Aachen - Ultrabooks fordern das iPad heraus

Ultrabooks fordern das iPad heraus

Von: Klaus Hauptfleisch
Letzte Aktualisierung:
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Die schicken Ultrabooks sollen dem iPad Paroli bieten. Doch was leisten die Topmodelle der Anbieter wirklich? Und sind sie ihren Preis wert?

Aachen. Die schicken Ultrabooks sollen dem iPad Paroli bieten. Doch was leisten die Topmodelle der Anbieter wirklich? Und sind sie ihren Preis wert?

Intel war es leid zu sehen, wie Apple mit dem MacBook und dem extrem populären iPad beziehungsweise iPad 2 immer mehr am Netbook- und Notebook-Markt knabbert.

Auf Asiens größter IT-Messe Computex 2011 in Taipei stellte der Chipgigant zusammen mit Herstellern aus Taiwan das Konzept der Ultrabooks vor und machte dabei auch gleich konkrete Vorgaben (mehr dazu am Ende dieses Artikels). Das ehrgeiziges Ziel: 2012 sollen die Geräte schon 40 Prozent des Notebook-Marktes ausmachen.

Wie der Name anklingen lässt, sollen die Geräte ultraschlank sein, zudem hohe Akku-Laufzeiten von bis zu acht Stunden und mehr mitbringen und wie Smartphones und Tablets immer bereit sein, das heißt in Sekundenschnelle aus dem Standby- oder Schlafmodus wachgeküsst werden können („green instant-on”).

Auf den folgenden Seiten nehmen wir die Topmodelle von Asus, Acer, Toshiba und Lenovo unter die Lupe. Unsere Bilderstrecke gibt Ihnen einen schnellen Überblick.

Asustek Computer alias Asus hat sich immer schon als Vorreiter verstanden. Wie bei den Netbooks mit seinem Eee PC ist Asus auch diesmal wieder der erste Markenanbieter gewesen, der zusammen mit Intel auf der Computex ein Ultrabook vorgestellt hat. Das Unternehmen beeilte sich auch, mit dem Zenbook am 11. Oktober als Erster am Start zu sein.

Eigentlich handelt es sich beim Zenbook um fünf Modelle, zwei mit 11,6-Zoll-, drei mit 13,3-Zoll-Display. Mehr Bildfläche bieten auch die bisherigen Konkurrenzprodukte nicht. Die offiziellen Preise reichen von 999 Euro für das Zenbook UX21-KX004V mit 11,6-Zoll-Display, Core-i5-Prozessor und 128 GB SSD bis zu 1.299 Euro für das Zenbook UX31-RY010V mit 13,3-Zoll-Display, Core-i7-Prozessor und 256 GB fassender SSD.

Die kleineren Geräte wiegen nur 1,1 kg und haben eine Bauhöhe von rund 17 mm im zugeklappten Zustand, die größeren bringen 1,3 kg auf die Waage und messen zirka 18 mm in der Höhe. Wie Senior Designer Loewy Chen erklärt, hat man sich aber nicht nur wegen des schicken Aussehens für teures Aluminium als Gehäusematerial entschieden, sondern auch wegen der besseren Wärmeleitung und der guten Sound-Eigenschaften.

Durch die patentierte „Super Hybrid Engine II”-Technologie will Asus die Akku-Laufzeit gegenüber anderen Ultrabooks um bis zu 25 Prozent gesteigert haben. Je nach Größe ist ein 6-Zellen-Akku mit 4.800 mAh oder ein 4-Zellen-Akku mit 6.840 mAh verbaut, jeweils aber nur vom Typ Li-Ion und nicht Li-Polymer, wie Intel empfiehlt.

Ein V-förmiger Kanal mit Kupferlamellen soll für die optimale Luftabführung und Kühlung sorgen, was bei Metallgehäusen besonders wichtig ist, da Verbraucherumfragen gezeigt haben, dass bei ihnen schon eine Wärmeabgabe von 50 Grad als unangenehm empfunden wird gegenüber 60 Grad bei Kunststoffgehäusen.

Alle Zenbooks bringen Windows 7 Home Premium 64-Bit, 4 GB DDR3 RAM, Gigabit-Ethernet, WLAN gemäß IEEE 802.11b/g/n und eine stromsparende Bluetooth 4.0-Technik mit. Darüber hinaus bieten die Zenbooks neben USB 2.0 auch USB 3.0 mit Charger+-Technologie (Aufladen im ausgeschalteten Zustand), Mikro-HDMI und einen Card-Reader.

