München - Wenn nur dieser Name nicht wäre: „Total War”-Spiele

Wenn nur dieser Name nicht wäre: „Total War”-Spiele

Von: Heiko Haupt, dpa
Letzte Aktualisierung:
„Empire: Total War”
Kampf Mann gegen Mann - „Empire: Total War” soll am 6. März in die Läden kommen. Foto: dpa

München. Genial und absolut bescheuert - das sind zwei Begriffe die häufig fallen, wenn es um die Reihe der „Total War”-Spiele von Creative Assembly geht.

Genial bezieht sich vor allem auf das Spielprinzip, das ausgefeilte Taktiken ebenso wie intensives Nachdenken erfordert. Als absolut bescheuert wird dagegen nicht selten die Namensgebung eingestuft - denn eines der anerkannt weltweit besten Strategiespiele ausgerechnet mit „Total War” zu betiteln, dazu gehört schon eine gewisse Ignoranz oder Unwissenheit.

Speziell in Deutschland weckt der „Total War”, also der Totale Krieg, seit dem „Dritten Reich” ausgemacht schlechte Erinnerungen. Was die Entwickler nicht daran hindert, nun mit „Empire: Total War” auch der neuesten Entwicklung genau diesen Namenszusatz als Erfolgshindernis mit auf den Weg zu geben.

In Deutschland gilt „Total War” trotz enthusiastischer Kritiker-Bewertungen und durchaus annehmbaren Verkaufszahlen immer noch als ein Geheimtipp, der es längst nicht mit dem Bekanntheitsgrad von Strategiespielen wie „Age of Empires” aufnehmen kann. Begonnen hat alles im Jahr 2000 mit dem Erstling „Shogun: Total War”, dessen Handlung sich auf die Inseln Japans beschränkte.

Nachdem hier schon das Szenario das Interesse in recht engen Grenzen hielt, setzte man 2002 mit „Medieval: Total War” nach, das im mittelalterlichen Europa und Nordafrika spielte. 2004 folgte „Rome: Total War” und 2006 dann die Neuauflage „Medieval 2: Total War”.

Was die Spiele aber abseits von Zeitaltern und Szenarien ausmachte, war das einzigartige und grundlegende Prinzip. Normalerweise unterscheidet man bei Strategiespielen zwischen Runden- und Echtzeitstrategie - „Total war”-Titel aber kombinieren beides.

Die meiste Zeit verbringen Spieler mit dem Blick auf die sogenannte Übersichts- oder Strategiekarte: Dort werden die eigenen Ländereien und Städte übersichtlich gezeigt, voran geht es hier in besagtem Rundenmodus. Es stehen also diverse Spielzüge frei. Wie viel Zeit der Spieler sich dafür nimmt, ist ihm überlassen. Denn je nach Größe des eigenen Spielreiches, gilt es, unzählige Entscheidungen zu treffen. In den Städten müssen neue Gebäude gebaut werden, die Truppen benötigen Nachschub, Spione warten ebenso wie Diplomaten auf ihre Befehle.

Der Titel des Spiels lässt es vermuten - es geht auch kriegerisch zu: Andere Staaten - oder auch der Spieler selbst - wollen ihr Territorium vergrößern und ziehen in den Krieg. Treffen dann die Truppen aufeinander, wechselt das Spiel in den Echtzeitmodus. Nun gilt es, Tausende von Einheiten auf dem Bildschirm in Formationen zu bringen, die Eigenschaften des Geländes zu nutzen und schließlich den vom Computer gesteuerten Feind zu überwältigen.

Verändert haben sich über die Jahre vor allem Details. Das bezieht sich auf die immer weiter verfeinerte Grafik, aber auch auf zusätzliche Optionen im Rundenmodus sowie auf die jeweiligen Zeitalter der Handlung.

Am 6. März wollen die Entwickler von Creative Assembly und der Publisher Sega in München nun die nächste Runde einläuten: An diesem Tag soll „Empire: Total War” erscheinen. Mit diesem Titel rückt das Geschehen weiter in Richtung Moderne, im Mittelpunkt steht das sogenannte Kolonialzeitalter. Neben Europa geht es vor allem in Amerika zur Sache, die bespielbare Welt soll aber bis nach Indien reichen.

Zu den Neuerungen zählt neben der veränderten Welt und anderen Einheiten unter anderem die Tatsache, dass Technologien erforscht werden müssen, um neue Möglichkeiten einsetzen zu können. Erstmals sind zudem Schiffe nicht nur als winzige Symbole auf der Strategiekarte unterwegs, sie stehen auf den Meeren nun auch für Seeschalten in Echtzeit zur Verfügung.

Im Endeffekt dreht sich in „Total War” tatsächlich vieles um Kriege - das gilt allerdings auch für unzählige andere Titel, die diese Tatsache jedoch lieber hinter etwas fantasiereicheren Titeln verstecken. Doch was „Total War” auszeichnete und wohl auch in „Empire” auszeichnen wird, das ist eine Spieltiefe, die weit über solche Metzeleien hinausgeht.

Während manche bekannten und beliebten Spiele sich schon nach wenigen Stunden dem Ende zuneigen, verbringen nicht wenige Spieler mit einem „Total War” im Laufe der Monate oder Jahre gleich Hunderte von Spielstunden. Und es dürften längst wesentlich mehr Anhänger sein, wenn nur dieser denkbar bescheuerte Titel nicht wäre.
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