Nixdorf & Co.: Was aus einstigen Vorzeigefirmen wurde

Von: Joachim Hackmann
Letzte Aktualisierung:
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Aachen. Softlab, Nixdorf, Plönzke, sd&m, Arcor, debis - die Liste der im Lauf der Jahre verschwundenen IT-Marken ist lang. Wir haben einige zusammengetragen.

Die Liste der im Lauf der Jahre verschwundenen IT-Marken ist lang. Wir haben einige zusammen getragen.

Heinz Nixdorf gründete 1968 die Nixdorf Computer AG, die in den Siebziger Jahren zum Marktführer avancierte. Der Manager machte Nixdorf zum bedeutendsten deutschen Computerpionier. Heinz Nixdorfs Tod war so spektakulär wie sein Leben: Er starb auf der CeBIT 1986 an einem Herzinfarkt.

Mit dem Tod des Firmengründers zeichnet sich auch das Ende der Selbständigkeit der Nixdorf AG ab. Ende 1990 übernahm Siemens das Paderborner Unternehmen und führte es mit den eigenen IT-Aktivitäten unter einem Dach zusammen. 1999 wurden sämtliche Bankenlösungen unter dem Namen Wincor Nixdorf ausgegliedert, hier lebt der Name Nixdorf bis heute weiter.

Das PC-Geschäft wurde 1999 in das Joint Venture Fujitsu Siemens Computers (FSC) überführt. 2009 verkaufte Siemens sämtliche Anteile, so dass FSC heute komplett zum Fujitsu-Konzern gehört.

1995 gegründet und aus den IT-Services-Aktivitäten von Siemens und Siemens Nixdorf hervorgegangen, strebte SBS in den ersten Jahren nach dem Start eine Spitzenposition im europäischen und globalen IT-Markt an. Es folgten große Pannenprojekte, die regelmäßig die Bilanzen von SBS verhagelten. SBS wurde zum dauerhaften Problemfall im Siemens-Konzern.

Nach zwölf Jahren, im Jahr 2007, wurde SBS mit einigen IT-Auslandstöchtern von Siemens unter dem Namen SIS zusammengeführt. Nachhaltige Besserung stellte sich nicht ein. Später wurde SIS als eigenständige Gesellschaft aus dem Siemens-Verbund herausgelöst.

Im Dezember 2010 verkauft Siemens seine kränkelnde Tochter an Atos Origin. Im Zuge der Fusion entstand der neue Firmenname Atos, eine Wortkreation aus den Firmennamen „Atos Origin” to „Siemens”.

Im Debis Systemhaus (Daimler Benz IT Services) bündelte der Daimler-Konzern ab 1990 seine internen IT-Aktivitäten. Mit verschiedenen Zukäufen stieg das Debis Systemhaus in den externen Markt ein und entwickelte sich zu einem bedeutenden Anbieter in Deutschland. Zuletzt erzielte es deutlich über 70 Prozent des Umsatzes mit externen Kunden.

Im Jahr 2000 verkaufte der Autokonzern 50,1 Prozent der Anteile an die Telekom. Aus dem Zusammenschluss des Debis Systemhaus und der Telekom-eigenen IT-Aktivitäten ging der IT-Dienstleister T-Systems hervor. 2002 erwarb die T-Systems auch die restlichen Debis-Anteile vom damaligen Daimler-Chrysler-Konzern.

Klaus Plönzke verabschiedete sich 1969 von seinem Angestellendasein bei IBM und gründete das „EDV-Studio Plönzke”, das in den darauf folgenden Jahren zu einem der bedeutendsten Beratungshäuser in der Republik wurde. Später wurde das Unternehmen in die Ploenzke AG umbenannt.

Beim Verkauf im Jahr 1995 an CSC standen bei Ploenzke rund 4000 Mitarbeiter in Lohn und Brot. Fünf Jahre später stieg der Gründer Plönzke ganz aus. CSC führte die Marke Ploenzke noch eine Weile im Namen. Heute erinnert unter dem CSC-Dach kaum noch etwas an das frühere Beratungshaus. Klaus Plönzke gründete 1999 die Plönzke Holding und später das Plönzke Netzwerk, ein virtuelles Dach für Startups und kleine IT-Firmen.