Fazit: Asus setzt beim Zenbook, das lässt der esoterisch klingende Name schon vermuten, vor allem auf Emotionen und Design. Was die Leistung angeht, ist das Gerät wie alle Ultrabooks im Verhältnis zu teuer.

Wohl dem, der einen Sekundenschlaf hat. In nur 2,5 Sekunden soll das Aspire S3, das erste Ultrabook von Acer, online sein, in weniger als 2,0 Sekunden aus dem Sleep-Modus erwachen und in 6,0 Sekunden aus dem „Deep Sleep”-Modus.

In dem kann es dann laut Acer bis zu 50 Tage verharren, ohne an die Schnur zu müssen. Das Gerät mit 13,3-Zoll-Display gibt es in vier Varianten. Dass das Einstiegsmodell mit Core-i5-Prozessor nur 799 Euro kostet, ist einem Trick zu verdanken, den die Intel-Vorgaben zulassen. Denn statt mit reiner SSD ist der Einsteiger mit einer 320 GB fassenden Festplatte (HDD) mit integriertem 20-GB-SSD-Flash-Speicher ausgestattet.

Gleiches gilt auch für das 200 Euro teurere Modell mit Core-i7-Prozessor und 500-GB-Festplatte. 1.199 Euro und 1.399 Euro kosten die Geräte mit 240 GB fassender SSD; der Unterschied liegt lediglich im Prozessor (Core i5-2467M und i7-2637M). An Arbeitsspeicher haben die Ultrabooks wie die der anderen Hersteller von Haus aus 4 GB DDR3 mit 1.333 MHz.

Ein 3-Zellen-Lithium-Polymer-Akku soll für bis zu sieben Stunden Dauerbetrieb sorgen und nach 1.000 Ladezyklen immer noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität haben. Das Aspire S3 misst 17,5 x 323 x 219 mm und wiegt etwa 1,35 kg (mit SSD 1,33 kg). Alle vier Modelle kommen serienmäßig mit Dolby Home Theater v4 für den guten Klang, zwei USB-2.0-Ports, HDMI-Anschluss, einem integrierten 2-in-1-Card-Reader (SD und MMC), WLAN b/g/n, Bluetooth 4.0+HSR und einer 1,3-Megapixel-Webcam. Zum ansprechenden Design gesellt sich ein Gehäuse aus edler Aluminium-Magnesium-Legierung.

Wie die meisten Ultrabooks ist das Aspire S3 mit einem LED-beleuchteten Glare-Display (glänzend) ausgestattet, für den Business-Einsatz wäre allerdings eines vom Typ Non-Glare wünschenswert.

Was das Wärme- und Lüftungsmanagement angeht, hat sich Acer wie beim gleichfalls schlanken Timeline mit CULV-Prozessor etwas einfallen lassen: Die Luft wird über die Tastatur angesaugt, die Abluft nicht über die Geräteunterseite, sondern nach hinten abgegeben, was das Arbeiten auf dem Schoß nicht zu einem unangenehmen Erlebnis machen soll. Die Ultrabooks von Acer werden mit Windows 7 Home Premium und zwei Jahren Garantie (Pick up & Return) ausgeliefert.

Fazit: Puristen mögen die günstigere Hybrid-Festplatte beim Einstiegsmodell des Aspire S3 kritisieren, aber der integrierte SSD-Flash-Speicher sorgt für ähnliche Schnellstartzeiten wie mit einer viel teureren und weniger fassenden echten SSD.

Hat sich Toshiba mit Subnotebooks wie den Portégé-Modellen der R700-Serie bisher eher in der Oberliga und im Business-Umfeld bewegt, ist der japanische Hersteller nun neben Asus und Acer ganz vorn dabei mit Ultrabooks. Auch der Satellite Z830-10J spricht mehr den Consumer- denn den B2B-User an, das zeigt schon die Wahl des Familiennamens Satellite statt Portégé.

Löblich ist allerdings, dass der japanische Hersteller hier an ein entspiegeltes 13,3-Zoll-Display gedacht hat sowie an Diebstahlschutz, was doch wieder B2B-Qualitäten hat. Verlockend die angegebene Akku-Laufzeit von bis zu acht Stunden, selbst wenn auf Dauer nur die Hälfte davon bleibt (mehr dazu unter dem Abschnitt über Lenovo).

Mit einem Gewicht von 1,12 kg und einer Bauhöhe von 15,9 mm ist Toshibas Ultrabook zwar nicht das dünnste, aber auch dank 128-GB-SSD das leichteste der hier aufgeführten Modelle. Bestückt mit einem Intel Core i5-2567M, bringt es das Gerät mit Intels Turbo-Boost-Technologie 2.0 auf 2,3 GHz. Wer nur die Ausgangstaktrate ohne Turbo-Boost von 1,6 GHz liest, könnte sich am anvisierten Preis von 1.099 Euro doch etwas stören.

