Hamburg - Surfbrett und Daddelmaschine: Apples iPad kommt nach Deutschland

Surfbrett und Daddelmaschine: Apples iPad kommt nach Deutschland

Von: Christoph Dernbach, dpa
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Retter der US-Medienwelt? iPad weckt große Hoffnungen
Ein Mitarbeiter eines Apple Stores zeigt das iPad. Foto: dpa

Hamburg. Laut Steve Jobs wird der neue Tablet-Computer iPad die digitale Welt auf den Kopf stellen. „Das iPad ist etwas vollkommen Neues, magisch und revolutionär”, sagt der Apple-Chef. In den USA setzte der Hersteller innerhalb von 28 Tagen 1 Million Geräte ab.

Wegen der großen Nachfrage in Nordamerika wurde der Marktstart in Europa zweimal verschoben. Doch am kommenden Freitag, 28. Mai, startet der Verkauf auch in Deutschland.

Während in den USA zunächst nur die iPad-Versionen mit einem WLAN-Funkmodul angeboten wurden, können die Kunden nun zwischen dem WLAN-iPad und Geräten mit einem zusätzlichen UMTS-Modem wählen. Das günstigste iPad mit 16 Gigabyte Speicher kostet 499 Euro, die Mobilfunk-Version 100 Euro mehr. Für 100 Euro verdoppelt Apple den Hauptspeicher. Der Ausbau auf 64 Gigabyte kostet 200 Euro mehr, so dass das Spitzenmodell mit 64 Gigabyte und UMTS-Modem plus WLAN mit 799 Euro zu Buche schlägt.

Die Mobilfunk-Versionen des iPad sind im Gegensatz zum iPhone nicht mit einer Netzsperre (SIM-Lock oder Netlock) versehen. Apple bietet zwar Tarife von Vodafone, der Telekom und O2 passend zum iPad an. Im Prinzip kann man die Internet-Tafel aber mit jedem beliebigen Mobilfunkprovider betreiben. Allerdings passen in das Gerät nur die kleineren Micro-SIM-Karten, die von einigen Providern angeboten werden. Im Internet kursieren Anleitungen, um eine herkömmliche SIM-Karte auf Micro-SIM-Format zu bringen - mit Cutter oder Schere.

Die Mobilfunk-Verbindung verringert die lange Akku-Laufzeit des iPad nur wenig. Der große Akku hält fast immer zehn Stunden durch, bis das iPad wieder an die Steckdose muss. Im täglichen Umgang mit dem iPad tritt die Hardware selbst aber schnell in den Hintergrund: „Das was Apple als die Magie des iPad bezeichnet, sind eigentlich die Anwendungen, die Apps, die es dafür gibt”, erklärt Matthias Kremp von „Spiegel Online”. Noch sei die Auswahl „vergleichsweise übersichtlich”, obwohl die Zahl der iPad-Programme zwei Monate nach dem Start in den USA die Schwelle von 5000 Apps überschritten hat.

Die Fähigkeiten des iPads, mehrere Fingerbewegungen auf dem Bildschirm unabhängig voneinander präzise und schnell zu erkennen, werden auch in dem kleinen Spiel „Marble Mixer” umgesetzt. Bei dem Game geht es um die simple Aufgabe, einem niedlichen Monster, das in der Bildmitte rotiert, Kekse ins Maul zu schießen. Damit könnte sich eine Kleinfamilie einen ganzen Abend lang beschäftigen.

Andere Anwender werden das iPad weniger als Spielekonsole einsetzen, sondern als ultramobiles Büro - für E-Mails oder Präsentationen. Da Apple die Microsoft-Technologie „ActiveSync” lizenziert hat, arbeitet das iPad auch mit dem in der Unternehmenswelt weit verbreiteten Exchange-Architektur zusammen. Als Alternative zu den Office-Programmen von Microsoft bietet Apple eine iPad-Variante seiner Bürosoftware „iWorks” an, die aus den Apps „Pages”,„ Keynote” und „Numbers” besteht.

In den USA wird das iPad häufig auch als Konkurrent zu digitalen Büchern, den E-Books, wie dem Amazon Kindle angesehen. In Deutschland bietet Apple zwar auch die Anwendung „iBooks” an. Doch finden sich hier bislang keine aktuellen Verlagsinhalte, sondern nur Klassiker und andere Titel, die frei veröffentlicht werden dürfen. „Wir arbeiten hart daran, auch Bücher aus den aktuellen Verlagskatalogen auf das iPad zu bringen”, heißt es bei Apple.

Nicht kompatibel ist das iPad mit der Flash-Technologie von Adobe, die von YouTube oder bei Online-Spielen wie „Farmville” genutzt wird. Während YouTube und andere Videoportale inzwischen ihre Filme auch im iPad-kompatiblen Format H.264 anbieten, scheint bei den Flash-Games keine Alternative in Sicht. Apple begründet den Verzicht unter anderem mit dem Strom- und Ressourcenhunger von Flash.

Die Haltung von Apple in Sachen Flash und die Kontrolle der im App Store angebotenen Programme durch Apple wird von manchen Rezensenten kritisiert: „Einen vollwertigen Computer ersetzt das iPad nicht. Daran sind einerseits die Beschränkungen der Hardware schuld, in größerem Maß aber der Käfig, in den Apple das iPad sperrt”, schreibt Helmut Martin-Jung von der „Süddeutschen Zeitung”. „Golden ist der Käfig mehr für Apple als für die iPad-Besitzer.” Doch wer ein „schmuckes Gerät zur Unterhaltung” sucht und mit den Einschränkungen leben kann, könne mit dem iPad glücklich werden.
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