Das Softwarehaus war neben der SAP lange das deutsche Vorzeige-Unternehmen der Softwarebranche. Gegründet wurde es 1984 von August-Wilhelm Scheer, Professor an der Universität des Saarlandes. Grundlage der Erfolgsgeschichte war das Softwareprodukt "Aris" für das Business-Prozess-Management.

Seit 2009 hält die Software AG die Mehrheit an IDS Scheer. Ende 2010 wurde IDS Scheer komplett integriert. Die Marke wird als Beratungshaus weitergeführt.

In der Historie von Softlab spielt BMW eine besondere Rolle. 1971 wurde die Firma als Softwareentwicklungshaus gegründet (Software + Labor) und 1992 komplett von BMW übernommen. Ähnlich wie Mercedes mit dem Debis Systemhaus wollte der Münchner Autokonzern im aufstrebenden EDV-Markt Flagge zeigen.

Seit 2008 firmierte Softlab unter dem Namen Cirquent (Kunstwort aus Circle und konsequent), um die beständige Arbeit im IT-Servicezyklus zu unterstreichen und übernommene Firmen unter einem Dach zu vereinen.

Noch im gleichen Jahr verkaufte BMW 74,9 Prozent seiner Anteile an NTT Data. Im Jahr 2012 soll der Name Cirquent abgelöst werden.

In die Liste der übernommenen IT-Töchter deutscher Autokonzerne reiht sich auch Gedas ein. Die Volkswagen-Tochter mit Sitz in Berlin nahm in ihrem letzten Jahr unter VW-Dach mit rund 5500 Mitarbeitern mehr als 600 Millionen Euro ein, davon 37 Prozent außerhalb des Mutterkonzerns.

Im Jahr 2006 wurde Gedas für knapp 450 Millionen Euro von T-Systems übernommen. Als Mitgift gab der VW-Konzern der Telekom-Tochter einen Outsourcing-Vertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem Gesamtwert von 2,5 Milliarden Euro auf den Weg.

Ernst Denert und Ulfried Maiborn gründeten 1982 die Firma sd&m (Software Design und Management), die sich im deutschen Markt schnell einen Namen als Entwicklungshaus für Individualsoftware machen konnte.

Im Jahr 2001 übernahm das französische Beratungsunternehmen Capgemini die deutsche Softwareschmiede und ließ sie lange Zeit unberührt. 2010 wurde sd&m dann doch integriert und der Name aufgegeben.

Der Name Tenovis hat keine lange Geschichte, das dahinter stehende Unternehmen dagegen schon. Bereits 1899 wurde mit der Deutschen Privat Telephon Gesellschaft die Keimzelle gegründet, während der Nazizeit in Telefonbau und Normalzeit Lehner & Co. (T&N) und 1980 schließlich in Telenorma umbenannt. Lange Zeit war AEG größter Anteilseigner, später wurde das Unternehmen von Bosch übernommen. Im Jahr 2000 verkauft Bosch das Unternehmen an eine Beteiligungsgesellschaft, die dem Neuerwerb den Namen Tenovis gab.

2002 beschäftigte Tenovis rund 6000 Mitarbeiter. Unter der Führung der Beteiligungsgesellschaft wurde die Belegschaft erheblich verkleinert. Im Jahr 2004 wurde Tenovis mit rund 5400 Mitarbeitern an Avaya weiter verkauft.

Das bekannteste Produkt von SoftM war Semiramis, eine ERP-Lösung für mittelständische Anwender. Gegründet wurde SoftM 1973 in München, zunächst unter anderem Namen. Seit 1986 firmierte das Unternehmen unter dem bekannten Namen.

Ende 2008 erwarb der im polnischen Krakau ansässige ERP-Spezialist Comarch die Mehrheit an SoftM. Im Jahr 2009 wurde der Firmenname SoftM abgelöst. Den Produktnamen Semiramis gibt es nach wie vor.