Interessant ist, wie jeder Hersteller eigene Wege geht, den Aluminium- oder Magnesiumgehäusen mehr Stabilität zu verleihen. So rutscht der Akku mehr vorne unter die Tastatur, während die Komponenten der besseren Wärmeabfuhr willens weiter nach hinten verlagert werden.

Beim Toshiba-Ultrabook soll eine spezielle Wabenstruktur verhindern, dass das leichte Metallgehäuse einen Knick bekommt. Die nachts im LED-Schein leuchtende Tastatur ist zudem spritzwassergeschützt, womit beim Verschütten des Kaffees immer noch ausreichend Zeit bleiben soll, die kostbaren Daten zu speichern und das Gerät herunterzufahren.

Trotz der schlanken Linie wartet das Ultrabook mit drei USB-Anschlüssen (inklusive 1 x USB 3.0), HDMI-Schnittstelle und VGA-Ausgang auf. Hinzu kommen WLAN b/g/n, Gigabit-Ethernet und eine 1,3-Megapixel-Kamera sowie Stereolautsprecher mit Dolby Advanced Audio.

Fazit: Von allen hier aufgeführten Ultrabooks kommt der Satellite Z830-10J mit dem entspiegelten Display und der spritzwassergeschützten Tastatur einem Business-Gerät schon am nächsten. Wie bei den Konkurrenzprodukten fehlen jedoch erweitere Security-Features wie TPM und Finger-Print-Reader.

Auch wenn der Name einen Tablet-PC vermuten lässt, handelt es sich bei dem im B2C- und B2B-Bereich positionierten Lenovo IdeaPad U300s um ein Ultrabook.

Mit 14,9 mm Bauhöhe ist es das schlankste im Rennen, mit 1,32 kg aber nicht das leichteste unter den Modellen mit 13,3-Zoll-Display. Wahlweise steht ein Core-i5- oder Core-i7-Prozessor zur Verfügung. Die CPUs mit Intel Turbo-Boost sollen Taktraten bis zu 2,1 oder 2,9 GHz erreichen. Sehr ansprechend ist das fast puristisch wirkende Design des Gerätes aus reinem Aluminium.

Eine „atmende” Tastatur soll für ein angenehmeres Arbeiten und eine bessere Kühlung sorgen. Angenehm kühl ist laut Lenovo auch die Handballenauflage. Die Akku-Laufzeit gibt der chinesische Hersteller mit bis zu acht Stunden oder 30 Tagen im Ruhemodus an, was wie bei allen hier aufgeführten Geräten schön wäre.

Allerdings haben die Erfahrungen mit CULV-Notebooks gezeigt, dass so ein langer Atem meist nicht gehalten werden kann - und wenn doch, dann nicht auf Dauer, obwohl die von Intel empfohlenen Li-Polymer-Akkus schon sehr viel mehr Lebenszyklen ohne Kapazitätsabfall zulassen. Dank Lenovo RapidDrive SSD und RapidCharge soll das U300s in nur zehn Sekunden hochgefahren sein und nach 30 Minuten Ladezeit 50 Prozent der Akku-Kapazität erreichen.

Ein externer DVD-Brenner (DB60) wird angeboten, ist aber nur optional verfügbar. HD-Grafikunterstützung und HDMI-Anschluss verstehen sich bei allen am Markt befindlichen Ultrabooks von selbst, ebenso WLAN n und 4 GB Arbeitsspeicher.

Fazit: Das minimalistische Design des U300s von Lenovo ist tatsächlich sehr ansprechend, ebenso das Gehäuse aus reinem Aluminium und die geringe Bauhöhe von unter 15 mm. Andere Qualitäten sind wie bei allen Ultrabooks mehr oder weniger austauschbar.

Die in Ultrabooks eingesetzten mobilen Core-i5- oder Core-i7-Prozessoren aus Intels „Sandy Bridge”-Stall haben zwar ULV-Eigenschaften mit einem Stromverbrauch von maximal 17 Watt mit geringeren Taktraten.

Wie aber beispielsweise die Computerwoche-Schwester PC Welt feststellt, meiden die Hersteller den Begriff Ultra Low Voltage, weil sie befürchten, dass sich so mancher Käufer noch an die enttäuschende Prozessorleistung der 2009 lancierten Consumer-Variante CULV erinnert. Ohne Turbo-Boost haben die aktuellen Ultrabook-Prozessoren tatsächlich nur eine den neueren Atom-Geschwistern ähnliche Taktrate von 1,8 GHz respektive 1,6 GHz, mit drehen sie auf maximal 2,9 und 2,3 GHz auf.

