Palo Alto/München - Schafe züchten und Bankräuber spielen: Mini-Onlinespiele boomen

Schafe züchten und Bankräuber spielen: Mini-Onlinespiele boomen

Von: Philipp Laage, dpa
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Krieg in der Community: Onlinespiele wie „Mafia Wars” werden immer populärer. Foto: dpa

Palo Alto/München. Soziale Netzwerke sind üblicherweise Orte, an denen Internetnutzer sich austauschen, Kontakte knüpfen oder sich selbst darstellen. Immer mehr Mitglieder wollen sich aber auch nur die Zeit vertreiben.

Dafür spricht die wachsende Popularität von kleinen Onlinespielen, die sich als Applikationen in den Netzwerken starten lassen. Besonders ausgeprägt ist das Phänomen auf Facebook, wo „FarmVille” oder „Mafia Wars” zur Zockerei einladen. Datenschützer sind davon allerdings nicht eben begeistert.

Für viele Nutzer ist es gerade die relative Anspruchslosigkeit, die die Spiele attraktiv macht. „Sie haben keinen großen Ladeaufwand und sind da positioniert, wo man sich ohnehin regelmäßig aufhält”, sagt Johannes Schleimer aus Hagen. Der 22-Jährige macht eine Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher und spielt solche Titel vor allem dann, wenn er gerade ein paar Minuten Zeit oder Langeweile hat. Das ist kein Problem, da die Bedienung und die Aufgaben unkompliziert sind: Alles ist ohne viel Aufwand und mit wenigen Klicks erledigt.

Aber auch der Netzwerk-Charakter wird zu einem gewissen Teil mit in die Spiele übertragen. Bei „FarmVille” zum Beispiel gehe es zum einen darum, schnell viele Tiere und verschiedene Arten zu züchten, sagt Schleimer. Aber es gebe auch die Möglichkeit, seinem Nachbarn auszuhelfen, wenn er gerade im „away”-Status ist. „Es macht einfach mehr Spaß, seinen Gegenspieler zu kennen und auf dem Bauerhof eines Freundes etwas zu entdecken, das ich vielleicht übernehmen kann.”

Mit seiner Begeisterung für die Minispiele ist der 22-Jährige in guter Gesellschaft: Allein die erfolgreichsten zehn Titel hatten zuletzt insgesamt mehr als 100 Millionen Spieler weltweit, sagt Javier Olivan, Manager bei Facebook in Palo Alto im US-Bundesstaat Kalifornien.

Immerhin 11 Prozent derjenigen, die in Deutschland Spielchen in sozialen Netzwerken nutzen, geben an, dort liege der hauptsächliche Ort ihrer Spieltätigkeit. In den USA liegt dieser Wert schon bei 24 Prozent. Das geht aus einer internationalen Umfrage mit rund 13.000 Teilnehmern hervor, die die Marktforscher von TNS Infratest aus München und die Seite gamesindustry.com jüngst vorgenommen haben.

Dass die meisten Nutzer solcher Spiele vor allem auf kurzfristige Unterhaltung aus sind, sagt auch Marc Wardenga von der Fachgruppe „Connected Games” im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) in Düsseldorf. Die Spieler hätten pro Session rund fünf bis zehn Minuten Zeit. „Die Erwartungshaltung wird durch solche Spiele also voll und ganz erfüllt.”

Aus Sicht von Datenschützern wirft das schnelle Zocken im sozialen Netzwerk aber Fragen auf.
Die zentrale sei, in welcher Kombinationen nötige Informationen zum Spielen und Informationen über den Spieler beziehungsweise sein Profil bei dem Netzwerk verarbeitet werden, erklärt Marit Hansen vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein in Kiel. „Das lässt sich zur Zeit noch nicht rechtlich bewerten.” Problematisch sei, dass viele Anbieter nicht aus Europa kommen und es deshalb eine große Rechtsunsicherheit gebe.

Hinter sogenannten Social Games wie „FarmVille” oder „Mafia Wars” zum Beispiel steht das Unternehmen Zynga aus San Francisco. In den USA hat es schon eine Reihe von Klagen gegen die Firma gegeben, weil angeblich versucht wurde, Mitgliedern über die Teilnahme an Werbeaktionen oder Mini-Tests kostenpflichtige SMS-Abonnements unterzuschieben.

„Letztlich kann man nur an die Selbstbestimmung der Nutzer appellieren”, sagt Marit Hansen. Wer absolut ausschließen möchte, dass von außerhalb auf die eigenen Profildaten zugegriffen wird, der lasse die Applikationen am besten erst gar nicht zu. Das heißt: Er verzichtet aufs Tierezüchten oder den Straßenkrieg in Mafia-Manier.

Dennoch sind und bleiben Spiele ein wesentlicher Stützpfeiler des sozialen Netzwerks. Sie seien schon seit langem die beliebtesten Applikationen auf Facebook, sagt Olivan. Mit dem „Games Dashboard” solle ein spezieller Bereich eingerichtet werden, in dem Nutzer auf Spiele zugreifen können, die sie kürzlich gespielt haben oder Titel entdecken, die ihnen Freunde empfohlen haben. Dort erhalten Nutzer auch Updates über anfallende Aufgaben innerhalb der Spiele.
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