Die Deregulierung des TK-Festnetzmarktes bereitete Arcor den Boden. Das Unternehmen wurde 1997 unter dem Namen Mannesmann Arcor gegründet und stieg zum größten Wettbewerber der Telekom auf. Im Jahr 2001 kam es zur Übernahmeschlacht zwischen Mannesmann und Vodafone, an deren Ende sich der britische Konzern die Mehrheit an dem deutschen TK-Anbieter sichern konnte.

Im Jahr 2008 übernahm der britische Carrier sämtliche Anteile an Arcor. Mitte 2009 kündigte das Unternehmen an, dass die Marke Arcor am 1. August 2009 durch Vodafone ersetzt werde.

Thyssen-Krupps IT-Tochter Triaton galt als ein Vorzeigeunternehmen im Markt der IT-Ausgründungen, weil sie mehr als 60 Prozent des Umsatzes in Höhe von zuletzt 370 Millionen Euro mit externen Kunden einnahm. Das Unternehmen wurde 1999 als Spinoff des Essener Stahl- und Maschinenbau-Konzerns gegründet und übernahm im Jahr 2000 die IT-Tochter des Pharmariesen Aventis.

Im Februar 2004 ging Hewlett-Packard (HP) überraschend als Sieger aus einem wochenlangen Bieterwettstreit um den IT-Dienstleister Triaton hervor. HP zahlt rund 340 Millionen Euro. Mit Thyssen-Krupp wurde ein Servicevertrag für die kommenden sieben Jahre vereinbart.

Das deutsche Internet-Aktionshaus Alando war die ersten Firmengründung der umtriebigen Samwer-Brüder (im Bild Oliver Samwer im Jahr 2007). Der deutsche eBay-Konkurrent ging 1999 an den Start.

Bereits sechs Monate nach Start war für Alando schon wieder Schluss. eBay übernahmen das Startup für 43 Millionen Euro und integrierte es in das eigene Angebot. Die Marke Alando verschwand genauso schnell, wie sie zuvor im Internet aufgetaucht war.

Mit dem Geldsegen von eBay starteten die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer ihr nächstes Projekt. Zusammen mit Firmenpartnern gründeten sie bereits im August 2000 die Download-Plattform für Klingeltöne und mobile Anwendungen Jamba!.

Im Frühjahr 2004 verkauften die Gründer die Plattform an den US-amerikanischen Internet- und Telekom-Provider Verisign. Er zahlte 273 Millionen Dollar in bar und Anteilsscheinen.

Die Utimaco Safeware AG hatte sich mit der Produktmarke „SafeGuard” einen Namen als Verschlüsselungsspezialist erworben. Das Portfolio des Anbieters umfasste Sicherheitsprodukte sowohl für ruhende als auch in Bewegung und Bearbeitung befindliche Daten.

Mitte 2008 wechselte Utimaco für 217 Millionen Euro unter das Dach von Sophos und wurde zunächst als neue Geschäftseinheit mit Fokus auf Datensicherheit weitergeführt. Ziel von Sophos war die Integration von Endpoint-Protection, Netzzugriffskontrolle (NAC) und Verschlüsselung.

Der deutsche Security-Anbieter Astaro bezeichnete sich selbst als viertgrößter Anbieter für UTM-Lösungen (Unified Threat Management). Das Unternehmen nahm zuletzt weltweit 56 Millionen US-Dollar ein und verzeichnete im Jahr 2010 eine Wachstumsrate von 30 Prozent. Die Karlsruher Firewall-Spezialisten konnten auf über 56.000 Installationen in über 60 Ländern verweisen.

Im Mai 2011 wurde auch Astaro von Sophos geschluckt. Die neue Muttergesellschaft, die sich bis dato primär auf Endpoint-Security fokussiert hatte, kündigte im Zuge der Akquisition Komplettlösungen für die IT-Sicherheit an.

Gibt es relevante deutschen IT-Unternehmen und IT-Marken, die wir vergessen haben? Senden Sie uns Ihre Vorschläge, wir aktualisieren die Liste gerne.

© IDG / In Zusammenarbeit mit computerwoche.de
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