Wenn die Website zum Schweizer Käse wird: Das iPad im Praxistest

Von: Christoph Dernbach, dpa
Letzte Aktualisierung:
ipad_praxistest
Das iPad ist als mobile Internet-Maschine entworfen worden. Der eingebaute Safari-Browser ruft beeindruckend schnell auch komplexe Websites auf. Foto: dpa

Hamburg/Cupertino. Bill Gates hatte dem Tablet Computer schon vor etlichen Jahren eine große Zukunft vorhergesagt: „Das ist ein PC, der praktisch keine Grenzen kennt. In fünf Jahren wird er die erfolgreichste PC-Art sein, die in Amerika verkauft wird”, sagte der Microsoft-Begründer auf der Computermesse Comdex im November 2001 - und irrte damit gewaltig.

Während die Tablet-Computer der Microsoft-Partner seitdem eher Nischenprodukte sind, scheint nun Bill Gates Erzrivalen, dem Apple- Chef Steve Jobs, mit dem neuen Tafel-Computer iPad der Durchbruch gelungen zu sein. „Es ist großartig, dass wir das iPad gelauncht haben - es wird die Spielregeln entscheidend ändern”, so Jobs, nachdem am ersten Verkaufstag bereits 300.000 Geräte unters Volk gebracht wurden.

Bislang ist das iPad nur in den USA zu haben. Ende April oder Anfang Mai soll es auch in Deutschland erhältlich sein. Dann werden nicht nur drei WLAN-Versionen zu haben sein, die sich in der Größe des Speicherplatzes unterscheiden (16, 32 und 64 Gigabyte Flash- Speicher),sondern auch drei Modelle mit UMTS. Beim Test des iPads fällt zuerst das Gewicht auf. Das Gerät wiegt 680 Gramm und liegt damit schwerer in der Hand als erwartet. Daher sollte man mit dem iPad am besten eine bequeme Sitzposition einnehmen oder den Tafel- Computer in eine Docking-Station stecken, die Apple als Zubehör anbietet.

Der Bildschirm des iPads hinterlässt einen brillanten Eindruck: Videos und Fotos erscheinen auf dem Screen knackig scharf. Im Vergleich zu einem Smartphone wie dem Nexus One oder dem iPhone wirkt das Display mit einer Bildschirmdiagonalen von 25 Zentimeter (9,7 Zoll) gigantisch.

„Das iPad ist kein großer iPod touch - der iPod touch ist ein Miniatur-iPad, der das volle Multitouch-Erlebnis einschränkt, um dafür portabler zu sein”, schildert Jacqui Cheng von der renommierten Technik-Website „Ars Technica” seinen ersten Eindruck. Von dem vollen Multitouch-Erlebnis profitieren nicht nur Foto- und Video- Anwendungen. Filmfreunde werden jedoch bedauern, dass Apple sich nicht für ein Breitbildformat (16:9), sondern für ein herkömmliches 4:3-Bildseitenverhältnis entschieden hat. Bei der Videowiedergabe von Filmen und HDTV-Sendungen erscheinen daher oben und unten schwarze Streifen.

Die auf Elektronikprodukte spezialisierten Marktforscher von iSuppli haben ein iPad auseinandergenommen und ausgerechnet, dass der berührungssensitive Bildschirm mit 99 Dollar Beschaffungskosten über ein Drittel der gesamten Materialkosten von 250 Dollar ausmacht. Dass Apple hier nicht gespart hat, ist dem Display anzumerken. Es reagiert schnell und präzise auf die Fingereingaben. Und auch die virtuelle Bildschirmtastatur ist brauchbar.

Zu den Pluspunkten des iPads gehört der Akku - er hält im Dauerbetrieb mehr als zehn Stunden durch. Da kommt kein Laptop mit. Kritiker bemängeln, dass beim iPad - wie auch beim iPod und beim iPhone - die Batterie vom Anwender nicht einfach ausgetauscht werden kann. Doch das Innere des iPads besteht vor allem aus dem Akku, der jeden freien Millimeter des Gehäuses ausfüllt und deshalb nur von Fachleuten ausgetauscht werden kann.

Das iPad ist als mobile Internet-Maschine entworfen worden. Der eingebaute Safari-Browser ruft beeindruckend schnell auch komplexe Websites auf. Beim wichtigen Webstandard-Test Acid3 erzielt das iPad volle 100 Punkte. Allerdings weigert Apple sich beharrlich, die Flash-Technologie von Adobe zu unterstützen, die im Web häufig für die Videowiedergabe, interaktive Grafiken oder Online-Spiele verwendet wird.

Wichtige Video-Portale wie YouTube bieten inzwischen alternativ zu Flash auch Seiten in HTML5 an, die vom iPad vernünftig dargestellt werden. Andere Webseiten können dagegen im Extremfall löchrig aussehen wie ein Schweizer Käse. Apple begründet den Verzicht auf Flash mit Sicherheitslücken, die in der Adobe-Technologie steckten.

In den USA können die iPad-Anwender im iTunes-App-Store die Anwendung iBooks herunterladen und damit ihr iPad in einen E-Book- Reader verwandeln. Für Deutschland fehlen Apple allerdings noch die notwendigen Vereinbarungen mit den Buchverlagen, so dass mit einem deutschen iTunes-Konto die iBooks-App noch nicht heruntergeladen weren kann.

Apple möchte das iPad aber nicht nur als mobile Unterhaltungsmaschine positionieren: Im iTunes-App-Store stehen auch spezielle Versionen der Office-Suite iWorks bereit, mit der man auf dem Tafel-Computer zum Beispiel Präsentationen gestalten oder Texte verfassen kann. „Das iPad ist aber kein Laptop-Ersatz”, schreibt Joshua Topolsky, Chef des Technikblogs Engadget. „Noch nicht.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert