Selbstvermarktung für Nachwuchsbands: Im Internet spielt die Musik

Von: Berti Kolbow, dpa
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Nachwuchsbands: Internet
Downloads statt Demo-CDs: Für Nachwuchsbands bietet das Netz viele Möglichkeiten, die eigenen Songs unters Volk zu bringen. Foto: dpa

Lüneburg/Hamburg. Vor jubelnden Fans aufzutreten und vom Verkauf der eigenen Songs leben zu können: Davon träumen viele Nachwuchsmusiker. Einen Plattenvertrag benötigen sie dazu nicht mehr zwingend - dem Internet sei Dank. Immer mehr Webseiten erleichtern Newcomern die Vermarktung.

Damit die Künstler entdeckt werden, müssen sie aber weiterhin viel Eigenwerbung betreiben.

„Das Internet wird für Musiker immer wichtiger, um unabhängiger von Plattenfirmen zu werden”, beobachtet Ole Seelenmeyer vom Deutschen Rock- & Pop-Musikverband (DRMV) in Lüneburg. „Die Möglichkeiten des Web 2.0 erleichtern es Konsumenten, neue Musik und Lieblingskünstler zu entdecken”, sagt Amke Block, Unternehmensberaterin in der digitalen Musikwirtschaft aus Hamburg.

Da immer mehr Musik aus dem Netz beschafft und am Rechner gehört wird, sind Online-Musikvertriebe eine komfortable Alternative, um bekannt zu werden. Sie stellen die Songs von jedermann bei legalen Download-Shops wie dem iTunes Store oder Musicload ein. Dafür nehmen sie unterschiedlich hohe Gebühren.

Der Dienst DooLoad (http://www.dooload.de), Selbstvermarktungsplattform und Onlinegemeinschaft für Musiker, stellt die Titel in bis zu 360 Downloadportale ein. Der „Standard”-Tarif ermöglicht pro Jahr fünf Veröffentlichungen. Im ersten Jahr kostet das nichts, vom zweiten an werden pauschal rund 3 Euro pro Monat fällig. Die Künstler erhalten von den Nettoverkaufserlösen 85 Prozent, was als fair gilt.

Der „Professional”-Tarif für Vielveröffentlicher kostet monatlich etwa einen Euro pro Song, pro Album fünf. Die Gebühren sind für ein Jahr vorab zu zahlen. Zudem werden das Bearbeiten der Klangqualität und die Produktion von CDs angeboten, was jedoch extra kostet.

Ähnlich wie DooLoad aufgebaute Dienste sind track by track (http://www.trackbytrack.com) und das von Amke Block mitbetriebene Audiomagnet (http://www.audiomagnet.com). Zuletzt befanden sich beide im Beta-Stadium, waren also noch nicht komplett ausgereift.

Justaloud (http://www.justaload.de) vertreibt die Songs direkt auf der Webseite. Den Preis bestimmen Angebot und Nachfrage. Öfter heruntergeladene Titel sind teurer - maximal kosten sie rund einen Euro. Neue Stücke sind anfangs gratis. Bei den Künstlern bleiben 85 Prozent der Einnahmen. Auf sich aufmerksam machen können die Musiker durch Profile und indem sie sich über die Seite mit Fans austauschen.

Während die genannten Dienste rein webbasiert arbeiten, setzt Rebeat (http://www.rebeat.com) eine Upload- und Verwaltungs-Software voraus. Sie kostet einmalig rund 100 Euro. Für das Speichern wird pro Titel einmalig ein Euro verlangt. Mitunter kommen weitere Gebühren hinzu. Rebeat ist an rund 300 Musik-Download-Shops angeschlossen.

SellaBand (http://www.sellaband.com) möchte auch unbekannte Künstler fördern, beschreitet dabei aber einen etwas anderen Weg: Bands und Solomusiker stellen dort sich und ihre Musik vor - und müssen genügend Fans finden, die bereit sind, je einen kleinen Obolus zu spenden, der insgesamt reicht, um eine CD-Produktion zu finanzieren.

Bei welchem Dienst auch immer: Der Rechtsanwalt Andrés Heyn aus Hamburg rät, vor dem Vertragsabschluss die Konditionen zu studieren. „Typischerweise übertragen die Künstler die ,Abrufrechte ihrer Stücke exklusiv an die Vertriebe”, sagt der Experte für Vertragsrecht in der Musikbranche. Damit dürfen die Songs während der Vertragszeit außer auf der eigenen Website auf keinem weiteren elektronischen Kanal verkauft werden. In seltenen Fällen werden weitere Rechte abgegeben.

Außerdem wird Heyns Erfahrung nach nur mit wenigen zum Download freigegebenen Songs Gewinn erzielt. Wollen sie kein Risiko eingehen, sollten Musiker ein Modell auswählen, das erfolgsabhängige Zahlungen statt Fixkosten vorsieht. Von Bedeutung ist auch die Berechnungsbasis für die prozentuale Beteiligung. Sind weitere Zwischenhändler mit im Boot, kann der Ertrag der Künstler sinken, warnt Amke Block.

Gute Konditionen vorausgesetzt, kann man laut Seelenmeyer aber von sinnvollen Lösungen sprechen: „Einzelne Musiker oder Bands kommen an die großen Download-Shops nicht heran. Und Vertriebsvereinbarungen mit Hunderten Shops zu schließen, können sie nicht leisten.” Mit dem digitalen Vertrieb von Stücken seiner eigenen Gruppe hat Seelenmeyer etliche Tausend kostenpflichtige Downloads erreicht.

Um aber Aufmerksamkeit zu erhalten, tut Werbung Not. „Bei den günstigen Digitalvertrieben darf man nicht erwarten, dass sie auch die Promotion übernehmen. Das bleibt Sache der Künstler”, sagt Heyn. Standard sind ein Künstler-Profil im Sozial-Netzwerk MySpace oder ein Konzertmitschnitt im Videoportal Youtube, erläutert Seelenmeyer.

Der Schlüssel zum Erfolg seien die richtigen Verschlagwortungen. Neue Inhalte werden im Netz oft zufällig gefunden. Wer zum Beispiel den eigenen Song „Let it be” nennt, hat gute Chancen, ebenfalls in der Trefferliste einer Songsuche von einem Beatles-Fan aufzutauchen, erklärt Seelenmeyer.

Lust auf mehr können auch Konzerte bereiten. Auch dafür gibt es Anlaufstellen, die Bands beim Ergattern von Auftritten helfen: Seiten wie Talente.de, Sonicbids.com oder Musicnity.com. Verkaufsfördernd können auch Gratis-Songs auf der eigenen Webseite oder dem eigenen Künstlerprofil sein - oder die Möglichkeit, Songtexte mitzugestalten, nennt Beraterin Amke Block weitere Beispiele. Kleine Aufmerksamkeiten erhalten auch bei der Musiker-Selbstvermarkung die Fanfreundschaft.
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