder selbst Antworten verfassen. Foto: dpa

Hamburg. Können Neptun und Pluto kollidieren? Wie kriege ich das krumme Bild auf meinem Computermonitor wieder gerade? Und warum ist das Lächeln der Mona Lisa überhaupt so geheimnisvoll? Solche oder ähnliche Fragen stellen sich die meisten Menschen hin und wieder - und nicht immer ist jemand da, der sie beantworten kann.

Doch es gibt Internetforen, in denen Fragen aller Art gestellt und meistens auch - mehr oder weniger kompetent - beantwortet werden.

Zum Beispiel http://www.werweisswas.de: Mehr als 700 000 Teilnehmer haben sich bei dem Onlinedienst aus Hamburg angemeldet und bereiterklärt, Fragen anderer Nutzer zu beantworten. Die „Fachleute” teilen sich je nach Selbsteinschätzung in Interessierte, Anfänger, Fortgeschrittene und Experten ein und beantworten Fragen aus den Bereichen Computer, Wissenschaft, Technologie, Beruf, Finanzen, Behörden, Recht, Kultur, Gesellschaft, Politik und Freizeit.

Viele Fragen werden bei werweisswas öffentlich im Forum gestellt. So können alle, die sich dafür interessieren, mitdiskutieren. Es ist sinnvoll, vorher mit Hilfe der Suchfunktion die schon vorhandenen insgesamt rund 3.900.000 Forenbeiträge zu durchforsten: Vielleicht hat ja schon jemand die gleiche Frage gestellt und brauchbare Antworten bekommen.

Wer nicht im Forum fragen will, kann über die Expertensuche gehen, andere Nutzer per E-Mail kontaktieren und dann auf Antwort hoffen. Soll es etwa ein Rat zum Thema „Grafikkarte” sein, kann sich der Fragende an "Mr. Unwichtig" - einen „Hardware- und Spielefreak” wenden - oder auch an „kai”, den „leidenschaftlichen Windows-XP-Umprogrammierer” - oder an beide und gleichzeitig an bis zu acht weitere Fachleute. Denn bei werweisswas lassen sich bis zu zehn Experten auf einmal per E-Mail kontaktieren.

Wer seit mindestens zwei Monaten bei der Community angemeldet ist, kann Forenbeiträge mit Sternchen bewerten. Diese sind ein positives Feedback an die Schreiber guter Antworten - und ein Signal an andere Nutzer: Dieser Beitrag ist hilfreich und lesenswert.

Dass Nutzer von Wissens-Communitys einander gegenseitig bewerten, sei üblich und auch aus wissenschaftlicher Sicht praktikabel, sagt die Psychologin und Web-2.0-Expertin Gisela Granitzer vom Kompetenzzentrum für Wissensmanagement Know in Graz in Österreich. „Damit gegenseitige Bewertungen aber auch aussagekräftig sind, muss klar sein, was bewertet werden soll, also zum Beispiel die inhaltliche Qualität, die Verständlichkeit, der Umfang.”

Bewertungssysteme, bei denen die Nutzer beispielsweise Sternchen vergeben, seien oft undurchsichtig. Aufwendiger, aber auch zuverlässiger, sei es, die Beiträge von Experten bewerten zu lassen. „Geht es in der Community aber um den Austausch von Erfahrungen oder Freizeitthemen, sind die normalen Nutzerinnen und Nutzer selbst Experten genug”, sagt Gisela Granitzer.

Oft lohnt sich auch ein Blick ins Profil eines Nutzers. Wer sich seriös präsentiert, verleiht dadurch auch den eigenen Forenbeiträgen eine gewisse Glaubwürdigkeit. „Nutzerprofile sind natürlich nur so gut, wie sie wahrheitsgemäß ausgefüllt werden”, gibt Granitzer aber zu bedenken.

Manchmal enthalten die Profile noch mehr Informationen: Wie viele Beiträge hat ein Nutzer geschrieben, wie viele davon wurden gut bewertet? Wer diese Infos hinzuzieht, kann besser einschätzen, wie brauchbar die Beiträge eines anderen Mitglieds sind.

Auch die Ratgeber-Community http://www.gutefrage.net arbeitet mit einem Bewertungssystem. Dort können die Nutzer Fragen, die ihnen gefallen, mit einem Punkt auszeichnen. Auf der Startseite wird man mit allem konfrontiert, was die Gemüter anderer Nutzer in diesem Moment bewegt - von „Hilfe, ich wurde mit Handy in der Hand geblitzt!” bis „Was passiert in einer Thermoskanne?”.

Wer aber in der Menüleiste auf „Neue Fragen”, „Gute Fragen”, „Neue Antworten” oder „Offene Fragen” klickt, kann die Einträge nach Status und Datum sortieren. Als kleines Extra gibt es eine Kategorie, in der Nutzer einander ungefragt Tipps geben. Dort erklärt jemand, woran man einen Schlaganfall erkennt, ein anderer warnt vor Abzocke im Netz. User „Bummelmann” schwärmt von „Microfasertüchern, die Freude machen” und wünscht „viel Freude beim Frühjahrsputz”.

Nutzer auf der Suche nach wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen werden bei gutefrage.net vermutlich nicht allzu glücklich. Denn bei dem von München aus betriebenen Angebot stehen „praktische Ratschläge und persönliche Erfahrungen” der Mitglieder im Vordergrund. Ähnliches dürfte für Yahoos Frage-und-Antwort-Seite Yahoo Clever (http://de.answers.yahoo.com) gelten - oder für den Service Lycos IQ, der zuletzt noch in der Testphase war (http://iq.lycos.de).

Etwas anspruchsvoller gehen die Betreiber der Expertenseite (http://www.expertenseite.de) mit ihren Informationslieferanten um: Dort wird zwischen normalen Nutzern und Experten unterschieden. Nur wer ein aussagekräftiges Profil hat, wird von den Administratoren zum Experten benannt und darf Fragen beantworten.

Doch um ganz genau zu erfahren, wie schwarze Löcher entstehen oder welche Risiken Gentechnik birgt, lohnt auch ein Blick auf die Seiten des Vereins Informationsdienst Wissenschaft (idw) unter http://www.idw-online.de. Dort können Nutzer zwar keine Fragen stellen, aber die Suchfunktion liefert fundierten Lesestoff zu vielen Themen.
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