Im Unterschied zu teuren Subnotebooks und Luxus-Laptops wie dem MacBook Air oder dem 900X3A von Samsung sollen die Ultrabooks im Einstieg nicht mehr als 1.000 Dollar kosten, so eine weitere Intel-Vorgabe. Die ist allerdings schon aufgrund der CPU-Preise selbst kaum einzuhalten. Bis zu 300 Dollar und mehr hat Intel für sich anfangs allein abzwacken wollen, heute sind es 170 bis 200 Dollar das Stück - bei großer Abnahmemenge, versteht sich.

Mittlerweile hat Intel dem Ultrabook-Projekt einen 300-Millionen-Dollar-Marketingplan mit auf den Weg gegeben, aus dem 100 Dollar Zuschüsse pro Gerät fließen sollen. Angesichts der vom Industriebeobachter IHS iSuppli jüngst errechneten Gesamtkosten von 940 Dollar für ein Ultrabook mit 13,3-Zoll-Display sind für die Hersteller dennoch kaum Margen drin. Denn die geforderte Instant-on-Zeit ist nur mit Solid State Disk (SSD) zu erreichen.

Mit mageren 128 GB kostet diese die Hersteller en gros 140 bis 150 Dollar das Stück - Tendenz derzeit eher steigend als fallend angesichts der Festplattenknappheit in Folge der Flutkatastrophe in Thailand. Um an der SSD-Front zu sparen, setzen die Hersteller bei manchen Modellen auf Hybrid-Festplatten mit eingebautem Mini-SSD- Speicher.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern werden Dollarpreise meist eins zu eins in Euro abgebildet. 1.000 oder 800 Euro für ein Notebook mit vergleichsweise kleinem Bildschirm und Massenspeicher sind recht viel für die meisten Privatverbraucher, die sich an Preispunkte von rund 500 Euro gewöhnt haben - zumal bei den aktuellen Modellen von Acer, Asus, Lenovo und Toshiba derzeit nicht mal ein optisches Laufwerk drin ist.

Zielkundschaft sind in erster Linie Consumer. Aber selbst den meisten Business-Kunden dürften die Geräte zu teuer sein. Acer-Chairman J.T. Wang setzt auf neue Preispunkte wie 699 Dollar oder umgerechnet 530 Euro. Diesen hat Toshiba bei Best Buy in den USA übrigens schon getroffen, aber in unseren Breiten gelten eben andere Preise.

Wie IDC-Analystin Eszter Morvay in einem Interview äußerte, würde sie empfehlen, mit Ultrabooks auch die Business-Kunden zu adressieren. Allerdings fehle es dafür noch an den geforderten Security-Features. Grafik-Anwender und Multimediafans vermissen eine diskrete Grafikkarte. Der Akku ist zudem in der Regel fest verbaut, Ersatz-Akkus haben meist nur eine verminderte Garantiedauer von sechs bis zwölf Monaten.

Die etablierten B2B-Marken Hewlett-Packard (HP) und Dell haben zwar auch schon Ultrabooks angekündigt, halten sich aber mit Veröffentlichungen noch zurück. Der PC-Riese HP hat immerhin durchblicken lassen, dass er sein Debüt mit einem Business-Modell feiern wolle. Was das konkret heißt, wird sich zeigen, wenn sich auf der CES im Januar der Vorhang hebt.

Samsung hat nach einer großen Fanfare auf die Serie 9 auf der IFA auch lange nichts mehr von sich hören lassen, dann aber Ende November mit der Erklärung für Verwirrung gesorgt, die Produktion von Netbooks mit 10,1-Zoll-Display zugunsten von Ultrabooks im Frühjahr 2012 beenden zu wollen. Das wurde vielfach so verstanden, dass die Nummer 3 im Netbook-Weltmarkt das Feld künftig ganz Acer und Asus überlassen wolle.

Künftig sollen Ultrabooks auch mit den von Windows 8 unterstützten Touch- und Tablet-Funktionen angeboten werden. Laut ?Digitimes sieht sich Acer mit 200.000 bis 210.000 ausgelieferten Ultrabooks im November im Plan und ganz vorn in dem Segment, gefolgt von Vorreiter Asus mit 150.000 bis 170.000 Zenbooks bis zum Jahresende 2011.

© IDG / In Zusammenarbeit mit computerwoche.de
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