Nachhilfe 2.0: Was Lern- und Übungsseiten leisten

Von: Florian Oertel, dpa
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junge Frau/ Übungsseiten im Netz
Schlauer werden mit dem Web: Selbst Lehrer sagen, dass viele Lern- und Übungsseiten eine echte Hilfe für Schüler sind. Foto: dpa

Düsseldorf/Berlin. Von Geografie bis Trigonometrie, von „333, bei Issos Keilerei” bis zu unregelmäßigen englischen Verben: Es dürfte kein Thema geben, zu dem Schüler im Internet nicht Übungen, Anregungen oder Informationen finden. Aber sind Webseiten wirklich eine Hilfe? Ja, sagen sogar Lehrer - wenn man die richtigen findet, sie richtig zu nutzen weiß und sich nicht von windigen Anbietern übers Ohr hauen lässt.

Wer sich zum Beispiel mit der gleichmäßig beschleunigten Bewegung schwertut, surft auf http://www.physikquiz.de , denkt nicht über die wenig ansprechende Optik nach und versucht stattdessen, die 20 Fragen zum Thema richtig zu beantworten. Am Ende hat man bestenfalls spielerisch eine Menge gelernt und sieht der nächsten Physikstunde um einiges gelassener entgegen.

Sorgen französische Verben für Kopfzerbrechen, mit ihren Endungen, die fast immer anders aussehen als vermutet? Dann hilft vielleicht folgende Internetseite (http://www.leconjugueur.com). Hier gibt der Schüler die Grundform eines Verbs ein und hat blitzschnell alle gebeugten Formen von der ersten Person Singular im „Présent” bis zum „Gérondif Passé” auf dem Bildschirm. Und wer feststellt, dass es in Religion um mehr als Bibelgeschichten geht, für den könnte http://www.relilex.de eine gute Anlaufstelle sein.

Alle drei Seiten sind im Schulfach-Navigator des Internet-ABC (http://www.internet-abc.de) zu finden. Das vom gleichnamigen Verein aus Düsseldorf betriebene Portal richtet sich an Eltern, aber auch an Kinder vornehmlich im Alter zwischen fünf und zwölf. Der Navigator enthält von einer Redaktion überprüfte und als sinnvoll bewertete kostenlose Seiten zu sämtlichen Fächern von Biologie bis Sport.

Neben dem Inhalt achten die Internet-ABC-Mitarbeiter auch darauf, wie die Seiten aufgebaut sind. „Idealerweise sind sie werbefrei”, sagt Projektleiterin Gabriele Becker. Damit nennt sie ein wichtiges Kriterium gerade für Eltern jüngerer Kinder, die selbst nach guten Angeboten suchen. „Und wenn Werbung drauf ist, muss sie klar von den Inhalten getrennt sein. Kinder können das sonst nicht unterscheiden.”

Gutgemachte Wissens-, Lern- und Übungsseiten zeichnen sich nach Beckers Worten auch durch eine klare Struktur aus: „Die Navigation muss einfach sein - ich muss immer wieder dahin zurückfinden, wo ich herkomme.” Für Kinder im Grundschulalter bieten solche Portale nicht zuletzt eine gute Möglichkeit, kompetent mit dem Medium Internet umgehen zu lernen.

Darauf kommt es bei älteren Schülern in aller Regel nicht mehr an. Dennoch sieht auch Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes in Berlin, in den Webseiten eine sinnvolle Hilfe: „Wenn man zusätzliche Übungsaufgaben mit Lösungen hat, kann das nicht schaden.” In der Oberstufe sei es gar das A und O. „Da geht es ja ums eigenständige Lernen.” Besonders positiv sei es, wenn mehr geboten wird als in Büchern - etwa auf Matheseiten mit Funktionsrechner oder auf Chemieportalen mit Videoclips von Experimenten.

Weniger hält der Chef des Gymnasiallehrer-Verbands von Portalen, auf denen Referate oder Hausarbeiten angeboten oder getauscht werden: Die Qualität schwanke erheblich. „Wir haben mal 20, 30 Arbeiten aus verschiedenen Fachgebieten runtergeladen, von Lehrern benoten lassen und kamen auf einen Durchschnitt von 2,8.” Das ist nicht sensationell - vor allem, wenn man bedenkt, dass das Risiko, aufzufliegen, eher zunimmt: „Die Lehrer sind gewiefter worden”, warnt Meidinger.

„Man muss wissen: Die Angebote sind nicht immer kostenlos”, sagt Gabriele Becker. Wo der Nutzer darüber unmissverständlich aufgeklärt wird, hat er es in der Hand, die Kreditkarte zu zücken oder nach einem Gratis-Angebot zu suchen. Doch schwarze Schafe verzichten darauf, und im Nu hat sich der Schüler ein Abo eingehandelt - und Ärger mit dem Vater, der es bezahlen soll.

Irgendwo auf der Seite steht in aller Regel durchaus, dass und in welchem Umfang Nutzer zur Kasse gebeten werden - aber eben „versteckt oder nur im Fließtext”, warnt Martin Madej. Er hat als Jurist beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin seine Erfahrungen mit Seiten für Schüler, die sich als Abo-Fallen entpuppen. „Oft wird man auch erstmal mit unwichtigen Infos gefüttert und liest gar nicht bis zu der Stelle, an der der Preis steht.”

Wer reingefallen ist, dem rät Martin Madej, zu handeln. Klar ist die Sache, wenn der minderjährige Filius das Abo ohne Zustimmung der Eltern eingegangen ist, denn rechtlich gesehen darf er das nicht. Die Eltern sollten sich dann gegenüber dem Anbieter darauf berufen, dass die Erklärung des Kindes genau deshalb unwirksam ist.

Aber auch, wenn sich der Erziehungsberechtigte die Seite angeschaut und der Nutzung zugestimmt hat, sollte er widersprechen - etwa mit dem Argument, der Kostenhinweis sei nicht klar genug gewesen. Mehrere Verbraucherzentralen bieten dafür Musterschreiben an. Gehen solche Fälle vor Gericht, stehen die Chancen für die Verbraucher nach Worten des Juristen nicht schlecht.

Wie auch immer die Situation aussieht, empfiehlt Madej, keine „Brieffreundschaft” einzugehen: Es wird darauf verwiesen, dass kein Vertrag zustandegekommen ist, Mahnungen wandern in den Papierkorb. Erst wenn der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass ein gerichtlicher Mahnbescheid ins Haus flattert, ist Widersprechen wichtig. Denn der Richter überprüft vor Versendung nicht, ob die Ansprüche gerechtfertigt sind - und nicht zu reagieren bedeutet, einzuwilligen.
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