Oft fehlen die Bieter: Es gibt nicht viele echte eBay-Alternativen

Von: Berti Kolbow, dpa
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Oft fehlen die Bieter: Es gibt nicht viele echte eBay-Alternativen
Im Schatten von eBay: Konkurrierende Anbieter von Online-Auktionen haben es gegen den Platzhirsch schwer. Foto: dpa

Berlin/München. Es mag Menschen geben, die noch nicht einmal wissen, dass Online-Auktionen nicht automatisch bei eBay stattfinden müssen. Der Name des Marktführers ist zum Synonym für Versteigerungen im Internet geworten. Dabei ist niemand gezwungen, bei eBay zu kaufen oder zu verkaufen.

Auch andere Anbieter buhlen um die Gunst der Handelnden und Käufer. In bestimmten Fällen können die Alternativen reizvoll sein. Häufig führt jedoch kein Weg am Platzhirsch vorbei, weil auf anderen Auktionsplattforen zum Teil schlichtweg die Bieter fehlen.

Umgekehr tummeln sich bei eBay inzwischen Gott und die Welt. Echte Schnäppchen sind deshalb oft nur noch schwer zu finden. „Der ursprüngliche Flohmarktcharakter ist geschwunden, weil der Marktplatz stark gewachsen ist und vor allem mehr gewerbliche Händler auf eBay präsent sind”, erklärt Ronny Jahn, Internetexperte der Verbraucherzentrale Berlin den Unmut so manchen Nutzers. Um noch Schnäppchen oder Raritäten zu finden, sind mitunter umfangreiche Filter-Einstellungen in der ausgefeilten eBay-Suchmaske nötig.

Statt um Auktionen handelt es sich bei den Angeboten häufig um Festpreis-Geschäfte. Die bringen nicht nur weniger Nervenkitzel, sondern kosten oft auch mehr als woanders. „Viele Nutzer assoziieren eBay mit einem Schnäppchen-Image und verzichten auf Preisvergleiche. Dabei sind viele Artikel bei anderen Online-Shops günstiger”, sagt Tobias Weidemann, Internetexperte der in München erscheinenden Zeitschrift „PC-Welt”.

Mit unterschiedlichen Konzepten versuchen einige Anbieter eBay Kunden abspenstig zu machen. Mit standardmäßig kostenlosen Auktionen lockt etwa www.hood.de. Nur für Zusatzoptionen, zum Beispiel das Hervorheben von Angeboten, werden Gebühren fällig. Auch www.azubo.de verlangt nur für Sonderleistungen Gebühren, jedoch auch eine Provision in Höhe von 4,5 Prozent des Verkaufspreises.

Zum Vergleich: eBay verlangt von privaten Verkäufern 8 Prozent bei Verkaufspreisen bis 50 Euro. Azubo kehrt das Versteigerungsprinzip um: Der Preis fällt so lange, bis ein Käufer ihn als akzeptabel erachtet und zuschlägt. Andere Online-Marktplätze sind beispielsweise http://www.feininger.de, http://www.auxion.de , http://www.besteauktion.de oder http://www.auvito.de

Keiner von eBays Nebenbuhlern hat aber auch nur annähernd den Bekanntheitsgrad des Vorbildes erreicht. „Mir ist keine Plattform bekannt, die genügend Angebot und Nachfrage generiert, dass dort regelmäßig sinnvolles Handeln in Form von Auktionen garantiert wäre”, erklärt Tobias Weidemann.

Dass so wenig auf den alternativen Plattformen los ist, hat unterschiedliche Konsequenzen. Von Vorteil ist, dass sie dadurch für schwarze Schafe offenbar weniger attraktiv sind. Zwar sind Betrugsfälle keinesfalls ausgeschlossen, allerdings sei es „auffällig, dass uns noch kein Betrugsfall bei den alternativen Marktplätzen bekannt geworden ist”, sagt der Rechtsanwalt und Internetrechtsexperte Johannes Richard aus Rostock.

Auf der anderen Seite dürften sich einige Verkäufer auf alternativen Plattformen darüber ärgern, wenn sie ihre Artikel nicht loswerden, weil sich kein Interessent findet oder der Erlös nur sehr niedrig ausfällt, weil nur wenige Seitenbesucher mitbieten.

Für Kaufwillige ergibt sich umgekehrt daraus mitunter ein reizvolles Schnäppchenpotenzial. „Je weniger andere Bieter es gibt, die den Preis hochjubeln, desto größer ist die Chance, den Zuschlag zu einem günstigen Preis zu erhalten”, erklärt Verbraucherschützer Ronny Jahn.

Für Verkäufer, die mit einer stetigen Nachfrage kalkulieren, und für Käufer, die nicht einen Schwung Webseiten abgrasen möchten, führt jedoch an der kaufhausähnlichen Sortimentsbreite und dem riesigen Marktvolumen von eBay kaum ein Weg vorbei.

In bestimmten Nischen, in denen das Unternehmen nicht so präsent oder spezialisiert ist, lohne sich jedoch ein Blick auf andere Handelsportale, empfiehlt Tobias Weidemann.

Das gelte zum Beispiel für Handwerksdienstleistungen. Wer nach einem Fliesenleger, Gärtner oder Kfz-Mechaniker sucht, wird auf Seiten wie http://www.my-hammer.de , http://www.undertool.de , http://www.qotatis.de oder http://www.jobdoo.de fündig. Das Auktionsprinzip wird hier umgekehrt. Kunden schreiben die gewünschten Aufträge aus, Dienstleister geben ihre Angebote ab und unterbieten sich, so dass der Preis sinkt.

Eine beachtenswerte Alternative für private Verkäufer, die Ware zu Festpreisen handeln möchten, sei der Marktplatz des Online-Shops Amazon unter http://www.amazon.de/marketplace , sagt Weidemann. Der Bezahlvorgang läuft über Amazon. Verkäufer könnten sich sicher sein, dass sie ihr Geld erhalten. Das sei bei eBay nicht immer der Fall.

Wer nur bestimmte Waren sucht, kann auf Zielgruppen zugeschnittene Marktplätze ansteuern. Leseratten finden beispielsweise eine breite Auswahl an vergriffenen Schmökern beim Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher unter http://www.zvab.com

Dort handeln viele Versand-Antiquariate, die Preise sind fix. Numismatiker kaufen und versteigern Münzen dagegen auf http://www.muenzauktion.com

Wer in Hochgeschwindigkeit Bücher, Videos, CDs oder Computerspiele konsumiert und dafür am liebsten wenig Geld ausgibt, sollte legale Tauschbörsen in Erwägung ziehen, empfiehlt Tobias Weidemann von der Zeitschrift „PC-Welt”. Bei Anbietern wie http://www.hitflip.de und www.tauschticket.de wird nicht ver- und ersteigert. Nutzer bieten dort die genannten Artikel für einen festgelegten Wert an.

Dateien sind vom Tausch ausgeschlossen. Dafür erhalten die Nutzer Guthaben in virtueller Währung, wenn andere Mitglieder die Artikel anfordern. Das Guthaben kann wieder für Artikel eingetauscht werden. Der Tauschvorgang bei Tauschticket ist gratis. Hitflip verlangt einen Euro für jeden erhaltenen Artikel.
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