Tracking-Cookies: Die Schnüffler der Internet-Wirtschaft

Von: Christof Kerkmann, dpa
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Tracking-Cookies - die Schnüffler der Internet-Wirtschaft
Im Internet surft man heutzutage nie allein: Immer mehr Dienste schnüffeln den Nutzern hinterher, um ihre Interessen zum Beispiel für gezielte Werbung auszukundschaften. Foto: dpa

Berlin. Wer im Internet nach Diätrezepten sucht, darf sich nicht wundern, wenn er noch Tage später Werbung für Schlankheitsprodukte angezeigt bekommt. Und wer sich einmal über Mallorcas Landschaft informiert hat, wird womöglich auch dann mit Last-Minute-Reisen zur Ferieninsel gelockt, wenn er ein Nachrichtenportal besucht oder online shoppt.

Web-Unternehmen heften sich an die Fersen der Nutzer, um mehr über sie herauszufinden - und beispielsweise gezielt Werbung zu schalten. Wem das suspekt ist, der kann seine Spuren verwischen.

Für die Werbe-Industrie ist das Wissen um Hobbys, Einkommen oder Gesundheitsprobleme von Konsumenten Gold wert. Passgenaue Anzeigen versprechen gute Verkaufschancen und damit höhere Preise. Daher verfolgen viele Website-Betreiber und Suchmaschinen, Werbevermarkter und Datenhändler, was Nutzer online tun - man spricht von Tracking (englisch: Zuordnung, Verfolgung). Nicht immer geschieht das so offensichtlich wie bei den Anzeigen, die immer wieder auftauchen - die Branche nennt diese Technik übrigens Re-Targeting.

Die Überwachung sei deutlich tiefgreifender und aufdringlicher, als die Mehrzahl der Nutzer wisse, warnte das „Wall Street Journal” („WSJ”) im Juli nach einer Untersuchung der 50 beliebtesten US-Websites. „Eines der am schnellsten wachsenden Geschäftsfelder im Internet ist es, Nutzer auszuspionieren.”

Dabei mischen viele Anbieter mit. Relativ bekannt ist Analytics, ein Tracking-Dienst von Google: Wenn Website-Betreiber die Software einbinden, erhalten sie Statistiken zum Besuch ihres Portals. Im Gegenzug werden Daten an den Internet-Riesen durchgeschleust. Nutzer können den Dienst immerhin auf einer Google-Website ausschalten. Unbekannter, aber deutlich aggressiver sind Datenhändler, die laut „WSJ” detaillierte Profile anlegen und verkaufen.

Was Datenschützer besonders alarmiert, erklärt Markus Hansen vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) in Kiel: „Die meisten Menschen wissen nicht, dass Tracking-Dienste existieren. Dementsprechend gucken sie auch nicht, welche Datenspur sie hinter sich herziehen.”

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte daher vor kurzem, dass Internet-Unternehmen sich eine „aktive, informierte Einwilligung von den Anwendern” einholen müssen, bevor sie Daten erheben und verarbeiten. Die Wirtschaft lehnt eine solche Regelung ab - das würde werbefinanzierte Web-Angebote unmöglich machen, lautet das Gegenargument. Zudem sei zielgenaue Werbung auch für den Surfer nützlich.

Wenn Nutzer etwas gegen die Schnüffel-Technologie haben, helfen sie sich am besten selbst. Als Spione kommt eine spezielle Art von Cookies zum Einsatz. Diese Dateien sind an sich harmlos: Sie ermöglichen Website-Betreibern, Besucher wiederzuerkennen. „Online-Läden nutzen diese Funktion zum Beispiel, um sich den Einkaufskorb ihrer Kunden zu merken”, sagt Prof. Norbert Pohlmann von der Fachhochschule Gelsenkirchen. „Die Idee ist zunächst etwas Positives”, so der Sicherheitsexperte.

Doch immer mehr Unternehmen nutzen die Dateien mittlerweile, um Nutzern nachzuschnüffeln. „Diese Tracking-Cookies kommen üblicherweise nicht vom Webserver, den ich aufrufe, sondern von anderen Servern”, sagt Datenschützer Hansen.

Zum Selbstschutz können Nutzer dem Browser verbieten, Cookies von Drittanbietern anzunehmen - das sind jene Dateien, die das Surfverhalten über mehrere Websites verfolgen. Wie das mit Mozilla, Internet Explorer und Opera geht, beschreiben die Datenschützer aus Kiel auf ihrer Website. „Manchmal führt das Abschalten allerdings zu Problemen, ohne dass man gleich merkt, woran es liegt”, warnt Hansen.

Zumindest einen Grundschutz bietet auch der private Modus des Browsers, den Internet Explorer, Firefox und Co. unter verschiedenen Namen anbieten. Die Funktion löscht nach jeder Sitzung Cookies und den Verlauf der besuchten Seiten. „Wenn ich dann wieder eine Website besuche, bin ich für den Betreiber erst mal ein Fremder - zumindest bis ich mich irgendwo einlogge”, erklärt Norbert Pohlmann.

Besonders hartnäckigen Schnüffel-Dateien rückt diese Funktion jedoch nicht zuleibe. Sogenannte Flash-Cookies etwa verwaltet nicht der Browser, sondern die verbreitete Multimedia-Software von Adobe, und zwar in einem eigenen Ordner auf der Festplatte. Hier hilft die Firefox-Erweiterung Better Privacy, die die Dateien auf Wunsch nach jeder Sitzung löscht.

Das englischsprachige Add-On Ghostery - verfügbar für alle großen Browser außer Opera - zielt auf Tracking-Dienste wie Google Analytics ab. Nutzer haben die Möglichkeit, sie einzeln zuzulassen oder zu stoppen. Ähnliches gilt für den Werbeblocker Adblock Plus. Erfahrene Anwender können mit No Script Skripte aller Art blockieren, darunter auch Tracking-Dienste.

Horrorszenario Evercookie

Für Datenschützer ist es eine Horrorvision: Der Informatiker Samy Kamkar hat einen Cookie programmiert, der praktisch nicht zu löschen sein soll, der Name lautet passenderweise „Evercookie”. „Das ist ein technischer Baukasten, der alle Möglichkeiten ausnutzt, um den Nutzer wiederzuerkennen”, sagt Markus Hansen vom Landesdatenschutzzentrum Schleswig-Holstein. Bisher handele es sich nur um ein Konzept - „aber das wird eines Tages garantiert zum Einsatz kommen.”
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